Berichte

Achtung! Produkt könnte Kunststoff enthalten!

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    -Ein Ticket zum Konzert, äh nein zum Müllsammeln bitte

    -Kiel wird Zero Waste Stadt -und Hamburg könnte folgen

    -Achtung! Produkt enthält Kunststoff

    -Lego ohne Plastik?

    -Eine kurze "Story of Plastic"

    -Community gegen Plastik 

    -Selbst aktiv werden

    Ein Ticket zum Konzert, äh nein zum Müllsammeln bitte

    Große Müllsammelaktionen sind derzeit nicht möglich, weil große Menschenansammlungen gerade nicht möglich sind. Oder etwa doch? Der Verein Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit (kurz KRAKE) hat Ende Februar bewiesen, dass Corona-konformes Müllsammeln auch im großen Maßstab möglich ist. Die Vereinsmitglieder, die sich selbst „Kraklinge“ nennen, konnten sich über ein von einem Kölner Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestelltes Ticketsystem ein Ticket buchen. Dazu wurde das Naturschutzgebiet in Sektoren eingeteilt, die die Namen besonders durch Müll gefährdeter Meerestiere trugen. Zusätzlich gab es verschiedene Zeitslots, so dass 108 Menschen teilnehmen konnten und trotzdem maximal zu zweit oder mit hundert Meter Abstand gesammelt wurde. Zwar gab es vorher auch schon Aktionen von einzelnen Haushalten, aber dafür sei es einfach zu viel Müll gewesen. „Jeden Tag schwimmt im Rhein eine Tonne Müll in die Nordsee. Gemeinsam mit vielen Tentakeln kämpfen wir gegen diese Müllflut.“, schreibt der Verein auf seiner Website. Diesem Motto getreu konnten die „Kraklinge“ 3,73 Tonnen Müll aus dem Naturschutzgebiet holen, bevor dort die Brutsaison begann.

    Bild von jessica45 aud pixabay.com [Das Bild zeigt einen blauen Zettel mit der Aufschrift Ticket, der auf einem Holztisch liegt.]

    Kiel wird Zero Waste Stadt -und Hamburg könnte folgen

    Die Stadt Kiel will den Müllausstieg. Bis 2035 soll der gesamte Restmüll der Stadt halbiert werden auf nur noch 50 Kilogramm pro Jahr und Person. Der Durchschnitt in Deutschland sind derzeit 160 Kilogramm pro Jahr und pro Kopf. Der Gesamtabfall soll um 15 Prozent gesenkt werden. Der Vorschlag kam 2018 vom Verein für Wasserschutz. Kiel wäre die erste Zero Waste Stadt Deutschlands und ist Teil des Netzwerks „Zero Waste Europe“. Das ist nicht Kiels einziges Nachhaltigkeitsziel. 2019 rief die Stadt den Klimanotstand aus und ist nun auch Klimastadt, die bis 2050 klimaneutral sein will. Das Zero-Waste-Ziel ist nur möglich, wenn alle mitmachen. Deshalb soll das Thema auch an zehn Schulen in den Lehrplan aufgenommen und an den Schulen selbst auch umgesetzt werden. Es gibt auch die Überlegung „Pay as you throw“, eine Idee aus den USA einzuführen, bei der die Entsorgungskosten für jeden Haushalt anhand der weggeworfenen Menge berechnet werden. Menschen, die weniger wegwerfen, würden so auch weniger bezahlen.

    Auch in Hamburg arbeitet eine Initiative an der müllfreien Stadt. Ganz so weit wie in Kiel ist es aber noch nicht. Die von Studierenden gegründete Initiative Plastich hat es sich zum Ziel gemacht, Hamburg müllfrei zu machen. Dazu veranstalten sie CleanUps und Workshops, um zu sensibilisieren, zu motivieren und aufzuklären. Sie sammeln aber auch mal absichtlich gezielt neben Rauchern die Zigarettenkippen, um deren schlechtes Gewissen zu wecken.

    Bild von RitaE auf pixabay.com [Das Bild zeigt einen überquellenden Müllcontainer in einer Heidelandschaft.]

