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COP26: Die Klimakrise-pure Fahrlässigkeit! Wer muss Bezahlen?


  • [Glastonbury Festival, Vereinigtes Königreich - schwere Regenfälle verursachten große Überschwemmungen / © Torr Priaulx / iStock / Getty Images]

    Der Klimawandel verändert unsere Welt. Das ist ein Fakt und dieser ist vielen Menschen heutzutage bewusst. Nicht jeder Mensch spürt diese Veränderung am eigenen Körper und dennoch sind die Veränderungen real und bedrohen das Leben von tausenden Menschen weltweit. Besonders gefährdete Länder und Regionen müssen schon heute der Klimakrise täglich entgegentreten. Es ist ein Kampf ums Überleben. Es ist ein Kampf, den diese Länder nicht zu verantworten haben und ein Kampf, in dem sie oft alleine gelassen werden. So gehen Lebensgrundlagen verloren und die Schäden sind irreparabel. Klar ist, die Menschheit muss endlich lernen, sich anzupassen und Verantwortliche müssen in Rechenschaft gezogen werden.

     
    [Aufnahme des Thomas Feuers von Santa Barbara, Kalifornien. © Carsten Schertzer / iStock / Getty Images]

    Verantwortlich sind vor allem die großen Emittenten dieser Erde, also diejenigen, die den größten CO2-Ausstoß aufweisen. China hat einen Anteil von 30,65% am weltweiten Ausstoß von CO2, danach kommt die USA mit rund 13,5%. Deutschland hat aktuell einen Anteil von 1,85%. Während diese Länder bisher nur selten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, sind andere Länder stark gefährdet. Laut dem Weltrisikoindex sind die am stärksten Betroffenen die Inselstaaten Vanuatu im Südpazifik, die Salomonen in der Südsee und Tonga ebenfalls im Südpazifik.

     „These vulnerable people are the least responsible for causing climate change but are in the frontline of its impacts.“

    Das schreibt der WWF in einem Informationsschreiben bezüglich der globalen Ziele des Pariser Klimaabkommens 2016, zu den Anpassungen an die Klimakrise. Während viele Inselstaaten mit den bisherigen Wetterereignissen gut umgehen konnten, müssen heutzutage immer mehr Inseln evakuiert werden. Extremwetter wie Hurrikans, Überflutungen, Hitze und Feuer werden immer häufiger. Alles im Namen der Klimakrise und alles im Namen der großen Emittenten dieser Erde. Die Klimakrise droht dabei nicht nur Abschnitte unserer Erde unbewohnbar zu machen, sie zerstört das Leben von Individuen, zerstört die Geschichte von Bevölkerungsgruppen und ihre Identität. Denn, jedes Hochwasser zerstört Infrastrukturen und Wohnräume. Kaum etwas kann vor den Extremwettern gerettet werden. Wissen geht verloren, weil Menschen sterben. Für die betroffenen Regionen bedeutet Anpassung ein ständiger Wiederaufbau, Flucht oder Evakuierung. Viele Bereichen dieser Erde fehlt die nötige Finanzierung, um ihre Bewohner vor den Extremwettern angemessen zu schützen. Gleichzeitig ist ein Zugriff auf Finanzierungshilfen oft kompliziert und brauchen Zeit. Zeit haben allerdings die wenigsten Betroffenen. Zeit haben anscheinend nur die großen Verbraucher, wenn es um den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geht oder um die Finanzierung der Klimakrise. Wir verursachen, sie bezahlen.

      
    [ Einfahrt in den Hafen des Douro-Flusses, Portugal, beim ersten großen Sturm des Jahres; Windböen erreichen 140 km; Foto vom 19. Januar 2013 © Zacarias Pereira da Mata / iStock / Getty Images]

    Während andere Länder noch auf den Kohleausstieg der großen Industrienationen warten, ist es für Inselstaaten, wie den Salomonen, schon längst zu spät. Ihnen steht das Wasser wortwörtlich bis zum Hals. Hier geht es schon lange nicht mehr um Anpassung, es geht um das pure Überleben. Die Verhandlungen auf der diesjährigen UN- Klimakonferenz kommen so für viele Menschen zu spät. Dazu kommt, dass weder die Lösungsansätze noch die Handlungen der Entscheidungsträger:innen konkret genug sind, um die betroffenen Länder und Menschen ausreichend zu unterstützen. Jede Minute in der nicht gehandelt wird, ist eine Minute in der das Leben von Menschen bedroht und Menschenrechte verletzt werden!

    Werfen wir einen Blick nach Kenia, genauer in das kenianische Hochland. Am Mittwoch sprach ich mit Lucy Wambui. Lucy Wambui kommt aus dem Hochland Kenias und arbeitet für eine NGO, die sich mit Landwirtschaft und Gemeindebildung auseinandersetzt. Sie erklärte mir ihre Situation und die Auswirkungen der Klimakrise auf ihr Land. Die stark ausgebreitete Landwirtschaft des Hochlandes verwende Chemikalien im Ackerbau, um bessere Ernte Erträge zu erzielen. Die Klimakrise macht die Böden allerdings anfälliger für Erosionen. Erosionen, die die Chemikalien in die niedriger gelegenen Bereiche befördert, bis in das Meer. Die Folgen sind erheblich. Es kommt zu Vergiftungen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Einen Ausweg sieht Lucy innerhalb der Bildung und Erziehung von Kindern. Doch dafür muss Bildung zugänglich für alle Familien sein. Vielen fehlt das Geld oder die Zeit. Zum Überleben muss jeder seinen Teil beitragen. Nur selten haben Kinder Zeit, eine adäquate Bildung zu erhalten.

