Berichte

Orang-Utan oder Turnschuh – wen schützt das Gesetz besser?

  • Falsch geraten… es ist der Turnschuh. In Europa gibt es Gesetze, die Markenturnschuhe vor Produktpiraterie schützen. Also vor Billig-Fälschungen, die für ein Unternehmen den finanziellen Ruin bedeuten können. Der Orang-Utan und sein Lebensraum Wald hingegen, sind Gefahren – wie Raubbau – fast schutzlos ausgeliefert. Um sie kümmern sich die europäischen Gesetze kaum.

    So gelangen Jahr für Jahr riesige Mengen Holz nach Europa, die aus illegalen Quellen stammen. Zum Beispiel von den Heimatinseln der Orang-Utans, den indonesischen Inseln Borneo und Sumatra. Dort werden wertvolle Regenwälder schonungslos abgeholzt. Geschützte Baumarten und wichtige Schutzgebiete fallen den Kettensägen zum Opfer.

    Das Dramatische: In Deutschland und dem Rest Europas merken die Kunden gar nicht, dass die gekauften Holzprodukte – Bücher, Möbelstücke oder Stifte – mitunter aus illegalen Quellen stammen. Es gibt bislang nämlich kein europäisches Gesetz, das die Einfuhr illegaler Hölzer verbietet.

    alt

    Im Moment wird in Brüssel über ein solches Gesetz, das „Holzhandelsgesetz“, debattiert. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat sich schon positiv dazu geäußert, aber Gewissheit gibt es noch nicht. Mit der Werbeanzeige will der WWF die Politiker dazu bringen, sich für den Schutz der Regenwälder zu entscheiden. Konkret fordert der WWF:

    - Alle Holzprodukte sollen entlang der gesamten Handelskette zurück verfolgt werden können.
    - Für Unternehmen, die Holz- und Holzprodukte als erste auf den Markt bringen, soll es Überwachungs- und Risikoabschätzungsverfahren geben.
    - In der gesamten EU soll es ein Verkaufsverbot für Holz- und Holzerzeugnisse aus illegalen Quellen geben.
    - Handelt ein europäisches Unternehmen doch mit Holz aus illegalen Quellen, so sollen die Strafen und Sanktionen die gleichen sein. Egal, ob es nun in Deutschland, Spanien oder Estland ansässig ist.

    Bis jetzt gibt es nur eine verlässliche Möglichkeit, Holz aus Raubbau auszuschließen: auf das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) zu achten. Übrigens wurde die Werbeanzeige in der Zeitschrift „Werben und Verkaufen“ als Anzeige des Tages ausgezeichnet.

Kommentare

8 Kommentare
  • Chrisly
    Chrisly hmmm... schon echt ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft !!!
    13. Juni 2010
  • AnnaP
    AnnaP Guter Bericht. Ich finde das unverantwortlich, einen Turnschuh besser zu schützen als ein lebendiges Wesen! Vielleicht regt das Bild ja endlich mal die Leute zum Nachdenken an. Ich habe es schon in mehreren Zeitschriften gesehen.
    16. Juni 2010
  • Isi1234
    Isi1234 Geld wird es immer geben, Lebenwesen nicht...
    16. Juni 2010
  • KatevomDorf
    KatevomDorf aber zur abwechslung mal etwas neues, was positiv ist.
    man muss und sollte ja nicht jeden fehler 2 mal machen. und erst recht nicht so oft, wie es die menschen heut zutage pflegen.
    26. Juni 2010