Berichte

Willkommen bei den Vogelverrückten (Teil1) Die WWZ

  • Ein Jahr nicht mehr den ganzen Tag in geschlossenen Räumen verbringen, nicht mehr nur zuhören und lernen, lernen, lernen. Ein Jahr lang draußen in der Natur sein, praktische Naturschutzarbeit verrichten, mit wissenschaftlichen Methoden arbeiten, neue Leute kennenlernen, endlich mal Zeit für mich haben. Das alles waren meine Wünsche für das Jahr nach dem Abitur. Schon bald stand für mich fest: Ich möchte ein Freiwilliges Ökologisches Jahr/einen ökologischen Bundesfreiwilligendienst machen und das möglichst an der Nordsee. Gelandet bin ich beim NLWKN. Von meiner Arbeit und meinen Erfahrungen möchte ich euch in dieser dreiteiligen Berichtreihe erzählen. Im ersten Teil wird es hauptsächlich um die WWZ gehen. Aber vielleicht sollte ich erst einmal ganz von vorne anfangen:

    Meine Einsatzstelle

    Jetzt fragt ihr euch bestimm: NLWKN? Was ist das denn für eine komische Abkürzung? Um es gleich zu sagen: Es ist nicht die einzige, mit der ihr es in diesem Bericht zu tun bekommt. Wir lieben Abkürzungen: WWZ, Bruvo, Lako, Spüko, TG… Auch jede Vogelart besitzt ein eigenes Buchstabenkürzel. Aber keine Sorge, es ist gar nicht so kompliziert, wie es aussieht. Zuerst einmal zum NLWKN. Dahinter verbirgt sich der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Verständlich, dass man diesen langen Namen nicht zu oft aussprechen möchte, oder? Dafür ist er relativ selbst erklärend. Achtung, Überraschung: Der NLWKN kümmert sich um den Küsten- und Naturschutz, wobei wir Freiwilligen (fast) nur im Naturschutz tätig sind. Meine Einsatzstelle gehört zur Betriebsstelle Norden-Norderney. Insgesamt sind wir 16 Freiwillige, eingesetzt auf den ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog und –so wie ich- auf dem Festland in der Leybucht, nahe der Stadt Norden. Wir selbst nennen uns auch die Vogelzivis, da wir sowohl FÖJler als auch BFDler sind und sich bei uns einfach alles um Vögel dreht. 

    Unsere Arbeit: Die WWZ

    Da haben wir es schon wieder: Eine Abkürzung. Gemeint ist die Wasser- und Watvogelzählung, eine unserer Hauptaufgaben. Sie findet alle 14 Tage an der gesamten Küste statt. Erfasst werden Gänse, Enten, Möwen, Greifvögel und Limikolen(= Watvögel, nicht Wattvögel, ein bekanntes Beispiel wäre der Austernfischer). Gezählt wird immer rund um Hochwasser, da die Vögel bei Niedrigwasser zu weit draußen im Watt sitzen, um sie zu sehen. Am Festland liegen unsere Gebiete so weit auseinander, dass wir mit dem Auto fahren. An bestimmten Stellen halten wir an und zählen. Auf den Inseln sind unsere Kollegen  mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs. Wichtigstes Werkzeug sind aber unsere Spektive und Ferngläser, die wir vom NLWKN gestellt bekommen.

    Nach der Zählung folgt die Auswertung: Die Zahlen werden zusammengerechnet und in Tabellen eingetragen. Auch der Wasserstand und die Sichtbedingungen werden berücksichtigt. Je nach Art werden größere Trupps ab einer bestimmten Anzahl in einer Karte eingetragen, um herauszufinden, wo wichtige Rastplätze sind.   

    Gezählt wird mit dem Spektiv

    bei gutem...

    ...und bei nicht so gutem Wetter

    Die Standartfrage: Wie zählt man eigentlich Vögel?

    Ein Säbelschnäbler, so nah und gut zu erkennen sind die Vögel selten

    Fliegen die nicht weg? Zählt man die nicht dauernd doppelt? Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich diese Fragen in den letzten Monaten gehört habe: beim Seminar, von meinen Eltern, meinen Freunden… Ich habe schon so oft versucht zu erklären, wie eine Erzählung abläuft und glaube mittlerweile, dass man einmal dabei gewesen sein muss, um zu sehen, wie und vor allem DASS es funktioniert. Ich werde trotzdem versuchen, es euch verständlich zu machen, aber seid mir nicht böse, wenn ihr es euch hinterher immer noch nicht vorstellen könnt. Zuerst einmal: Nein, wir zählen NICHT jeden Vogel einzeln, das würde zu lange dauern und wäre auch einfach nicht möglich. Wenn wir einen einzelnen Vogel sehen, wird er natürlich aufgeschrieben. Aber 1000, 4000 oder auch mal 8000 Alpenstrandläufer zählt man nicht mal eben schnell durch. Bis zu 200 Vögel mache ich aber auch schon mal einzeln. Das kommt ganz darauf an, wie sie sitzen. Wenn sie wie die Hühner auf der Stange draußen auf den Landungen sitzen, lassen sich auch große Trupps noch gut Vogel für Vogel zählen. Alles andere ist eher eine systematische Schätzung als eine Zählung. Grundsätzlich verschafft man sich einen Überblick über den Trupp und entscheidet dann, ob man ihn in 5er-, 10er-, 50er- oder 100er Schritten zählt. Ich zähle zum Beispiel 5 Austernfischer ab, schaue dann, ob dieser Abschnitt für den gesamten Trupp repräsentativ ist oder ob die Tiere an einigen Stellen dichter zusammen sitzen und schaue dann, wie oft ich diesen 5er Abschnitt über die Vögel legen kann.

    Lust, selbst mal zu zählen? Dann versuch es doch mal mit diesen Nonnengänsen.

