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Wird der Walfang wieder erlaubt?

  • Nächste Woche wird's ernst: Vom 21. bis 25. Juni trifft sich die Internationale Walfang-Kommission (IWC) in Marokko zur 62. Jahrestagung. The same procedure as every year? Diesmal nicht: Auf der diesjährigen Plenarsitzung der IWC soll auch über einen neuen Kompromissvorschlag zum Walfang abgestimmt werden.

    Der Vorschlag würde nach fast 25 Jahren erstmals wieder kommerziellen Walfang erlauben! Das Planungspapier sieht außerdem Fangquoten für Walarten vor, die auf der Liste der Weltnaturschutzunion IUCN für gefährdete Arten stehen. Das geht gar nicht! Die Annahme dieses Vorschlages wäre ein Rückschritt für den Schutz der Wale.

    Der Kompromissvorschlag hat zum Ziel, das lähmende Patt zwischen Walfangnationen und Walfanggegnern aufzulösen und die IWC wieder zu einem handlungsfähigen Gremium zum Schutz der Wale zu machen. Denn einige wenige Länder nutzen nach wie vor ein juristisches Schlupfloch und töten Großwale aus angeblich wissenschaftlichen Gründen oder haben ganz offen Einspruch gegen das Verbot eingelegt.

    In den letzten Jahren konnte die IWC daher nicht effektiv am Schutz der Wale arbeiten, obwohl in dem Gremium bislang die Walfanggegner noch eine geringe Mehrheit gegenüber den Walfangbefürwortern haben. Der WWF begrüßt deshalb den Versuch, die festgefahrenen Strukturen zu lösen und jeglichen Walfang der Kontrolle der IWC zu unterstellen.

    Doch Walfang in Schutzgebieten und jede Jagd auf bedrohte Walarten - wie im derzeitigen Kompromiss vorgesehen - lehnt der WWF ab! Zudem müssten nach Auffassung der Umweltstiftung Fangquoten ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien festgelegt werden. Weitere WWF-Forderungen sind ein Verbot des internationalen Handels mit Walprodukten sowie des wissenschaftlichen Walfangs.

    Damit der Kompromiss keine Verschlimmbesserung wird, hat der WWF mit anderen Umweltverbänden ein Papier mit fundamentalen Forderungen veröffentlicht, die jeder Kompromissvorschlag enthalten müsste. Die Positionen des WWF findest du hier zusammengefasst.

    Der WWF wird auf der IWC-Konferenz in Marokko außerdem einen Report zur Bedeutung des Walschutzgebietes im Südpolarmeer veröffentlichen. Weitere für den WWF wichtige Themen sind unter anderem auch die Veränderung der Lebensräume der Wale durch den Klimawandel und der notwendige Schutz für viele bedrohte Kleinwalarten.

    Was sind eigentlich die Aufgaben der IWC? Die International Convention on the Regulation of Whaling (ICRW) ist eines der ältesten internationalen Umweltabkommen und wurde 1946 gegründet. Die Internationale Walfangkommission (International Whaling Commission, IWC) ist ihr ausführendes Organ.

    Die IWC hatte ursprünglich die Aufgabe, das Management der Großwalbestände weltweit zu regeln. Mittlerweile sind zahlreiche weitere Aufgaben wie der Schutz bedrohter Delfin- und Tümmlerbestände hinzugekommen. Andere Einflüsse wie der Beifang von Walarten, also das Ertrinken der Wale in Fischernetzen, sind für viele der gefährdeten Groß- und Kleinwalarten inzwischen weitaus bedrohlicher als die direkte Jagd auf sie.

    Einmal jährlich tagt die IWC in einem ihrer mittlerweile 88 Mitgliedstaaten, um über das Schicksal der Wale zu entscheiden. Auf Grund der starken Bejagung in der Vergangenheit und damit der drastischen Dezimierung vieler Walbestände wurde 1982 ein Walfangmoratorium auf Großwale verabschiedet, was 1986 in Kraft trat. Mit diesem Verbot kam der kommerzielle Walfang zum Erliegen.

    Derzeit sind nur noch drei Länder der Nordhalbkugel am kommerziellen Fang von Großwalarten interessiert: Japan, Norwegen und Island. Zahlreiche vor allem sich entwickelnde Länder unterstützen die Position der Walfangländer, ohne jedoch echtes Interesse am Walfang zu haben.

Kommentare

6 Kommentare
  • Anni09
    Anni09 Das ist doch alles ein Witz! Walfang ist seit 25 Jahren verboten und jetzt soll darüber diskutiert werden ob Walfang wieder erlaubt werden soll? Der Gedanke, dass der Walfang wieder legal wird ist schon schwachsinnig.

    Ich finde es allerding in Ordnung w...  mehr
    18. Juni 2010
  • nera8
    nera8 Die Wale sind nach wie vor gefährdet, da kann man überhaupt darüber nachdenken, die Gesetze zu lockern. Schlimm genug, dass einige Länder die Gesetzeslücken ausnutzen, da sollte man es ihnen nicht noch einfacher machen!
    20. Juni 2010
  • HannaS
    HannaS Den letzten Satz verstehe ich nicht ganz - aus welchen Gründen unterstützen denn viele Länder den Walfang? Für mich klingt das unlogisch... Bekommen sie dafür Geld?
    22. Juni 2010
  • Marcel
    Marcel @Hanna: Ja, leider ist es so, dass die Verhandlungen zum Walfang durch nationale Interessen verzerrt werden und die Stimmen mancher kleinen Entwicklungsländer mit Entwicklungshilfe eingekauft werden. Diese geben dann in der IWC offen und kontinuierlich ih...  mehr
    22. Juni 2010