Berichte

Ein Forscher zurück im Alltag (1) - Wie läuft‘s eigentlich mit der Selbstverpflichtung?

  • Beim ersten Block des 2°Campus entwickelten wir nicht nur unsere
    Forschungsfrage. Im Gegenteil, zu Beginn hörten wir viele spannende,
    interessante und zum Teil auch erschreckende Vorträge. Von WWF-Studien zum
    Thema „Klimaschutz bis 2050“ über Beiträge zur Klimaforschung von renommierten
    Forschungseinrichtungen bis hin zum Umgang mit Klimaskeptikern und wie man ihre
    Argumente entkräften kann. Es entstand ein toller Spirit in der Gruppe, da alle
    das gleiche Ziel haben: die Welt retten!
    Um diese Power zuhause nicht einfach verpuffen zu lassen, haben sich alle
    Teilnehmer, Teamer und (wissenschaftliche) Leiter einer Selbstverpflichtung
    gestellt. Wie unsere (Lisas, Toms und Laras) aussehen und wie die Umsetzung
    funktioniert, erfahrt ihr jetzt:

     

    Was habe ich mir vorgenommen?

    Lara
    Mein Ziel war und ist es, zwischen dem 1. Und 2. Block des 2°Campus nur Kleidung zu kaufen, die fair und nachhaltig produziert wurde oder Second-Hand ist. 

     

    Lisa
    Ich habe mir vorgenommen, zwischen dem 1. und dem 2.Block mindestens zwei vegetarische Tage in der Woche zu haben und dies mit der Zeit weiter auszubauen.

     

    Tom
    Ich habe mir vorgenommen, einfach so viel wie möglich darauf zu achten, umweltbewusst zu handeln. Das fängt an bei dem vermehrten Ausschalten von Beleuchtung, Steckdosenleisten, aber auch elektronischen Geräten. Das Fahrrad wird für den Schulweg genommen, davon profitiert auch meine Gesundheit.
    Ein vegetarischer Tag steht jede Woche an. Wenn man einmal die nackten Zahlen
    gesehen hat, kommt man davon so schnell nicht wieder ab.
    Überhaupt
    merke ich, profitiere ich von meinem Verhalten deutlich mehr als angenommen.

     

     

     

    Wie bin ich dazu gekommen?

    Lara
    Einen großen Anteil daran haben einige meiner Lehrer. Ich
    habe bereits vor dem Campus Einiges über die Produktion von Kleidung erfahren
    und war jedes Mal aufs Neue geschockt. Bei mir hinterließen die Bilder, wie Baumwollbauern ohne Schutzkleidung ihre Felder düngen und wie die giftigen
    Chemikalien des Bleichens in die Flüsse geleitet werden deutliche Spuren.
    Ich begann mich nach nachhaltigen Alternativen umzusehen und gelangte durch die
    Community zunächst zu ArmedAngels. Doch obwohl die Produkte sehr schön waren,
    konnte ich bei Shoppingtouren mit meinen Freundinnen oder beim Katalog auf dem
    Sofa nicht immer Nein sagen. Die Gefühle hinterher (Freude und Zufriedenheit auf der einen Seite, ein sehr schaler chemischer Beigeschmack auf der anderen) sagten mir deutlich, was die richtige Entscheidung wäre. Und so kam die Selbstverpflichtung des 2°Campus perfekt, um endlich durchzuziehen, was ich schon längst tun wollte.

     

    Lisa
    Ich habe in letzter Zeit immer öfter gelesen, dass unser Fleischkonsum an ungefähr 20%, der von uns Menschen produzierten CO² Emissionen verantwortlich ist.
    Fleisch gehörte bis dahin zu meinem Alltag, doch durch unsere Selbstverpflichtungen wollte ich dies ändern. Mir war gar nicht bewusst, wie viel Fleisch ich eigentlich esse. Angefangen bei der täglichen Fleischwurst oder der Salami morgens auf dem Brot. Damit mein Ziel nicht zu unrealistisch ist und ich es auch wirklich schaffen kann, wollte ich erstmal mit einigen Tagen, und nicht direkt mit einer kompletten Umstellung auf vegetarisches Essen, anfangen.

     

    Tom
    Wenn man eine Woche in Berlin zubringt, den spannenden Vorträgen von renommierten Wissenschaftlern lauschend, wird man dann irgendwann schlichtweg mitgerissen. Also bin ich mit sprühender Motivation nach Hause gekommen, wollte etwas bewegen.
    Die grundlegenden, ja auf der Hand liegenden Dinge fallen einem natürlich - wie sollte es anders sein - als erstes ein.
    Aber ich muss sagen, viel wichtiger als das einfache Einhalten der auferlegten
    Richtlinien finde ich mittlerweile das Bewegen anderer Menschen für die Mission: Rettet den Planeten!