    Ein bewohnbarer Planet. Das ist das Ziel, was sich die Menschheit setzen muss und was sich die UN- Klimakonferenz auf alle Fahnen schreiben muss. Tut sie das nicht, sind die Folgen katastrophal. Der Verlust von Menschenleben und Lebensräumen, die Beschädigung von Umwelt und Identität und die begrenzte Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel, wird uns heute schon sehr deutlich!

     
    [Ein Gemüsegarten im Niger © Joerg Boethlinger / IMAGO]

    Abhängig vom Geschlecht der Betroffenen sind Anpassungsmöglichkeiten zusätzlich eingeschränkt und manchmal kaum möglich. Frauen leiden besonders unter den Folgen des Klimawandels. Ihr begrenzter Zugang zu Entscheidungsebenen, Bildung und Finanzen macht es schwer, gute Resilienzen zu entwickeln. Gleichzeitig ist in vielen Ländern die Rolle der Frau festgeschrieben. So sind zum Beispiel in Gambia Frauen zuständig für das Beschaffen von Nahrung. Damit verbunden das die Betreuung des Ackerlandes, wie Anpflanzen, Ernten und die Wasserbeschaffung. Dieser Bereich ist besonders stark vom Klimawandel betroffen. Der Weg zu frischem Wasser wird immer länger und das Klima immer extremer. Die Böden werden trockener und unfruchtbarer. Gleichzeitig haben Frauen meist nicht die Rechte auf das Land, auf dem sie ihre Nahrung anpflanzen. Diese Abhängigkeit macht es schier unmöglich sich den Auswirkungen der Klimakrise zu stellen. Zusätzlich werden Frauen durch Auswirkungen der Klimakrise weiterhin zwangsverheiratet und die Mehrheit der Fliehenden vor den Extremwetterereignissen sind weiblich.

      „We dont know what will happen to the children of our children, the next generation to come. We will delay on the decission made today. We need to have the voice oft the child. We need to have the voice oft he youth. We need to have the voice oft he woman and in gerneral everybody needs to  be heard.“

    Dies sagte Lucy Wambui zu mir, kurz bevor wir unser Gespräch beendeten. Dieser Satz bleibt hängen. Frauen bilden 51% der weltweiten Bevölkerung und trotzdem sind sie in Entscheidungsebenen kaum vertreten. Gleichberechtigung muss in der Debatte um den Klimawandel von Anfang an miteinbezogen werden. Frauen haben noch heute einen anderen Alltag zu bestreiten als Männer und so haben sie einen anderen Blick und einen anderen Zugang auf das Geschehen dieser Welt. Diese Blickwinkel müssen einbezogen werden. Die Realität ist: In einer männlich dominierten Welt fallen die Bedürfnisse von Frauen fast immer unter den Tisch.

     
    [Frauen an einem Brunnen für Trinkwasser/ Trinkwasserversorgung in Äthiopien © Stefan Trappe/ IMAGO]

    Die vorläufige Fassung des Abschlussberichtes der COP26 in Glasgow fällt dürftig aus. Sollten alle Anforderungen an die einzelnen Länder eingehalten werden, steuern wir auf eine Erderwärmung von 2,4C° an. Sicher, diese Erwärmung ist eine Verbesserung, doch reicht das nicht aus. Ohne präzise Anforderungen an die Länder laufen wir Gefahr, dass sich einige ihrer Aufgabe entziehen. Wie wir schon bei den NDCs sehen konnten, wurde das Pariser Abkommen von einigen Ländern nicht ernst genommen. Das Problem: Es gibt keine Kontrollinstanz, welche die Einhaltung der Forderungen prüft. Wir sind allerdings abhängig vom Verhalten der großen Emittenten. Das Leben vieler Menschen ist aber vor allem Abhängig vom 1,5 C°- Ziel. Menschenrechte und Menschenwürde erlauben keine höhere Erwärmung!

    Auf der COP26 durfte ich die Stimmen von vielen starken und inspirierenden Frauen hören. Es ist wichtig, dass diese Frauen angehört werden. Doch kann es nicht zugehen, dass Männer hören und dann entscheiden. Der Diskurs muss beidseitig geschehen. Beide müssen zuhören und beide müssen Entscheidungen treffen können. Wir können nicht dulden, dass die Plenarsäle voller Frauen sind, die Türen zur Entscheidungsebene ihnen allerdings verschlossen bleiben. Nur so funktioniert Klimagerechtigkeit. Nur so können wir dem Klimawandel aktiv entgegentreten. Nur so können wir die Menschenwürde aller Menschen bewahren!

     

    Mehr Infos:

    Loss and Damage - Reuters

    Loss and Damage - Blickwinkel German Watch

    Situation auf den Salomonen

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