    Nun ist es den Vögeln leider ziemlich egal, dass sie gezählt werden sollen. Manchmal haben wir sogar das Gefühl, sie ärgern uns absichtlich. Praktisch wäre es, sie würden immer schön nach Arten sortiert sitzen: Die Austernfischer bei den Austernfischern, die Großen Brachvögel bei den Großen Brachvögeln und die Lachmöwen bei den Lachmöwen. Tja, schön wäre es… Sitzen vereinzelt andere Arten in einem großen Trupp, geht das ja noch. Oft haben wir aber ein buntes Kuddelmuddel an Arten, die wir dann entweder nacheinander machen müssen, was sehr lange dauert. Oder wir nutzen die „Klicker“, kleine Zähler, auf die man für jeden Vogel einmal drückt und am Ende die Zahl abliest. So muss man sich nur eine Zahl merken, kann aber mehrere Arten gleichzeitig zählen. Sitzen zwei Arten, zum Beispiel Silber- und Lachmöwen durchmischt, ist es auch möglich den ganzen Trupp zu zählen und abzuschätzen, wie viel Prozent davon zu welcher Art gehören. Bei der ersten Zählung wirkt das alles erst einmal super kompliziert und überfordernd. Mit der Zeit wird es aber immer leichter und irgendwann hat man im Gefühl, welche Methode gerade die beste ist.      

    Wie könnt ihr euch bewerben?

    Du hast Lust bekommen, auch ein Freiwilligenjahr beim NLWKN zu machen? Dann bewirb dich doch einfach für den nächsten Jahrgang. Für ein FÖJ musst du das über die Alfred-Töpfer-Akademie machen, den FÖJ-Träger in Niedersachsen. Bewerbungsbeginn ist der 1.Januar 2019. Du kannst zwar bei deinen Wunscheinsatzstellen eine bestimmte Insel angeben. Der NLWKN betrachtet deine Bewerbung aber als Bewerbung für alle seine 16 Stellen. Die Zuteilung erfolgt dann später.

    Hier findest du noch mal alle Informationen, die du für eine Bewerbung beim NLWKN für BFD und FÖJ brauchst.

    Ein paar allgemeine Tipps zur Bewerbung für ein FÖJ/einen BFD

    -Eine Übersicht über die Träger der FÖJ-Stellen findet ihr hier. Achtung, in manchen Bundesländern gibt es sehr viele, es kann also durchaus etwas dauern, bis ihr einen Überblick habt. Außerdem gibt es bei jedem Bundesland andere Bewerbungsverfahren und Fristen. Passt also auf, dass euch da nichts durcheinander gerät. Bei den meisten Trägern gibt man 2 oder 3 Wunscheinsatzstellen an, es kann aber sein, dass man auch noch andere Stellen vorgeschlagen bekommt.

    -Viele FÖJ-Einsatzstellen haben auch BFDler, die die selben Aufgaben haben (wie auch der NLWKN). Da besonders die Stellen an der Küste beliebt sind, lohnt es sich, sich so auf mehr als nur die 2 Wunsch FÖJ-Stellen zu bewerben. Viele Einsatzstellen sehen deine Bewerbung auf ihre FÖJ-Stellen aber auch als Bewerbung auf ihre BFD-Stellen.

    -Vor allem wenn ihr in diesem Schuljahr Abi macht, schiebt die Bewerbung nicht zu lange vor euch her. Es ist ziemlich anstrengend, sich während der Lernphase auch noch mit seinem Lebenslauf und diversen Motivationsschreiben rumzuschlagen. Zumal die Bewerbungsgespräche bei vielen Einsatzstellen in die Zeit von März bis Mai fallen, was zusätzlich zu den Prüfungen Stress bereitet, vor allem wenn ihr jedes Mal durch halb Deutschland reisen müsst. (Ich spreche aus Erfahrung!)

    Tipp: Für viele BFD-Stellen, zum Beispiel auch für unsere, kann man sich jederzeit bewerben. So bekommt ihr vielleicht noch ein Bewerbungsgespräch bevor der ganze Rummel so richtig los geht und habt womöglich schon vor dem Abi eine Stelle sicher.

    Warum es sich lohnt

    Wenn ihr Lust habt, viel draußen zu arbeiten, super nette Mit-Freiwillige und Kollegen kennenzulernen, jede Menge neue Erfahrungen zu machen (ihr zum Beispiel gerne mal in einem Graben landen und stecken bleiben oder den Regen waagrecht ins Gesicht bekommen wollt), in einem echten Nationalpark zu arbeiten und Gebiete zu betreten, die für andere Menschen gesperrt sind, nach der Schule auch mal wieder Zeit für euch selbst und jede Menge Spaß bei der Arbeit zu haben, kann ich euch das Jahr nur empfehlen.

    Falls ihr Fragen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare. 

    Alle Bilder=eigene Bilder

Kommentare

5 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr ein sehr schöner Einblick, danke Johanna!
    14. Januar 2019
  • LeaJosepha
    LeaJosepha Danke für den schönen Einblick in deine Arbeit, Johanna. Ich glaube ich hab halbwegs verstanden wie man die Vögel zählen sollte, aber das Bild hat mich dennoch leicht überfordert
    16. Januar 2019
  • Jojahanna
    Jojahanna Im Flug ist es auch super schwierig.
    16. Januar 2019
  • Jojahanna
    Jojahanna Für alle, die vielleicht gerade nichts zu tun haben oder mit ihrem Studium unzufrieden sind und etwas Neues suchen: Die FÖJ-Stelle auf Langeoog ist derzeit unbesetzt und der NLWKN sucht jetzt dringend Ersatz. Wenn ihr also jemanden kennt oder euch...  mehr
    16. Januar 2019