    Achtung! Produkt enthält Kunststoff

    Was haben Strohhalme, Kaffeebecher und Wattestäbchen gemeinsam? Richtig, sie sind ab Juli 2021 EU-weit verboten, zumindest wenn sie aus Einwegplastik hergestellt wurden.  Und was ist mit Tampons, Feuchttüchern, und Tabakfiltern? Sie fallen wie noch einige andere Einwegplastikprodukte nicht unter das Verbot. Aber die EU hat sie immerhin trotzdem auf dem Schirm. Im Februar kam in der Community die Frage auf, warum es auf Verpackungen nicht wie auf Zigarettenverpackungen Warnungen vor Tierleid und Mikroplastik gibt. Zwar nicht für Mikro-, aber für Einwegplastik wird es solche Warnungen bald geben:

    Das Bundesregierung hat die Einwegkunststoffkennzeichnungsverordnung beschlossen, die jetzt noch durch Bundestag und Bundesrat muss. Hinter dem langen Namen versteckt dich die Kennzeichnungspflicht für Einwegprodukte, mit der Deutschland Artikel 7 Absatz 1 der EU-Einwegkunststoffrichtlinie umsetzt. Diese bezieht sich erst einmal auf Hygieneartikel wie Tampons, Binden und Feuchttücher sowie auf Kunststofffilter in Tabakprodukten und Einweggetränkebecher. Warum gerade diese Produkte? Sie landen besonders oft an europäischen Stränden. Weitere Produkte können später noch in die Verordnung aufgenommen werden.

    Bild von geralt auf pixabay.com [Das Bild zeigt sehr viele übereinanderliegende Achtung-Verkehrsschilder: dreieckig mit rotem rand und in der Mitte schwarzem Ausrufezeichen auf weißem Grund.]

    Aber warum werden die Produkte dann nicht genau wie Strohhalme einfach verboten? Die EU geht davon aus, dass es zu diesen Produkten noch „keine ökologisch sinnvollere Alternative“ gibt, daher gibt es vorerst kein Verbot. Bis 2027 soll aber überprüft werden, ob durch Innovationen oder Produktentwicklung ein Verbot auch für diese Artikel möglich ist. Bis dahin sollen die Warnhinweise die Bürgerinnen und Bürger sensibilisieren. Dadurch soll vor allem achtloses Wegwerfen verhindert werden. „Diese Wegwerfmentalität muss aufhören.“, sagt Svenja Schulze. Viele wüssten nicht, dass in manchen Produkten Plastik ist.

    Die Kennzeichnungspflicht tritt am 3.Juli 2021 gemeinsam mit dem Verbot der anderen Produkte in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gibt es eine Übergangsphase von einem Jahr, in der Hersteller bereits hergestellte Waren mit einem nicht ablösbaren Aufkleber kennzeichnen können. So soll die sinnlose Vernichtung von Waren vermieden werden. Auch der Import von ungekennzeichneten Produkten aus Nicht-EU-Ländern ist ab Juli verboten.

    Eine weitere Verordnung tritt ab 3. Jul 2024 in Kraft. Ab dann müssen Verschlüsse und Deckel aus Plastik von Getränkebehältern fest mit diesen verbunden sein. Damit soll verhindert werden, dass die Deckel einzeln in der Natur landen. Wie das genau aussehen soll, kann ich mir noch nicht so gut vorstellen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Hersteller hier noch drei Jahre Zeit bekommen, solche Verschlüsse zu entwickeln.

    Bild von Myriams-Fotos auf pixabay.com [Das Bild zeigt übereinanderliegende Zigarettenschachteln in rot, gelb und grau mit der Aufschrift "Rauchen kann tödlich sein".]

    Aber wie sehen die Warnhinweise denn nun aus? Ich habe mir die ja wie die Aufschrift auf den Zigarettenpackungen vorgestellt. Die Entwürfe, die ihr euch auf der Seite des BMU anschauen könnt, sind allerdings etwas bunter: Alle bestehen aus Piktogrammen und einem Text. Die Verordnung enthält Vorgaben zur Farbe, Schriftgröße und -art. Der Text muss in Amtssprache des jeweiligen Landes aufgedruckt werden, darf aber noch in anderen Sprachen ergänzt werden. Links ist jeweils ein rotes Feld mit einem schwarzen Verbotssymbol zu sehen und das jeweilige Produkt, das fallen gelassen oder ins Klo geworfen wird. Das rechte Feld ist blau und zeigt das im Wasser schwimmende Produkt mit einer mitgenommen wirkenden Schildkröte darunter. Unten steht in weiß auf schwarzem Grund: Produkt enthält Kunststoff. Das ist zwar noch weit entfernt von abschreckenden Bildern mit toten Seevögeln voller Plastik, aber immerhin ein Anfang. Das „Rauchen kann tödlich sein“ hat sich inzwischen auch zu „Rauchen ist tödlich“ geändert. Vielleicht berichtet ja das Plastik-Update in ein paar Jahren über eine Verschärfung der Warnhinweise…

    Lego ohne Plastik?

