Berichte

Mehrweg-Engel und ein Experiment zum Mitmachen

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    - Ein Experiment zum Mitmachen

    - Ein Engel für Mehrweg

    - Plastikmüll und ich

    - Jenny fischt 30.000 kg Plastik

    - Unverpackt im Duden

    - Selbst aktiv werden

    - Community gegen Plastik

    Ein Experiment zum Mitmachen

    Wie viele Neukäufe könnten wir vermeiden, wenn wir einfach mit jemand anderem tauschen würden, der den von uns gewünschten Gegenstand schon besitzt und nicht mehr braucht? Dieser Frage möchte das Start-Up GreenCircle aus Berlin in einem Experiment nachgehen und hat daher die Initiative „Berlin tauscht“ ins Leben gerufen. Mitmachen können alle, die in einem Umkreis von 15 km um die U-Bahnstation Stadtmitte wohnen. Derzeit läuft Phase 1, in der die Teilnehmenden ein 2-minutiges Befragungsformular ausfüllen. Darin geben sie an, welchen Gegenstand sie gerne hätten und welchen anderen Gegenstand sie abgeben würden. Getauscht werden können alle Haushaltsgegenstände, die höchstens 1 Kubikmeter groß sind und kein Gefahrgut. Die angebotenen Gegenstände sollten möglichst größenunabhängig (also keine Kleidungsstücke mit bestimmter Größe), etwa gleich viel Wert und du solltest dir sicher sein, dass du sie auch in ein paar Wochen noch hergeben willst. Es ist auch möglich mehrere Angebote zu machen. Ein Algorithmus berechnet anschließend alle möglichen Tauschdeals. Das Ergebnis soll als Gegenaktion zum „Black Friday“ bekannt gegeben werden. Wer anschließend den Tausch akzeptiert, kann ein Zeitfenster angeben, in dem die Gegenstände abgeholt bzw. geliefert werden sollen. Alle weiteren Infos und die Anmeldung findet du hier. Du solltest dich allerdings beeilen, da die Ergebnisse am 22.11. verkündet werden.

    [Das Bild zeigt einen gelben, einen roten und einen grünen Pfeil, die einen Kreis bilden.] Bild von stux auf pixabay.com

    Ein Engel für Mehrweg

    Für das Mehrwegsystem „Rebowl“ gab es im August von Umweltministerin Svenja Schulze das Siegel „Blauer Engel“. Hinter den Mehrwegschüsseln steht das Unternehmen „Recup“, dessen Mehrwegbecher schon den „Blauen Engel“ tragen. Svenja Schulze überreichte die Urkunde im August in einem Café, das das Mehrwegsystem verwendet. Sie wies darauf hin, dass viele Einwegplastikprodukte seit Juli verboten sind, für die es bessere ökologischere Alternativen gebe. „Die Lösung heißt Mehrweg“.
    „Rebowl“ ist ein Mehrweg-Poolsystem. Das heißt, dass die Behälter an vielen verschiedenen Orten, wo sie ausgegeben werden, auch zurückgegeben werden können. Das macht es einfacher, sich für das Mitnehmen im Mehrwegbehälter zu entscheiden. Auch die Gastronomie profitiert, da sie kein eigenes System anschaffen muss. Die Auszeichnung mit dem „Blauen Engel“ garantiert nun, dass das Produkt die Umwelt weniger belastet als konservative Produkte. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen die Behälter und auch die Anbieter bestimmte Anforderungen erfüllen. Das Material darf zum Beispiel keine Stoffe wie Melaminharze oder Polycarbonat-Kunststoffe enthalten, die umwelt- oder gesundheitsbelastend sind. Zudem dürfen sie nur aus sortenreinem Plastik bestehen, damit sie am Ende zurückgenommen und recycelt werden können. Davor müssen sie allerdings mindestens 500 Spülgänge aushalten, ohne dabei beschädigt zu werden. Auf die Behälter muss ein Pfand erhoben werden und die „Futen Regeln“ für den Heißgetränke-Ausschank sollen eingehalten werden. Das heißt, Kundinnen und Kunden soll zuerst die Mehrwegalternative bzw. das Befüllen des eigenen Bechers angeboten werden. Ab Januar 2023 gilt das dann nicht nur für Träger des „Blauen Engels“. Dann tritt nämlich das „Verpackungsgesetz“ in Kraft, nach dem alle, die Getränke oder Lebensmittel to-go verkaufen, neben der Einwegverpackung zumindest eine Mehrwegalternative anbieten müssen.

