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Einweg? Mehrweg? Verpackungswende!

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

     

    Das gibt es diesen Monat:

    - Indien beschließt Verbot von Einwegplastik

    - Einwegpfand in Österreich

    - Mehrweg im Lieferdienst

    - Verpackungswende jetzt!

    - Selbst aktiv werden

    - Community gegen Plastik

     

    Indien beschließt Verbot von Einwegplastik

    Indien ist eines der Länder mit dem höchsten Verbrauch an Einwegplastik – beim Einkaufen, in der Gastronomie und im privaten Bereich.

    Bild von pixabay.com [Das Bild zeigt ein Straßenschild, auf dem ein nach links weisender Pfeil zu sehen ist, auf dem die Worte "One Way" stehen]

     

    Im kommenden Jahr tritt deswegen nun ein neues Plastikverbot in Kraft, das eigentlich schon seit Jahren geplant ist: nach und nach sollen Produktion, Verkauf und Benutzung von diversen Wegwerfprodukten verboten werden. Ab Juli betrifft dies Plastikgeschirr und Strohhalme und ab September auch dünne Einwegplastiktüten, wie man sie zum Beispiel in Supermärkten findet.

    Zwar wird dieses Verbot nicht das gesamte Plastikproblem in Indien lösen, es ist aber ein großer Schritt in die richtige Richtung und wird hoffentlich ein neues Bewusstsein für den Plastikkonsum in der Bevölkerung nach sich ziehen.

     

    Einwegpfand in Österreich

    In Österreich wird das Abfallwirtschaftsgesetz novelliert und um eine Mehrweg-Quote erweitert – diese legt fest, bei wie viel Prozent das Mehrwegangebot im Handel bis 2024 liegen muss. Ein Großteil des Handels und der Getränkeindustrie in Österreich findet dies jedoch nicht ausreichend und fordert eine Erweiterung der Novelle um ein fixes Datum für die Einführung eines österreichweiten Pfandsystems.

    Der Zusammenschluss von REWE Group, Hofer, Lidl Österreich und anderen möchte dadurch eine Gesamtlösung für Mehrweg- und Einwegpfand erreichen. Neben der gestaffelten Einführung von Mehrweg ab dem 1.1.2024 in allen Bereichen des Lebensmitteleinzelhandels wollen sie die Getränkeindustrie verpflichten, ab dem 1.1.2025 ein Einwegpfand auf PET- und Aluminium-Gebinde zu erheben. Die Zeit bis dahin sollen die Beteiligten nutzen, um die Voraussetzungen für das Pfandsystem zu schaffen. Sie wollen damit in Österreich zu vielen anderen europäischen Ländern aufschließen, in denen Einwegpfand schon seit Jahren verpflichtend ist.

    Bild von pixabay.com [Das Bild zeigt aufgereihte Plastikflaschen mit blauem Deckel, wobei eine Flasche in der Mitte einen roten Deckel hat]

     

    Dies kommt natürlich der Umwelt zu Gute und bedeutet einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft in Österreich, gleichzeitig zeigt sich hier aber auch die Wirksamkeit der auf EU-Ebene vereinbarten Sammel- und Recyclingquoten. Denn um Strafzahlungen zu vermeiden, die fällig werden würden, wenn Österreich diese Quoten nicht erreichen sollte, ist ein solches Pfandsystem ein wichtiger Bestandteil. Die an der Initiative Beteiligten wollen auch gleich mit gutem Beispiel vorangehen und haben sich deshalb freiwillig dazu verpflichtet, die Einweggebinde in großen Filialen zurückzunehmen – auch falls der Bund die gewünschte Regel nicht einführen sollte.

     

    Mehrweg im Lieferdienst

    Seit letztem Monat bietet Lieferando in Berlin in Zusammenarbeit mit zunächst 30 Restaurants an, das Essen in Mehrwegschalen zu liefern und im Rahmen eines Pfandsystems wieder zurückzunehmen. Die Rückgabe muss dabei nicht in dem Restaurant erfolgen, in dem bestellt wurde, sondern ist an über 1800 Rücknahmestellen in ganz Deutschland möglich – so soll das neue System perspektivisch bundesweit eingesetzt werden können. Den finalen Impuls zu diesem Schritt hat die Corona-Pandemie geliefert. Wie inzwischen weithin bekannt ist, hat diese zu einem enormen Anstieg an Bestellungen bei Lieferdiensten und Restaurants und damit auch zu Bergen an zusätzlichem Plastikmüll geführt.

