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Urban physics - Kann Wind uns helfen Energie zu sparen?

  • Wind. Im Sommer angenehm kühl, im Winter eher nervig. Doch kann man mit Wind auch Energie sparen?

     

    In Städten hat man im Hochsommer oft das Problem, dass sich die Hitze staut und keine wirkliche Luftzirkulation stattfinden kann. Um die Gebäude zu kühlen, wird extrem viel Energie verbraucht. Im Winter hingegen steigt der Energieverbrauch am Meisten dort, wo viel Wind weht: hier geht am meisten Wärme verloren. Würde man den Wind nun also so lenken, dass er im Sommer frische Luft bringt und im Winter nicht auskühlt, würde man extrem viel Energie sparen.

     

    Die globalen Luftströme verändern kann man natürlich nicht. Aber man kann Städte so anlegen, dass der Wind möglichst günstig durch sie hindurch weht. „Urban physics“ (Stadtbauphysik) oder auch „Stadtwindforschung“ könnte man das dann nennen, womit sich im Moment weltweit ca. 100 Wissenschaftler beschäftigen.

     

    Zunächst einmal muss man natürlich wissen, welche Wege sich der Wind denn überhaupt sucht. Dafür wurde z.B. in Zürich ein spezieller Windkanal für Städtebauphysik gebaut. Die größte Messkampagne in einer Stadt hat bisher in Oklahoma City (USA) stattgefunden. Es wurde genau gemessen in welche Winkel der Wind alles kommt, auf welche Oberflächen er besonders stark auftrifft und welche Windgeschwindigkeiten beispielsweise an Hauswänden auftreten. Diese sind entscheidend dafür, wie viel Wärme verloren geht. Ist man sich solchen Daten also bewusst, können spezielle Isolierungen punktgenau angebracht werden.

    Für die Kühle im Sommer ist es wichtig, dass Straßenschluchten auf einer Linie mit der Hauptwindrichtung sind. So werden auch Abgase schneller verweht. Verwinkelte Höfe, welche am Tag verschattet werden und in der Nacht nach oben geöffnet werden können sind ebenfalls hilfreich, um Wärme abfließen zu lassen.

    Auch Bäume können eine wichtige Rolle spielen, da sie zwar durch ihre Verdunstung für Abkühlung sorgen, falsch platziert aber auch Windströme blockieren können.

    Schachbrettartiger Aufbau von Städten, wie wir es z.B. in von den spanischen Kolonialmächten angelegten Städten finden, führt dazu, dass es keinerlei Zirkulation gibt und die Luft in den schnurgeraden Straßen geradezu steht.

    Ein positives Beispiel wäre hingegen Masdar City, die CO2 neutrale Stadt im Emirat Abu Dhabi, welche durch geschickte Anlegung von Grünflächen und Verschattungen sich praktisch „von selbst kühlt“.

     

    Natürlich kann nicht von heute auf morgen jede Stadt so ummodelliert werden, dass sie mit den Windströmungen perfekt harmoniert, aber gerade bei neueren Stadtvierteln werden die Wissenschaftler der „Stadtwindforschung“ immer häufiger mit einbezogen. Und durch Isolierung und Begrünung kann auch in Altstädten das Möglichste getan werden, damit wir ein bisschen mehr kühle Luft abkriegen

    Quelle:
    DIE ZEIT Nr. 22

     

Kommentare

5 Kommentare
  • AnnaP
    AnnaP Interessanter Bericht. :) Habe auch schon davon gehört, Baumreihen quer durch die Stadt zu pflanzen, um so die Luft zu verbessern.
    10. Juni 2010
  • Jessy0905
    Jessy0905 Echt interessanter Bericht! Als ich letztens in der Tu Dresden war, habe ich auch schon davon gehört, die überprüfen das dort auch, mittels Simulation in einem Windkanal. Ich glaube, dass bei neuen Siedlungen darauf bisher kaum Rücksicht genommen wird. D...  mehr
    22. August 2010
  • Morgan
    Morgan intressant
    22. August 2010
  • Taki
    Taki Ja klar, man sollte mehr Segelschiffe für Kreuzfahrten bauen
    23. August 2010