    [Das Bild zeigt ein paar blaue Engelsflügel.] Bild von Clker-Free-Vector-Images auf pixabay.com

    Plastikmüll und ich

    Wer hat Plastik erfunden? Kann man von Müll leben? Was macht Plastikmüll mit Meerestieren? Wie viel Plastik esse ich? Was sind Additive? Sterben auch Landtiere an Plastik? Wer transportiert Müll nach Malaysia? Wie fliegen Vögel mit Plastik im Magen? Und macht Plastik eigentlich krank?

    Alle diese Fragen hat die Heinrich-Böll-Stiftung von jungen Menschen auf der ganzen Welt gesammelt und in dem Buch „Plastikmüll und ich – Pack aus!“ beantwortet. Es enthält 70 Graphiken und Geschichten, die die Fragen beantworten sowie ein Glossar mit den wichtigsten Wörtern. Das Buch ist für alle ab 12 Jahren gedacht. An der Entstehung waren nicht nur Expert:innen beteiligt, sondern auch ein Jugendbeirat , der darauf geachtet hat, dass das Buch verständlich und nicht langweilig wird. Das Buch kann bestellt oder als pdf heruntergeladen werden. In diesem Video stellt der Jugendrat das Buch vor.

    Jenny fischt 30.000 kg Plastik

    „Jenny“ ist aber kein plastikinteressierter Übermensch, der alleine das Meer vom Müll befreit, sondern das neuste Modell von The Ocean Cleanup. Die Idee hatte der Niederländer Boyan Slat schon im Jahr 2012. Seitdem gab es mehrere Versuche diese umzusetzen, die aber nicht so gut liefen, wie erhofft. Entweder hielten die Konstruktionen dem Wasser nicht stand oder sammelten nicht so viel Müll auf, wie gedacht. Das neue Modell „Jenny“ hat nun endlich vielversprechend eine zweiwöchige Testphase im Great Pacific Garbage Patch durchlaufen. Das ist einer der fünf großen Plastikwirbel, der ca. so groß ist wie Texas und ca. 3 Millionen Tonnen Plastik enthält. Während der Testphase konnte „Jenny“, ein ca. 800 m langes Netz in Trichterform, das zwischen zwei Schiffen befestigt wird, 30.000 kg Plastik sammeln. Dieses soll dann in Kanada möglichst weit recycelt werden. Nächstes Jahr soll dann ein größeres System zum Müllsammeln vorgestellt werden, mit dem Ziel einer ganzen Flotte, die die Ozeane vom Plastik befreit.

     

    [Das Bild zeigt einen mit Müll bedeckten Strand.] Bild von sergeitokmakov auf pixabay.com

    Unverpackt im Duden

    Es ist zwar nur eine kurze Meldung und auch schon etwas länger her, aber trotzdem etwas erwähnenswert: Seit August 2020 steht der Unverpacktladen als neues Wort im Duden. Unter Bedeutung kann man jetzt nachlesen:

    „Lebensmittelgeschäft, in dem die Waren unverpackt verkauft werden [und der Kunde, die Kundin selbst Behältnisse für den Transport der Ware mitbringen muss]“. Zwar wird durch einen Dudeneintrag allein noch kein Gramm Plastik eingespart, aber es zeigt doch, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema beschäftigen und somit auch das Wort „Unverpacktladen“ immer bekannter wird.

    Bild von monika1607 auf pixabay.com

    Selbst aktiv werden

    Achtung! Noch bis zum 30. November könnt ihr eure eigene Müllsammelaktion bei Let´s clean up Europe anmelden und am Fotowettbewerb teilnehmen. Das Voting für die Fotos läuft dann vom 1.12. bis 14.12. auf Facebook. Alle Infos findet ihr hier.

