Berichte

Von blauen Bons, Bikinis aus Netzen und Mehrweg per Post

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    Blau statt weiß

    -Mehr Mehrweg im Supermarkt...

    -...und auch per Post

    -Bikinis aus Netzen

    -Selbst aktiv werden

    -Community gegen Plastik

    Blau statt weiß

    Erinnerst du dich noch an das große Thema zum Jahresbeginn, bevor es mit Corona so richtig los ging? Richtig, die Rede ist von der Bonpflicht, über die sich damals ganz Deutschland aufgeregt hat. Was die wenigsten wissen: Im Januar 2020 wurde nicht nur die Pflicht zum Ausdrucken der Bons eingeführt, sondern auch Bisphenol A in Kassenbons verboten. Bispehnol A wurde bis dahin meist eingesetzt, um die Schrift auf Kassenzetteln sichtbar zu machen. Allerdings gilt es als hormoneller Schadstoff mit östrogenähnlicher Wirkung und kann den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Oft wird es jetzt durch Bisphenol S ersetzt, das ebenfalls hormonell wirken kann. Es gibt aber auch andere Lösungen: Vielleicht hast du dich in letzter Zeit an der Kasse über die Farbe des Kassenbons gewundert? Zumindest bei Edeka, Alnatura, Netto und einigen kleineren Geschäften könnte das der Fall sein. Sie verwenden seit einiger Zeit blaue Kassenzettel. Diese haben gegenüber den herkömmlichen weißen zwei Vorteile.  Sie enthalten keine chemischen Farbentwickler, sind also weniger umwelt- und gesundheitsschädlich und sie können anders entsorgt werden. Aber was genau ist der Unterschied? Die blauen Bons bestehen aus mehreren Papierschichten. Die Schrift wird durch einen physikalischen Prozess sichtbar. Beim Druck wird die oberste Schicht durch Hitzeeinwirkung transparent, wodurch die dunklere Schicht darunter zu sehen ist und somit die Buchstaben. Übrigens können die blauen Bons einfach im Altpapier entsorgt und recycelt werden. Andere Bons gehören nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll. Wenn ihr noch mehr zum Thema lesen wollt, schaut doch mal in Annes Artikel über die Bonpflicht.

    A.Kaucher

    Mehr  Mehrweg im Supermarkt…

    Pfandgläser und –flaschen für Joghurt und Milch gibt es schon lange. Die Biosupermarktkette Alnatura bietet nun auch andere Lebensmittel in Mehrweggläsern an. Nach eigenen Angaben seien sie die ersten, die eine solche Bandbreite abdecke. Seit April gibt es schon Tee, Müsli, Nüsse und Nussmus im Pfandglas. Da diese gut ankamen, folgen jetzt 16 weitere Produkte, zum Beispiel Reis, Linsen, Zucker und Ketchup. Abgefüllt sind sie in Standardmilchflaschen und –joghurtgläsern, so dass diese überall zurück gegeben werden können. Ein Glas kann bis zu 50 mal wieder aufgefüllt werden. Verkauft werden die Produkte unter dem Namen „Pfandwerk“. Die Marke wurde für Alnatura von Bananeira entwickelt, einer Firma, die Bio- und Fairtradelebensmittel verkauft. Alnatura möchte in Zukunft noch mehr Produkte in Mehrwegverpackungen anbieten.

    Bild von pixabay.com

    …und auch per Post

    Nicht nur in der Lebensmittelbranche fällt viel Müll an. Auch der Versandhandel ist nicht gerade für wenig Verpackung bekannt. In Deutschland ist er pro Jahr für 800.000 Tonnen Müll bestehend aus Papier, Pappe und Plastik verantwortlich, Tendenz steigend. Doch auch hier tut sich was in Sachen Mehrweg: Die Versandhändler Otto, Tchibo und Avogadostore testen derzeit eine Mehrwegversandtasche aus recyceltem Kunststoff. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt praxPACK hat das Ziel, mehr kreislauffähige Verpackungen in Umlauf zu bringen. In der ersten Phase ab August wird die Mehrwegversandtasche von RePACK getestet.  Die gelben Taschenbestehen aus recyceltem Kunststoff und lassen sich bis auf die Größe eines Briefes zusammenfalten. So können sie auch leer per Post zurück geschickt und ca. 20 mal benutzt werden. Für die Rückführung, Reinigung und Aufbereitung ist das finnische Unternehmen RePack zuständig. Nur Retouren gehen direkt zurück an den Onlinehändler. Tchibo möchte ab diesem Monat 7500 Einwegverpackungen durch RePack ersetzen. Welche Kunden ihre Bestellung in der Mehrwegtasche erhalten, soll das Zufallsprinzip entscheiden, um die Akzeptanz der Kunden zu testen. Der Avocadostore will 2000 Eigenhandelspakete mit RePack verschicken. Die Kunden können beim Bestellen selbst wählen, ob sie die Mehrwegverpackung gegen einen Aufpreis wollen. Otto möchte die Taschen vor allem auf ihre Massentauglichkeit testen und herausfinden, welche Logistikprobleme es zu überwinden gilt. Alle drei Onlinehändler wollen ihre Ergebnisse der gesamten Branche zur Verfügung stellen, damit die Umstellung so schnell wie möglich klappt. Diese werden bis Anfang 2022 erwartet.