     

     

     

    Was klappt gut?

    Lara
    Besonders das Kaufen von Oberteilen ist durch eine große Auswahl und angemessene Preise überhaupt kein Problem. Meine Favoriten der bisher gefundenen Shops sind www.armedangels.de und www.greenality.de.
    Aber schaut doch mal bei diesem, wenn auch schon etwas älteren, Artikel von
    Tamina vorbei, hier stellt sie noch einige mehr vor. Was mir bei diesen beiden
    Online-Shops auch besonders gut gefällt, ist, dass sie ihre Ware in Kartons
    einpacken, die nur so groß sind wie grade notwendig und dass die Plastiktüten
    in denen die Kleidungsstücke normalerweise einzeln verpackt werden, entweder aus recyceltem Kunststoff sind oder ganz weggelassen werden.
    Hosen sind leider oft sehr teuer, hier lohnt es sich, in die
    Sales der Shops zu gucken. Ich habe auf www.wunderwerk.de eine wunderschöne dunkle High Waist-Jeans gefunden, die auch perfekt passt. Ich hatte das Glück, zu der
    Zeit Geburtstag zu haben und sie mir wünschen zu können, da diese leider nicht
    reduziert war. Ich bin jetzt guter Hoffnung, dass meine Jeans aus Bio-Baumwolle, die in der Herstellung lediglich 3-10 Liter Wasser
    verbraucht hat (1/10 der herkömmlichen Menge) mir lange treue Dienste leisten wird.

     

    Lisa
    Auf den eigenen Fleischkonsum zu achten ist leichter, als ich es mir vorgestellt habe. Es gibt sehr viele Alternativen zu Fleisch: Anstatt morgens ein Brot mit Salami zu essen, bin ich auf Müsli umgestiegen und auf Fast Food von McDonalds, Burger King und Ähnlichen kann ich ohne Probleme komplett verzichten. Da ich mir einen
    generellen Verzicht von Fleisch nicht vorstellen kann, kaufen wir das wenige Fleisch, dass wir noch essen, direkt von einem Bauer aus unserer Umgebung. Dadurch wissen wir, wie die Fleischproduktion abläuft und dass es keine Transportwege gibt und somit die CO² Emissionen geringer sind.

     

    Tom
    Eigentlich Vieles. Oder auch nicht?
    Ich bin mit mir selbst bis zum heutigen Tag recht zufrieden, da ich meine
    Richtlinien soweit einhalte. Was mich nur grämt, ist, wenn ich denke, dass ich
    noch viel mehr tun könnte. Also noch mal überlegen und schauen, was so alles
    gemacht werden kann.
    Schön ist es, wenn mich meine Freunde und Bekannten, sowie Lehrer nach dem Aufenthalt in Berlin ausfragen. Dann merke ich schnell, dass ich sehr viel erzählen kann, Vieles begierig aufgenommen habe und gerne andere für unser Vorhaben „missioniere“.
    Nun ja, das ist also mein erklärtes Ziel.
    Wie ich damit klarkomme? Gut. Und Spaß macht es mir auch.

     

     

     

    Was klappt nicht so gut?

    Lara
    Meine Freunde sahen, vor allem kurz nach dem 1.Block meine Selbstverpflichtung eher als total überflüssig und suchten für mich nach Schlupflöchern à la „Wenn wir es dir schenken, hast du es nicht gekauft“. Trotz meiner Beteuerungen, dies sei nicht meine Absicht oder mein Ziel, erhielt ich dann doch ein, zugegeben sehr schönes, aber leider absolut unökologisches T-Shirt. Nachdem sie jedoch gesehen hatten, dass ich von meiner Familie ausschließlich umweltfreundlich Sachen bekommen hatte, wirkten sie ein bisschen zerknirscht.
    Wie bereits erwähnt, sind Oberteile leicht zu finden,
    allerdings ist bei Sachen wie Shorts, Sportkleidung oder Schals noch Luft nach
    oben. Es gibt zwar einige Händler und Hersteller, die solche Ware anbieten,
    jedoch habe ich noch nichts gefunden, was so schön gewesen wäre, dass ich es
    mir gekauft hätte. Vielleicht ist dort aber auch einfach noch ein wenig
    Recherche notwendig.
    Ebenfalls mehr Recherche und Information benötigt die Sportmarke „Adidas“. Hierbei bin ich mir recht unsicher, inwieweit die Produkte umweltfreundlich und fair hergestellt wurden. Unter Sustainability stehen auf der Seite zwar viele gute Punkte, die auch ziemlich genau dem entsprechen, was ich zurzeit an Anforderungen an
    Kleidung stelle. Ich habe jedoch  bisher keine Zertifikate finden können, die dies belegen und an den Waren, die aus recyceltem Plastik hergestellt wurden, steht auch nicht, wie viel Prozent des Polyesters recycelt sind.
    Falls jemand dazu nähere Infos hat, bitte sehr gerne in die Kommentare.