    Das ist dir zu spontan? Kein Problem, dann beginne doch jetzt schon mit der Planung für eine Aktion im Rahmen der Trashbusters Aktionswochen. Die NAJU veranstaltet diese nächstes Jahr vom 11. bis 27. März 2022. Es können sowohl Aufräum- als auch Aufklärungsaktionen angemeldet werden. Und auch bei den Trashbusters gibt es einen Wettbewerb, den Trashbusters Award.

    Nicht mehr ganz so weit in der Zukunft liegt die Europäische Woche der Abfallvermeidung (EWAV), die vom 20.-28. November stattfindet und dieses Jahr unter dem Motto „Wir gemeinsam für weniger Abfall -unsere Gemeinschaft für mehr Nachhaltigkeit!“ steht. Im Mittelpunkt sollen dabei „nachhaltige Gemeinschaften“ stehen. Aktionen können allerdings nur noch bis zum 16. November angemeldet werden. Aber vielleicht gibt es in eurer Stadt schon eine geplante Aktion, der ihr euch anschließen könnt. Schaut mal auf die Aktionskarte. Die digitale Auftaktveranstaltung der EWAV, zu der man sich auch anmelden kann, ist am 22. November um 10 Uhr.

    Wenn du noch etwas spontaner bist und aus der Nähe von Berlin kommst, wäre vielleicht das Zero Waste Future Festival am 19. November etwas für dich. Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) feiern damit den #abfallfreitag, der ein Zeichen gegen den „Black Friday“ setzen soll. Das Programm, die Anmeldung sowie Infos zu 3 Workshops, die ebenfalls angeboten werden, findest du hier.

    Oder vielleicht lieber ein bisschen Kultur? Ebenfalls am 19. November um 19:30 Uhr findet das Finale des Klimaslams der UraniaBerlin. Dabei entscheidet das Publikum mit Applaus über den Sieg. Mit dabei sind Zero Waste e.V.  mit einem Beitrag zu Tetrapaks und „Plastic Revolution“. Infos und Ticekts sowie weitere Veranstaltungen gibt es hier.

    Einen Online-Vortrag zum Thema „Warum Recycling nicht alle Probleme löst?“ gibt es am 29. November von 18:30 bis 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

    Weitere Fortbildungen der BUNDjugend findet ihr hier.

    Immer noch nichts für dich dabei? Dann wirf doch mal einen Blick in diese Broschüre des NABU, in der verschiedene Aktionsideen zur Abfallvermeidung vorgestellt werden, schnapp dir ein paar Mitstreiter und los gehts.

    Vielleicht willst du dich icht nur in der Freizeit, sondern sogar während der Arbeitszeit dem Kampf gegen den Plastikmüll verschreiben? Im Juli-Update hat Sarah über The Great Bubble Barrier in Amsterdam berichtet, die mit Barrieren aus Luftblasen das Plastik auf dem Weg zum Meer aufhalten. Das Unternehmen hat derzeit verschiedene Stellen aus geschrieben.

     

    Oder doch eher Lust auf Urlaub? Im Kroatien Camp, in dem es auch um Plastikmüll geht, sind noch Plätze frei.

    Community gegen Plastik

    Was passiert eigentlich mit unseren Schuhen, wenn sie ausgetreten sind? Zu diesem Thema hat Antonia einen Artikel der Zeit mit uns geteilt.

    Hast du schon das neue Clean Up Walk-Video gesehen, in dem dieses Mal auch gezeigt wird, wie ein Clean Up Walk geplant wird?

    Im Oktober hat Anne euch unter anderem von Gruselmandarinen gegen den Plastikfluch berichtet.

     

    Quellen

    https://www.bmu.de/pressemitteilung/schulze-verleiht-blauen-engel-fuer-das-mehrwegsystem-to-go-rebowl

    https://berlintauscht.de/version-test/ 

    https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/konstruktion-jenny-fischt-30-000-kilo-plastik-aus-dem-pazifik

Kommentare

1 Kommentar