Luchsverbündete wandern

Unsere Luchsverbündeten in Aktion

"Es ist toll zu sehen, was man selbst bewegen kann", schreibt Maren am letzten Tag in unser Wandertagebuch. "Ich bin einfach nur gelaufen, mit meinem Rucksack auf dem Rücken und konnte so über 100 Euro für den Luchs sammeln. Einfach stark!" Beim Durchblättern der Seiten formen verschiedene Handschriften ein positives Gesamtbild: unterstützen, interessant, Luchs läuft, wohlgesonnen, tolle Erfahrung, stolz, Aufgeschlossenheit, Danke, Viel Glück und Erfolg. Ja, es hat sich gelohnt.

Eine Woche lang sind wir, Maren, Svenja, Ines, Maike, Krista und ich, bepackt mit Rucksäcken, Einsatzbereitschaft und Infomaterial, durch den Pfälzerwald gewandert. Warum? Dem Luchs zuliebe! Jeder gelaufene Kilometer brachte Spenden zugunsten der Rückkehr der Luchse nach Deutschland ein. So haben wir in einer Woche 95 Kilometer zurückgelegt und damit eine Summe von 591 Euro erlaufen können. Gespräche mit Anwohnern, Förstern, Politikern und Experten rund um den Luchs standen ebenfalls auf dem Programm. Dabei haben wir nicht nur andere zum Nachdenken angestoßen, sondern auch selbst eine Menge gelernt. 

Am Morgen des 18. Augustes starteten wir unsere erste Etappe von Bad Bergzabern zum Naturfreundehaus Bethof. Elf Kilometer – erstmal warm werden. Blumenreiche Wiesen, Burgruinen, sanfte Hügel und erste Blasen an den Füßen begleiteten uns auf dem Weg. Im Naturfreundehaus hatten wir eine kleine Infoveranstaltung angekündigt, zu der etwa 15 interessierte Mitarbeiter und Gäste kamen. Locker war die Runde, die Stimmung ausgelassen und die Anwesenden neugierig: Was frisst ein Luchs? Ist er tagsüber aktiv? Könnte ich ihm im Wald begegnen? Was passiert, wenn ein Luchs ein Schaf reißt? Heute Luchs, morgen Wolf? Die Fragen sprudelten nur so hervor. Einige Unklarheiten zum Luchs konnten wir aus dem Weg räumen, indem wir von dessen scheuem Wesen erzählten.

In der Slowakei - dort wo einige der ausgewilderten Tiere herkommen, und wo wir Luchs-Verbündeten von der WWF Jugend im letzten April eine Reise hin gemacht hatten - werden Luchse nicht umsonst „Geister des Waldes“ genannt. Außerdem beruhigte es die Gemüter, dass Farmer entschädigt werden, wenn ein Luchs ein Nutztier reißt. Grundsätzlich waren die Menschen dankbar für den offenen Dialog. Dieser war manchmal auch dringend notwendig, da mehrere Anwesende wenig vom Luchs wussten und Ängste, wenn vorhanden, häufig auf Vorurteilen beruhten. Letztendlich waren aber doch einige Leute bereit mit einem Foto oder Statement ihre Unterstützung für die Rückkehr des Luchses zum Ausdruck zu bringen.

Die darauffolgenden Tage waren ein wahrer Steigerungslauf: Schritt für Schritt schafften wir 18, 20, 22 Kilometer. Unterwegs trafen wir uns mit einem Mitarbeiter des Luchs Projektes. Er berichtete, dass er sehr froh über die gut funktionierende Zusammenarbeit mit Jägern und Landwirten im Pfälzerwald war. Ein ähnliches Bild vermittelten uns zwei Förster, die einen Teil der Strecke mit uns wanderten und uns von der Forstarbeit sowie ihrer Einstellung zum Luchs erzählten. So erweiterte sich einerseits unser Wissen rund um Weißtanne, Weymouth-Kiefer, Hexenröhrling und Co., andererseits erhielten wir einen neuen Eintrag in unserem Wandertagebuch: Das Forstamt Kaiserslautern unterstützt aktiv das Luchsprojekt.