     

    Lisa
    Es ist ziemlich schwer, bei Freunden auf Fleisch zu verzichten.
    Meistens kochen dort die Eltern für uns, die nicht immer Rücksicht nehmen wollen. Auch bei dem Essen in unserer Mensa gibt es oftmals keine Alternativen zu
    Fleischgerichten, abgesehen von Salat.

     

    Tom
    Kein Erfolg ohne Misserfolg, ist es nicht so? Sonst weiß man seine Erfolge ja auch gar nicht zu schätzen. Ich muss also zugeben, dass der eine vegetarische Tag vor einiger Zeit tatsächlich ein wenig Magerspeck, klein gewürfelt, beinhaltete. Und dass ich meinen Computer zeitweise doch in den Ruhemodus versetze, anstatt ihn ganz auszuschalten. Einiges gibt es da wirklich noch.
    Aber ich bin mir immer bewusst, dass ich das gerade tue. So habe ich auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich irgendetwas mache, was ganz leicht hätte
    umweltfreundlicher ablaufen können.
    Davon abgesehen, weiß ich aber auch, was ich Gutes schaffe und das ist mein
    persönlicher Erfolg.

     

     

     

    Woran arbeite ich noch?

    Lara
    Die Leute in meinem Umfeld davon zu überzeugen, auch umweltfreundliche Kleidung zu kaufen. Zwar finden sie meine Sachen schön, sehen das Kaufen ökologischer und fairer Klamotten allerdings eher als Spleen. Ich arbeite daran, sie zu überzeugen, doch selber einmal in den Online-Shops oder den bei uns leider sehr vereinzelten Läden vorbeizuschauen und vielleicht auch etwas Schönes zu entdecken. Und wer weiß, vielleicht wird aus einem einzelnen Pullover ja irgendwann ein ganzer
    Kleiderschrank.
    Den zweiten Aspekt meiner Selbstverpflichtung habe ich noch fast gar nicht berücksichtigt. In den Wochen bis zum 2. Block möchte ich mich gerne (zugegeben erstmals) mit Second-Hand Kleidung beschäftigen und sehen welche Möglichkeiten
    sich mir entweder in meiner Umgebung oder online bieten.

     

    Lisa
    Ich arbeite daran, meine Selbstverpflichtung umzustellen, um so, von zwei vegetarischen Tagen, auf höchstens zwei Tage zu kommen, an denen ich überhaupt Fleisch esse. Dafür überzeuge ich meine Eltern, mich dabei zu unterstützen, da es leichter ist, wenn nicht täglich Fleisch auf dem Tisch steht. In unserer Schule arbeite ich momentan daran, dass das Mensaessen vielfältiger wird und mehr Gerichte ohne Fleisch angeboten werden.

     

    Tom
    Gute Frage. Ich will einfach noch mehr Leute mit den Ideen infizieren, noch mehr
    Menschen für unsere Sache begeistern. Es gibt einige Aufgaben, die erledigt man
    besser allein, doch Einiges geht halt nur im Team. Umweltschutz, Artenschutz, all das, das geht nur mit allen.
    Allen zusammen. Und da sehe ich meine Aufgabe. Ich möchte meine Freunde
    motivieren, meine Familie dazu bewegen, mitzuziehen. Das Problem schildern und darauf aufmerksam machen. Möglichst bevor es zu spät ist. Und ich darf mit
    weiter nicht verlieren, denn ich muss wieder ran. Wie gesagt: Rettet den Planeten!

     

     

     

     

     

    Als Fazit können wir festhalten: Niemand ist perfekt, aber es gibt nichts, was wir
    gemeinsam nicht schaffen könnten. Wir haben schon einiges an unserem Alltag
    verändert und wir werden weiter an uns arbeiten und versuchen noch viel mehr
    Menschen für den Klimaschutz zu gewinnen. Denn unser Ziel ist eines, für dass
    es sich zu kämpfen lohnt: Weltrettung!

     

     

     


    Lara Kannegieser, Lisa Wilhelm und Tom Hinzmann

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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Kommentare

1 Kommentar
  • Ivonne
    Ivonne Echt toller Artikel ihr drei!! Danke dafür! Ich fand es sehr spannend, welche Erfahrungen ihr mit Euern Selbstverpflichtungen gemacht habt und wie viel Engagement ihr dabei mitbringt. Liebe Grüße! Ivonne
    12. Mai 2016