Berichte

Türchen 19

  • „Wenn sich jeder Mensch eine Art aussuchen würde, um sie zu retten, würde unsere Welt ganz anders aussehen.“

    Endlich wieder lesen! Wenn es draußen dunkel und kalt ist und der ganze Unistress erst mal vorbei, habe ich endlich wieder Zeit ein Buch zu lesen. Und deshalb verbirgt sich hinter diesem Türchen ein Buchtipp, der auch viel mit unserem Thema Zukunft zu tun hat:

    Die letzten ihrer Art erschien dieses Jahr und ist der dritte Teil des Klimaquartetts der norwegischen Autorin Maja Lunde. Vielleicht habt ihr Die Geschichte der Bienen oder Die Geschichte des Wassers gelesen. Man kann die Bücher aber auch sehr gut unabhängig voneinander lesen. In Die letzten ihrer Art dreht sich alles um die Geschichte der Przewalski-Pferde und die Frage, ob ein Mensch eine vom Aussterben bedrohte Art retten kann.

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    Das nach seinem westlichen Entdecker, dem Russen Prschewalski, benannte Pferd, das die Mongolen Thaki nennen, wurde lange für die einzige Wildpferdunterart, die in ihrer Wildform überlebt hat, gehalten. Inzwischen weiß man aber, dass die Pferde vor 5000 Jahren verwildert sind. Ende der 60er Jahre war das Przewalskipferd in freier Wildbahn ausgerottet. Später gab es dann mehrere Auswilderungsprojekte.

    Im Roman erfährt man nach und nach mehr über die seltenen Pferde. Wie auch in den beiden ersten Büchern verknüpft Maja Lunde mehrere Erzählstränge. Wir lernen drei verschiedene Figuren aus drei verschiedenen Ländern und drei verschiedenen Zeiten kennen, die aber alle eins gemeinsam haben: Sie widmen ihr Leben den Thakis.

    „Eine neue Art, die zugleich uralt ist, ja vielleicht die älteste Pferderasse der Welt. (….) Das Pferd der Höhlenmenschen."

    Im St. Petersburg gegen Ende des 19. Jahrhunderts treffen die Leser auf den Zoologen Michail und erleben mit ihm die Botschaft von der Tötung eine Wildpferds, die sein Leben verändert. Das Tier könnte ein Urpferd sein, das als lange ausgestorben gilt. Ein solches Pferd wäre eine Sensation im Zoologischen Garten von St.Petersburg, dessen stellvertretender Direktor er ist. Gemeinsam mit dem Deutschen Wilhelm Wolff plant er eine Reise in die Mongolei, um die Tiere lebendig zu fangen.

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    „Dass es ein Irrsinn ist, sein ganzes Leben zu vergeuden, und alles, sein Geld und seine Arbeit, dafür zu opfern, ein paar Pferde zu retten.“

    Genau das Gegenteil, nämlich die Tiere nach ihrem Aussterben in der Wildnis wieder auszuwildern, plant die deutsche Tierärztin Karin im Jahr 1992. In einem Reservat in Frankreich hat sie eine Herde aufgebaut, die nun in der Mongolei in die Freiheit entlassen werden soll. Doch der Winter in der Mongolei ist hart und die Umstellung von Gefangenschaft zu Freiheit nicht einfach.

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    „Vielleicht ist es nicht das erste Mal, dass die Menschen alles in den Sand setzen, für sich und eine ganze Menge anderer Arten. (…)Vielleicht ist dies das eigentliche Naturgesetz, dass unsere Art jedes Mal, wenn sie auftaucht, dazu verdammt ist, vor die Hunde zu gehen. Dass eine Art einfach nicht zu klug werden kann.“

    Im dritten Erzählstrang scheinen die Pferde zunächst nicht so stark im Vorderrund zu stehen, was aber schlicht und einfach daran liegt, dass die Menschen selbst um ihr Überleben kämpfen müssen. Wie auch in ihren beiden ersten Teilen nimmt die Autorin uns hier ein paar Jahrzehnte  in die Zukunft mit, genauer ins Jahr 2064. Und hier findet sich auch die Verbindung zu den Bienen und dem Wasser: Der Klimakollaps ist eingetreten, es liegen Jahre des Kriegs hinter Europa und die Menschen sind auf der Flucht von Süden nach Norden. Doch auch in Norwegen lässt es sich nicht mehr gut leben. Eva weigert sich aber ihren Hof, der einst ein Tiergarten für bedrohte Arten war, zu verlassen. Sie will die beiden Wildpferde, die sie noch hat, retten. Doch das Futter ist knapp und die Pferde helfen ihr und ihrer Tochter nicht beim Überleben, im Gegensatz zu den Milchkühen. Wen also füttern und wen schlachten?

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    Alle drei Geschichten sind sehr spannend erzählt, so dass Gefahr besteht, das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Es geht auch nicht nur um das Schicksal einer Art. Jede Figur hat auch ihre ganz eigenen menschlichen Probleme. Michails Mutter wünscht sich, dass ihr Sohn heiratet, aber der fühlt sich nicht zu Frauen hingezogen. Karin wird von ihrem Sohn begleitet, der seine Drogenprobleme unter Kontrolle bringen will, hat aber gleichzeitig mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen. Eva nimmt eine fremde Frau auf und muss nun eine weitere Person ernähren. 

    Ich habe das Buch selbst noch nicht ganz fertig gelesen, aber das Ende hätte ich euch natürlich ohnehin nicht verraten. ;) So viel kann ich aber schon sagen: Es lohnt sich und ist vielleicht auch ein gutes Weihnachtsgeschenk, falls ihr noch eins braucht oder euch von jemandem etwas wünschen sollt. Aber vielleicht müsst ihr das Buch ja auch nicht unbedingt kaufen? Wie wärs denn mit Leihen?

    Hier kommt nämlich der Vorsatz:

    Ich habe mir letztes Jahr um diese Zeit überlegt, jedes Silvester eine andere Sache festzulegen, die ich im nächsten Jahr nicht neu kaufen werde. In diesem Jahr war es Kleidung, weil ich gemerkt habe, dass ich davon mehr als genug habe. Also habe ich dieses Jahr gar keine gekauft und werde es in Zukunft auch nur noch tun, wenn etwas kaputt geht und nicht zu flicken ist, das ich wirklich brauche. Welche Gegenstände im nächsten Jahr dran sind, steht noch nicht ganz fest: Bücher, DVDs… Überleg dir, wovon du zu viel hast, was du aber vielleicht nur wenig benutzt und was du machen kannst, anstatt diese Dinge zu kaufen.

     

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