    Geht das überhaupt? Nein, plastikfrei wird Lego wohl so schnell nicht. Aber der dänische Konzern möchte trotzdem weniger Plastik verwenden und zwar bei den Verpackungen. Bisher bestehen die aus einem Pappkarton und darin viele kleine Plastiktüten, in denen die Bauteile stecken. 2020 hat Lego angekündigt, diese Plastiktüten durch Papiertütchen ersetzen zu wollen. Papiertüten sind zwar nicht automatisch umweltfreundlicher, laut Konzern soll es sich immerhin um zertifiziertes Papier handeln. Welches Zertifikat gemeint ist, bleibt aber offen. Das Ersetzen der Tüten ist Teil eines größeren Vorhabens, Lego umweltfreundlicher zu machen. Langfristig möchte Lego auch weg von Erdöl basierten Kunststoffen. Bisher bestehen die bunten Steine aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS). Bis 2030 soll ABS durch Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, die Rede ist von Zuckerrohr. Wie genau diese Materialien aussehen werden, ist aber noch offen. Lego möchte die Eigenschaften der Steine gerne beibehalten, damit diese auch in Zukunft haltbar sind und keine scharfen Kanten als Gefahr für Kinder entstehen. Der WWF steht Bioplastik, also Plastik, das entweder aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und/oder biologisch abbaubar ist, kritisch gegenüber. Unter anderem weil der Anbau der Rohstoffe wie in diesem Fall Zuckerrohr in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen und zu Abholzungen führen könnte. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen. Aber auch Lego hat gemerkt, dass die Umsetzung schwieriger sei als gedacht. Das Unternehmen betont daher derzeit vor allem die Haltbarkeit und Wiederverwendung der bereits hergestellten Spielsachen. Fertige Spielsachen aus dem alten Grundmaterial sollen nicht mehr weggeworfen werden. Das Lego-Replay-Programm, bei dem in Amerika gebrauchtes Lego für Bedürftige gesammelt wird, soll auf andere Länder ausgeweitet werden.
    Besser als mit den Legosteinen scheint es mit den Papiertüten zu laufen. Im März hat Lego angekündigt, dass die Testphase so gut laufe, dass schon früher als 2025 auf Plastiktüten verzichtet werden solle. Die Idee dazu kommt laut Lego aus den Kinderzimmern. Den Konzern erreichen nach eigenen Angaben immer mehr E-Mails und Briefe von Kindern, die sich ein umweltfreundlicheres Lego wünschten. Je jünger die Kinder, desto wichtiger sei ihnen Nachhaltigkeit.

    Bild von Semevent auf pixabay.com [Das Bild zeigt Legosteine in verschiedenen Farben.]

    Eine kurze "Story of Plastic"

    Zum Schluss noch etwas kurzes zum Zurücklegen und anschauen ...oder doch zum Aktivwerden?
    Von "The Story of Plastic" gibt es jetzt eine animierte Kurzversion, die ihr euch anschauen könnt. Aber auch der Originalfilm kann immer noch kostenlos gezeigt werden, zum Beispiel auch als Online-Screening. Ihr habt den Film noch nicht gesehen? Dann tut euch doch zusammen und organisiert ein Screening mit anschließendem Online-Treffen, um euch darüber auszutauschen. Informationen dazu findet ihr hier.

    Selbst aktiv werden

    Lust mehr zum Thema Plastik zu lernen? Die BUNDJugend NRW veranstaltet im Juni wieder kostenlose Fortbildungen und Seminare. Vielleicht ist ein passendes Thema für dich dabei, anmelden kannst du dich hier.

    Community gegen Plastik

    Diesen Monat hat uns Tara auf eine unsinnige Erfindung für Menstruierende aufmerksam gemacht.

    Im letzten Plastik-Update hat uns Ronja von Musik, Wissenschaft und Kunst berichtet.

    Quellen

    https://www.bmu.de/pressemitteilung/warnhinweis-fuer-wegwerfplastik-ab-juli-2021/ 

    https://www.bmu.de/faqs/einwegkunststoffkennzeichnungsverordnung/ 

    https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/kiel-will-erste-muellfreie-stadt-werden

    https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/muellsammler-fischen-3-73-tonnen-muell-aus-den-rheinauen

    https://krake.koeln/ 

    https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/hamburger-initiative-fuer-eine-muell-freie-stadt

    https://www.storyofstuff.org/movies/the-story-of-plastic-documentary-film/how-to-watch/host-a-screening/ 

    https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/lego-will-schneller-auf-plastikverpackungen-verzichten 

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/lego-tuetet-steine-kuenftig-in-papier-16954515.html 

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lego-will-plastiktueten-schneller-abschaffen-a-42d722f9-6ea6-40a4-abce-bd22ef8a41fb 

    https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/bioenergie/bioplastik 

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