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Waldwissen- Fragen an einen Förster

  • Kraftvoll, verwunschen, mystisch - der Wald hat auf uns eine magische Anziehungskraft. Die überwiegende Zeit unserer Entwicklungsgeschichte lebten wir Menschen im und vom Wald. Doch inzwischen scheinen wir die Verbindung zur Natur zu verlieren. Wird der Wald uns fremd? Nicht, wenn wir uns wieder auf das Abenteuer einlassen, ihn neu zu entdecken.

    In diesen Wochen bekommst du bei uns viele Inspirationen und Anregungen, wie du wieder mehr Zeit im Wald verbringen kannst. Wir laden dich ein, diesen Frühling zu deinem Waldfrühling zu machen!

    Nachdem wir uns in den letzten Wochen schon so viel mit dem Wald beschäftigt und ihn erkundet haben, wird es Zeit mit jemandem zu sprechen, für den der Wald zum Beruf gehört: einem Förster. Dafür durfte ich Josef Eichler meine Fragen stellen. Er ist 30 Jahre alt, seit 6 Jahren Förster und arbeitet für Wohllebens Waldakademie in Wershofen in der Eifel.

    Bild: Joseph Eichler Waldakademie

    Was sind deine Aufgaben als Förster? Und was unterscheidet deine Arbeit von der eines „konventionellen“ Försters?

    Meine Aufgaben bei der Waldakademie sind die Durchführung von Veranstaltungen rund um das Thema Wald. Das geht von Waldspaziergängen bis hin zu Seminaren zum Thema Waldbewirtschaftung und auch die Beratung zur Waldbewirtschaftung und zum Wald für Privatpersonen, aber auch Gemeinden oder Städte, also Waldbesitzer im Allgemeinen. Dazu kommt auch noch ein Teil der praktischen Waldbewirtschaftung. Da würde ich jetzt die „Konventionellen“ Förster einordnen. Der Hauptunterschied ist, dass der Teil Holzernte und Holzverkauf ein sehr kleiner Teil in meiner Arbeit ist. Das liegt einfach daran, dass die anderen Aufgabenbereiche viel größer sind und die Ausrichtung der Waldakademie mehr auf andere Nutzungen des Waldes abzielt. Da steht die Holznutzung nicht im Vordergrund.

    Warum bist du gerne im Wald? Was fasziniert dich am Wald?

    Faszinierend am Wald ist für mich die Vielseitigkeit. Wald sieht gefühlt jedes Mal, wenn man reingeht -auch wenn man am Tag vorher schon dort unterwegs war- immer anders aus. Das erleben wir gerade im Frühling. Die Bäume schlagen aus, treiben aus. Das geht sehr schnell und sieht immer anders aus. Ich genieße auch die Ruhe. Vor allem hier rund um Wershofen ist nicht so viel los wie in einem Stadtwald. Auch das Lichtspiel gerade im Frühling und im Sommer, wenn die Sonne durch die Blätter scheint, finde ich immer sehr schön. Und die Kühle natürlich. Wenn es im Sommer so richtig heiß ist und man dann in den Wald kommt, ist das sehr angenehm.

    Warum brauchen wir den Wald? Warum ist es wichtig, dass sich Menschen für den Wald interessieren?

    Wald ist in vielerlei Hinsicht wichtig. Wahrscheinlich kennen wir noch gar nicht alle Gründe, warum Wald für uns Menschen absolut wichtig ist. Aber ein paar ganz wichtige Punkte gibt es. Die Gesundheit spielt eine Rolle, die Gesundheit der Menschen. Viele nutzen den Wald als Erholungsraum und da gibt es auch schöne wissenschaftliche Untersuchungen, dass das uns Menschen gut tut, gut für die Genesung und die Gesundheit ist. Das merkt man auch an den Angeboten, die es zum Bereich Gesundheit und Wald gibt. Waldtherapeutische Angebote zum Beispiel und auch da wird sehr viel geforscht.

    Eine andere positive Auswirkung wäre die Kühlleistung von Wald. Das ist auch sehr wichtig. Gerade das, was ich angesprochen habe, dass es im Sommer im Wald deutlich kühler ist, wirkt sich auch auf das Umland aus. Die Kühle strömt dann auch ins Umland. Wenn wir keinen Wald hätten, wäre es für uns in den letzten 3 Jahren, wo wir es alle so richtig gemerkt haben - vor allem in der Stadt, da wars mal 40 Grad- hier in Deutschland deutlich heißer. Da sollten wir in Zukunft einen Schwerpunkt drauf legen, auf diese Kühlwirkung von Wäldern.

    Ein weiterer Punkt ist die Grundwasserversorgung. Wald lässt Wasser in den Boden, das Grundwasser wird dadurch gespeist. Das ist natürlich auch sehr wichtig, wenn wir uns an die letzten 3 Jahre erinnern, in denen uns die Trockenheit zu schaffen gemacht hat. Wald kann da eine Abhilfe schaffen und sollte möglichst stabil und gesund erhalten werden.

