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Tipp der Woche! – Buchtipp „Die Supernasen“

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    „Eines Tages bekam ich einen Anruf. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein witziges Buch über Artensterben zu schreiben. Ääääh, nein. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber ein witziges Buch über Artenschutz, das ließe sich machen“ erzählte mir Lydia Möcklinghoff im vergangenen Jahr. Das lustige Buch über Artenschutz trägt den Titel „Die Supernasen“. „Es ist ein Buch über Tierforschung und Tierforscher und natürlich über die Tiere, die wir mit unserer Arbeit schützen wollen. Ich schreibe es nicht mit dem Anspruch eines Edward O. Wilson, (…) ich bin auch nicht neutral. (…) Ich bin Ameisenbärenforscherin. Ich stehe im Sumpf und sehe oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. (…) Ich breche in Tränen aus, wenn die Sonne im brasilianischen Farbspektakel untergeht. Das sind meine Erlebnisse im Artenschutz. Und so schreibe ich auch dieses Buch. Mittenraus und doch mit dem Anspruch, dass wir alle hinterher etwas schlauer sind.“

    In ihrem Buch besucht Lydia ihre Freunde, eine bunte Truppe aus Forschern, die in den entlegensten Winkeln der Welt um Arten wie den Wendehalsfrosch oder den Lemming kämpfen. Dabei erklärt sie, wie Artenschutz eigentlich funktioniert. Und schnell wird klar, es sind nicht immer nur die Tiere, sondern oft auch die Wissenschaftler selber, die bei der Arbeit in ihren Forschungsgebieten geschützt werden müssten.

     

    Lydia erzählt abwechselnd von ihrer eigenen Forschung in Brasilien und von der ihrer Kollegen. Sie berichtet von Frauke, die an der Elfenbeinküste Kob-Antilopen erforscht. Von Oliver, der in Grönland zusieht, wie nicht nur das Eis, sondern auch die Lemmingpopulationen dahinschmelzen. Von Mareike, die ihr Herz an die Frösche Kameruns verloren hat. Von Jörn, der gemeinsam mit dem Volk der Naso versucht, ein Staudammprojekt in Panama zu verhindern. Und von Ricarda, die in Sierra Leone Daten sammeln muss, um herauszufinden, welche Arten durch ein bevorstehendes Bauprojekt verschwinden werden.

    Weil Lydia so anschaulich schreibt, hatte ich die ganze Zeit über den Eindruck, selber vor Ort zu sein und in Grönland kleine Lemmingnester zu suchen, oder in der heißen Sonne der Elfenbeinküste zu schwitzen.

    Warum Artenschutz so wichtig ist, beschreibt die Forscherin gleich zu Beginn des Buches. Sie vergleicht das Ökosystem mit einem Jenga-Turm. Jeder Stein steht für eine Art. Man weiß nie, wann durch das Verschwinden von einzelnen Arten (oder das Herausziehen der Spielsteine), der gesamte Turm in sich zusammenstürzt. Deshalb ist es wichtig, nicht nur Schlüsselarten zu retten, sondern auch Arten, die für das Ökosystem keine tragende Rolle spielen, aber ebenfalls dort leben.

    Schlüsselarten sind Arten, von denen ein ganzes System abhängig ist. Als Beispiel nennt Lydia den Mandovi-Baum, der in ihrem Forschungsgebiet, dem Pantanal in Brasilien, wächst. Dieser Baum ist Nistort für viele Tiere. Für die schönen blauen Hyazintharas ist der Baum sogar der einzige, in dem sie brüten können. Würden die Mandovi-Bäume verschwinden, ginge es mit vielen Arten, die direkt von ihm abhängig sind, ebenfalls bergab. Ohne Baum kein Nistplatz.

     

    Ähnlich ist es mit der Acuri-Palme. Sie ist eine der zwei Palmenarten, deren Früchte die Hyazintharas fressen. Allerdings hat die Palme keine besonders große Lobby. „Ich habe eher selten Touristen während einer Safari schwärmen hören, sie hätten gerade >>the most bautiful palmtree ever<< gesehen, >>and so cheerful and lovely!<<. Hyazinth-Aras begeistern hingegen mit ihrer permanenten Charmeoffensive Einheimische und Touristen gleichermaßen.“ Deshalb ist der Artenschutz auf Schirmarten, wie den Hyazinth-Ara angewiesen. Um andere Arten zu schützen, wird in erster Linie mit dem Hyazinthara geworben und das bedeutet gleichzeitig Schutz für die Acuri-Palme. Und davon profitieren wieder andere Tiere.

    Lydia macht das Thema Artenschutz so greifbar, wie ich es sonst noch nicht erlebt habe. Sie führt den Leser direkt in die Forschungsgebiete ihrer Freunde und lässt ihn teilhaben an Problemen, Absurditäten und Erfolgen. Durch kleine Zeichnungen im Comic-Stil lockert sie ihre Hommage an den Artenschutz weiter auf und rundet ihn durch eine ordentliche Portion Humor richtig schön ab. Das Faszinierende an dem Werk ist der individuelle Stil, mit der es geschrieben ist. Kurzweilig und authentisch.

          

    „Die Supernasen“ ist ein sehr unterhaltsames, lehrreiches und witziges Buch. Auch wenn einige Wissenschaftler dabei zusehen können, wie ihre jahrelange Forschung zunichte gemacht wird, zeigt Lydia wie wichtig es ist, niemals aufzugeben und weiter für das Ziel Artenschutz zu kämpfen. Meine Empfehlung: Auf jeden Fall lesen! ;o)

     

     

    Alle Bilder/Zeichnungen © Lydia Möcklinghoff

     

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    Wenn ihr euch aktiv für den Umweltschutz engagieren möchtet, dann meldet euch noch bis zum 30.05. beim Utopival Mitmachkongress an, den euch Lisa im letzten Tipp der Woche vorgestellt hat.

Kommentare

1 Kommentar
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Danke für den Tipp, so etwas gibt Hoffnung, dass sich dieser Arten- und Umweltschutzgedanke durch etwas Humor anstatt erhobenem Zeigefinger in der Gesellschaft verbreiten wird.
    19. Mai