    A.Kaucher

    Bikinis aus Netzen

    Was sich erst mal seltsam und vor allem wenig blickdicht anhört, ist in Wirklichkeit die Gründungsidee eine portugiesischen Start-ups. Die beiden Gründerinnen sind nämlich beide leidenschaftliche Surferinnen und wie so einige Surfer beim Ausüben ihres Hobbys nachdenklich geworden. An den Stränden Portugals stießen sie immer wieder auf Müll, besonders auf alte Fischernetze. Gleichzeitig ärgerten sie sich, dass gut sitzende Bikinis schwer zu finden seien – und kombinierten einfach beide Probleme, um eine Lösung zu finden. Ihr Start-up WONDA Swim möchte etwas gegen die Vermüllung tun und gleichzeitig hochwertige Bikinis herstellen. Dabei soll kaum neuer Müll entstehen. Für die Badebekleidung verwenden sie ECONYL, das aus recyceltem Nylon aus alten Fischernetzen und Nylonabfällen von Deponien besteht. Für jede Bestellung spendet das Unternehmen zudem einen Euro an die Lisbon Surfrider Foundation, eine Organisation, die Gewässer in Portugal schützen möchte. WONDA ruft auch regelmäßig zu Clean Ups auf, bei denen jeder für sich Müll aufsammelt.

    Bild von pixabay.com

    Selbst aktiv werden

    Im letzten Plastik-Update hat Anne euch einige Petitionen zum Thema Plastik vorgestellt. (Die ihr natürlich immer noch unterzeichnen könnt.) Da größere offline Aktionen nach wie vor selten sind, sind Petitionen eine gute Möglichkeit auch von zuhause aus aktiv zu werden. Hier findet ihr eine Petition von Greenpeace, in der es darum geht die Produzenten zur Veranwortung zu ziehen. 

    Oder vielleicht hast du Lust dir hier online Workshops zum Thema Plastik anzuschauen und das ein oder andere in die Tat umzusetzen?

    Vom 4.-10. September findet außerdem der WWF Jugend Clean Up Walk statt. Du bist nicht dabei, hast aber trotzdem Lust dich zu engagieren? Wie wäre es denn, wenn du zum gleichen Zeitpunkt deinen eigenen kleinen Clean Up Walk machst und zum Beispiel beim Spazieren oder Joggen Müll sammelst?

    Community gegen Plastik

    Auch diesen Monat haben noch Community-Mitglieder über ihren Plastikkonsum bzw. Nicht-Konsum im Alltag berichtet. Dominikh ließ uns an den Erfahrungen in seinem ersten Plastic free July teilhaben. Johanna war bereits zum dritten Mal dabei und teilte ebenfalls ihr Fazit in der Community. Steffi nahm uns gleich in zwei Berichten mit in ihren Zero Waste Alltag(Teil 1 und Teil 2).

    Im letzten Plastik-Update hat Anne über Leitungswasser, Müllkunst und Häkeln mit Zelten berichtet.

    Quellen

    ia.de/blaue-kassenzettel-kassehttps://utopnbons-196940/

    https://utopia.de/repack-tchibo-otto-avocadostore-mehrwegversandtasche-196722/

    https://utopia.de/alnatura-lebensmittel-im-pfandglas-185393/

    https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/bikinis-aus-recycelten-fischernetzen

Kommentare

3 Kommentare
  • shapinghorizons
    shapinghorizons Lieben Dank für diesen super informativen und interessanten Artikel!
    29. August 2020 - 2 gefällt das
  • stellasophies
    stellasophies Danke für das bereichernde Update!
    1. September 2020
  • SteffiFr
    SteffiFr Es gibt, ganz neu, noch ein zweites Start-Up-Unternehmen, das Lebensmittel im Pfandglas anbietet: "Unverpackt für alle".
    Bisher habe ich es bei uns noch nicht gesehen, aber wenn sich das für Gemüse-/Obstkonserven durchsetzen würde (statt Einwegglas...  mehr
    1. September 2020 - 1 gefällt das