    Das neue System soll dabei helfen, künftige Müllberge zu vermeiden. Gleiches gilt natürlich auch für das ab 2023 (gemäß dem neuen Verpackungsgesetz bundesweit) geltende Gebot für alle größeren Restaurants, ihren Gästen immer auch eine Mehrweg-Verpackung anzubieten.

     

    Verpackungswende jetzt!

    Im August wurde die aktuelle WWF-Studie zur Verpackungswende veröffentlicht. Die gute Nachricht: Die Kreislauwirtschaft ist nicht nur wünschenswert, sondern auch wirtschaftlich möglich!

    Die Studie zeigt, dass Deutschland bis 2040 den anfallenden Verpackungsmüll trotz der stetig steigenden Nachfrage erheblich verringern kann, wodurch nicht nur Müll gespart wird, sondern auch Ressourcen sowie Treibhausgase, die durch Herstellung und Entsorgung von Plastikverpackungen entstehen, geschont bzw. vermieden werden.

    Der Weg dorthin ist ganz klar: Weg vom linearen Verpackungssystem, an dessen Ende die Verpackungsmaterialien im Müll landen, hin zu einer kreislauforientierten, nachhaltigen Verpackungswirtschaft.

    Bild von pixabay.com [Das Bild zeigt eine türkise Tasche, auf der ein Recycling-Symbol und die Worte "re-use" zu sehen sind inmitten von herbstlichen Blättern]

     

    Die Wiederverwertung der Ressourcen könnte so bis zum Jahr 2040 68 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen und zum Erreichen unserer Klimaziele aus dem Pariser Klimaschutzabkommen beitragen.

    Die Studie des WWF formuliert sieben Maßnahmen, mit deren Hilfe die Verpackungswende gelingen kann: Unnötig Verpackungen vermeiden und Verpackungen minimieren, mehr Mehrwegsysteme einrichten, schlecht recyclebare Materialien ersetzen, Verbundmaterialien abschaffen und die Recyclingquote erhöhen, die Trennung und Sortierung verbessern, neue Vorschriften und Technologien für lebensmitteltaugliche Kunststoffe einsetzen und die Recyclingmärkte fördern.

    Mehr Details zu den Hintergründen und einzelnen Maßnahmen gibt es hier.

     

    Selbst aktiv werden

    Heute beginnt der Let's Clean Up Europe Fotowettbewerb! Teilnehmen kann man, indem man eine Aktion anmeldet, zwischen dem 1.10. und 30.11. durchführt und ein Foto hochlädt. Mit etwas Glück ist ein Gewinn von bis zu 400€ möglich! Alle Infos gibt es hier.

     Du möchtest gerne ein Leben mit weniger Plastik führen, aber manchmal fehlt dir die Inspiration dazu, wie du es angehen sollst? Dabei kann dieser kostenlose Ratgeber der Heinrich-Böll-Stiftung helfen: https://www.boell.de/de/2019/07/03/ohne-plastik-leben-ein-ratgeber?fbclid=IwAR0yDN_nRLgt98N3akfbI4-51HiGv8TV4P642hwLqRYlElLl4Xe6QqzID00

     Auch interessant ist diese App, mit deren Hilfe man den eigenen Plastikverbrauch tracken und sich Challenges zur Plastikverringerung setzen kann: https://www.myplasticdiary.co.uk/

     

    Community gegen Plastik

    Jedes Jahr wieder ein besonderes Highlight der Community: Der Clean Up Walk! Hast du schon Lenas Rückblick auf dieses Jahr gelesen? Den findest du hier.

     Im letzten Plastikupdate berichtet Johanna unter anderem über einen neuen Ansatz in der Barbie-Produktion und die "Kajakmüllabfuhr".

     

     

    Quellen:

    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/cosmo/daily-good-news/audio-indien-beschliesst-verbot-von-einwegplastik-100.html

    https://www.techandnature.com/amsterdam-unterwasser-fahrradparkhaus-bietet-auch-fischen-ein-zuhause/

    https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20211001_OTS0022/freiwilliger-schulterschluss-fuer-die-umwelt

    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/cosmo/daily-good-news/audio-essenslieferdienst-in-berlin-testet-mehrwegverpackungen-100.html

    https://rp-online.de/wirtschaft/verpackungsgesetz-ab-2023-soll-mehrweg-pflicht-fuer-gastronomie-gelten_aid-55793015

    https://www.wwf.de/themen-projekte/plastik/verpackungswende-jetzt

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