    Was war dein schönstes Walderlebnis?

    Das schönste Walderlebnis habe ich jetzt nicht greifbar. Aber besonders spannend ist es natürlich, wenn man Tiere im Wald sieht. Ich erinnere mich gerade an ein Erlebnis, da ist eine Wildkatze direkt vor mir aus dem Gebüsch hochgesprungen und schnell auf den nächsten Baum geflüchtet. Die hat sich wahrscheinlich sehr erschrocken genau wie ich. Das war spannend, weil ich noch nie so nah an einer Wildkatze war.

    Welche Veränderungen beobachtest du im Wald? Wie zeigt sich in im Wald die Trockenheit der letzten Jahre?

    Was als erstes ins Auge fällt, sind viele abgestorbene Fichten, die aufgrund der Trockenheit zu Kämpfen hatten und von Borkenkäfern befallen und zum Absterben gebracht wurden. Gerade an Standorten, wo es die Bäume sowieso schon schwer hatten, Wasser zu speichern -weil zum Beispiel kaum Boden vorhanden ist-, haben Bäume jeglicher Art Absterbeerscheinungen. Es sterben zum Beispiel große Teile der Krone ab oder starke Äste, teilweise brechen Bäume auch zusammen. Aber das sind Standorte, die vorher schon nicht die besten Bedingungen hatten oder Wälder, die von Menschen stark durch forstwirtschaftliche Eingriffe aufgelichtet wurden. Da kann man kaum mehr von einem richtigen Wald sprechen, weil es mehr Einzelbäume sind. Das sind eher parkähnliche Landschaften. Dann haben diese Bäume als Einzelindividuen auch sehr zu kämpfen, weil die Kühleffekte und die Schattenwirkung, die Bäume bieten, gar nicht mehr vorhanden sind. 

    Was wünschst du dir von Menschen, die im Wald unterwegs sind? Worauf sollten sie achten/was könnten sie wahrnehmen?

    Erst mal ist es sehr schön, wenn Menschen im Wald unterwegs sind. Ich glaube, dann nehmen viele -wenn auch unbewusst- viele Auswirkungen und Effekte des Waldes sowieso war. Sie sind ja wahrscheinlich mehr oder weniger freiwillig dort unterwegs. Man kann darauf achten, wie sich Wald verändert. Vielleicht auch: Was passiert im Wald, wenn wir dort Holzernte betreiben? Damit meine ich jetzt nicht zwangsweise, dass die Wege dreckig sind, sondern wie sehen die Bäume danach aus und wie entwickelt sich das. Vielleicht führt das ganze dann auch ein bisschen zu einem Umdenken in unserem Konsumverhalten. Es wird -ein stückweit auch politisch gewollt- immer mehr Holz genutzt. Aber das führt natürlich dazu, dass immer stärker in die Wälder eingegriffen wird und sie dadurch geschwächt werden. Diese Zusammenhänge sollte man herstellen und ich denke, das führt dann auch zu einem anderen Umgang mit Wald.

    Wie stellst du dir den Wald der Zukunft vor? Was müsste deiner Meinung nach für den Wald getan werden?

    Also wie ich mir den Wald der Zukunft WÜNSCHE: Auf jeden Fall mehr alte Wälder mit vielen alten dicken Bäumen, wo der Boden im Sommer sehr schattig, schon beinahe dunkel ist. Ich würde mich da sehr wohlfühlen, wenn man da reingeht und wirklich diese Verdunstungskälte der Bäume im Sommer spürt. Davon gibt es in Deutschland leider nur Relikte. Man kann da selten von Wäldern sprechen. Ich habe im Studium einmal in Slowenien einen sehr alten Wald gesehen, der auch etwas größer war. Das ist einfach beeindruckend. Ich würde mir wünschen, dass man mehr von diesen Walderlebnissen hier bei uns haben kann. Dafür müssten Wälder wieder älter werden dürfen und man sollte diesen Holzverbrauch, der derzeit immer noch angekurbelt wird, herunterfahren und mehr Bäume im Wald belassen.

    An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Josef Eichler für das Beantworten meiner Fragen!

    Dieser Bericht ist Teil des Waldfrühlings. Alle Infos dazu findest du hier.

    Schon Waldaufgabe Nummer 3 gemacht und den Wald in ein Kunstwerk verwandelt? Hier geht es zur Aufgabe.

    Nächste Woche geht es in der 4. Aufgabe um ungewöhnliche Uhrzeiten und gefiederte Waldbewohner.

    Titelbild: © Ruben Smit / Wild Wonders of Europe WWF (Das Bild zeigt einen Teil eines Waldes mit bemoosten Bäumen und dicht bewachsenem Waldboden in unterschiedlichen Grüntönen.)

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