Berichte

Ein Kilo frisches Walfilet gefälligst?

  • Herr Wal packt aus – und erleichtert damit endlich sein Gewissen. "Herr Wal", das ist keine Figur aus einer Zeichentrickserie, sondern ein ehemaliges Mitglied einer japanischen Walfangflotte. Den Decknamen gab er sich aus Angst vor Racheakten. Denn, was er zu erzählen hat, dürfte seinen früheren Vorgesetzten ganz und gar nicht gut gefallen…

    Pünktlich zur Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) kommen so einige schmutzige Geschäfte ans Licht. Das gehandelte Gut? Walfleisch. Der Tatort? Japan.

    alt

    Wo auch sonst, ist Japan doch schon seit Jahren im Verruf wegen dem systematischen Fangen und Töten der Meeressäuger. Angeblich solle dies zu wissenschaftlichen Zwecken passieren. Doch "Herr Wal" setzt dem Ammenmärchen ein Ende. In Japan gilt Walfleisch als Delikatesse. Ein Kilogramm Walfilet kostet dort bis zu 180 Euro. Nachdem ein Wal gefangen wurde, werden die teuersten Stücke herausgeschnitten und der Rest wieder über Bord geworfen. "Diese Verschwendung hat mich am meisten gestört", sagt "Herr Wal". Er berichtet außerdem, dass viele Walfänger von dem Fleisch stehlen und es auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Von dem Gewinn machen sie sich ein schönes Leben: "Ein Fischer hat so viel Walfleisch gestohlen, dass er sich von dem Erlös ein Haus gebaut hat".

    alt

    Und davon hat nie jemand etwas mitbekommen?

    Oh doch: Schon vor zwei Jahren haben zwei Greenpeace-Mitarbeiter einen solchen Schwarzhandel aufgedeckt und gingen damit an die Öffentlichkeit. Doch statt der Walfischer wurden die Greenpeace-Leute wegen Diebstahls angeklagt, weil sie eine Kiste mit 23 Kilogramm Walfleisch als Beweisstück mitgenommen hatten. Sato und Suzuki sollen deswegen für anderthalb Jahre ins Gefängnis, das Urteil fällt in einigen Monaten.

    Und damit nicht genug: Japan soll außerdem auf der IWC Stimmen gekauft haben. Das kam ans Licht, als zwei Reporter der britischen Zeitung Sunday Times sich als Lobbyisten eines fiktiven Schweizer Milliardärs ausgaben und die Stimmen von sechs bei der IWC beteiligten Ländern kaufen wollten. Sie bekamen zu hören, dass sie mehr bieten sollten als die Japaner.

    Nach Beendigung der IWC steht nun fest, dass die kommerzielle Jagd auf Wale weiterhin international verboten sein wird, jedoch das Fangen zu wissenschaftlichen Zwecken eine Ausnahme bleibt. Mit anderen Worten: Japan bleibt die gleiche Ausrede, um genauso weitermachen zu können, wie zuvor.


    Quellen:
    http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/beste-filetstuecke-fuers-eigenheim/
    http://www.wwf.de/presse/details/news/schutz_der_wale_wenige_fortschritte/
    Bilder:
    Japanisches Walfleisch © Michel Gunther / WWF-Canon
    Delfinfleisch © Peter Prokosch / WWF-Canon
    Delfin © James W. Thorsell / WWF-Canon

Kommentare

8 Kommentare
  • Nivis
    Nivis \"Geld regiert die Welt.\" fällt mir dazu nur ein. Eine Schande...auch für die IWC.
    2. Juli 2010
  • Bienenkoenigin
    Bienenkoenigin Das ist einfach der hammer... ich will gar nicht wissen, was nicht sonst noch so alles hinterm Rücken geschieht..
    2. Juli 2010
  • Heli
    Heli Die sollten den Walfang auch führ wissenschaftliche Zwecke verbieten oder so überprüfen, dass es auch wirklich wissenschaftlich bleibt!!
    4. Juli 2010
  • Morgan
    Morgan oha.Eher \"Betrugs-und Anti-Walwissenschaft.
    28. August 2010