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Nachhaltiger essen - wie geht das?

  • Hallo zusammen, in meiner Vorstellung für die Expedition nach Dzanga-Sangha habe ich erwähnt, dass mich unter anderem das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Aber was ist denn das eigentlich und wie kann man sich im Alltag nachhaltiger verhalten?


    Unter Nachhaltigkeit versteht man ein Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung ("sustainable development") der Menschheit. Nachhaltig wirtschaften bedeutet sinngemäß, die Bedürfnisse der heutigen Generationen zu befriedigen, ohne den zukünftigen Generationen schlechtere Voraussetzungen zu hinterlassen. Dabei sollen ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen berücksichtigt werden. Ziele sind u.a. die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, ein größerer Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und somit eine gesicherte Zukunft für Alle.


    Keine Nation kann die Ziele nachhaltiger Entwicklung allein erreichen – globale Partnerschaften und gemeinsames Handeln sind erforderlich. Mit der auf dem „Erdgipfel“ 1992 in Rio verabschiedeten Agenda 21 werden detaillierte Handlungsaufträge gegeben, um einer weiteren Verschlechterung der Situation des Menschen und der Umwelt entgegenzuwirken und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sicherzustellen. Nach der Agenda 21 sind es in erster Linie die Regierungen der einzelnen Staaten, die auf nationaler Ebene die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung planen müssen - in Form von Strategien und nationalen Umweltaktionsplänen. Dabei sind auch regierungsunabhängige Organisationen und andere Institutionen zu beteiligen.
    Wichtig für den Erfolg der Maßnahmen und Projekte ist eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit bzw. der Bevölkerung, da nachhaltige Entwicklung vor allem in den Köpfen der Beteiligten Einzug finden muss. Dabei geht es nicht nur um Mülltrennung und „Der Letzte macht das Licht aus“, sondern auch um ein bewussteres Einkaufen. Ein nachhaltigeres Konsumverhalten der Verbraucher wäre das effektivste Mittel, mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu fördern – denn was viel nachgefragt wird, wird auch vermehrt produziert. Bestes Beispiel sind Bioprodukte, die in den letzten Jahren einen kometenartigen Aufstieg erfahren haben und heute so gefragt sind, dass der Bedarf leider oft nur durch Importe gedeckt werden kann.


    Nachhaltigkeit im Feld der Ernährung
    Was hat denn Ernährung mit Klimaschutz zu tun? Auf jeden Fall mehr als die meisten annehmen, denn in Deutschland verbraucht der Ernährungssektor ca. 20% des Gesamtenergieeinsatzes. Die Viehzucht ist weltweit für 18% der Treibhausgase verantwortlich – das ist mehr als der gesamte weltweite Transportsektor! Dieses Feld birgt also ein gewaltiges Potenzial zum Klima- und Umweltschutz – jeder kann sich durch eine veränderte Zusammensetzung der Kost nachhaltiger ernähren und so täglich aktiv zum Klimaschutz beitragen.
    Klingt gut – aber wie mache ich das genau? Hier sind die wichtigsten Grundsätze für einen nachhaltigen Ernährungsstil (nach von Koerber u.a.):


    1. Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
    Pflanzliche Lebensmittel belasten die Umwelt viel weniger als tierische. Veredelungsverluste (es werden wertvolle pflanzliche Nahrungsmittel an Tiere verfüttert, nur etwa 10-35% der eingesetzten Pflanzenenergie bleibt erhalten), hohe Boden-, Grundwasser- und Luftbelastung durch Emissionen und die Problematik der Medikamente führen dazu, dass tierische Lebensmittel nicht sehr nachhaltig sind.


    2. Ökologisch erzeugte Lebensmittel
    Bio-Lebensmittel sind besser für die Umwelt als Konventionelle, denn hier kommen deutlich weniger bzw. gar keine Pflanzenschutzmittel, Dünger etc. zum Einsatz. Folge: Entlastung von Boden und Grundwasser. In der Tierzucht werden robustere Rassen eingesetzt, die Tiere leben artgerechter und brauchen (fast nie) Medikamente.

    3. Regionale und saisonale Produkte
    Importierte Ware, vor allem mit dem Flugzeug transportierte, belastet das Klima über die Maßen – aber auch die Lagerung von regionalen Produkten außerhalb der Saison ist energieaufwändig. Also: Saisonalem und Regionalem den Vortritt lassen. Dabei kann ein Saisonkalender helfen (aus dem Internet, z.B. unter oekolandbau.de). Das Gute daran ist: Was gerade Saison hat, ist meistens auch günstig.

    4. Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel - reichlich Frischkost
    Frische Produkte sind besser fürs Klima als Tiefkühlware. Je höher der Verarbeitungsgrad eines Lebensmittels, desto weniger wertvoll ist es oft aus gesundheitlicher Sicht - Beispiel Kartoffel: In natürlicher Form sehr empfehlenswert, zu Pommes oder Chips verarbeitet auf einmal ziemlich ungesund. Außerdem verbrauchen stark verarbeitete Lebensmittel mehr Energie auf dem Weg zum Kunden.


    5. Umweltverträglich verpackte Produkte

    Doppelt und dreifach eingepackt – das ist meist unnötige Materialverschwendung und lässt die Müllmenge ansteigen. Gegenläufige Trends sollten unterstützt werden. Auch wenn es nerven kann, ständig Pfand wegzubringen oder die Glasflaschen unpraktischer sind als Plastik: Das gute Gewissen kann dafür leicht entschädigen.

    6. Fair gehandelte Lebensmittel
    Fair Trade zielt auf die soziale Dimension ab, die jedoch eng mit den beiden anderen Dimensionen verwebt ist. Bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, aber auch Umweltschutz und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen werden gefördert. Und mal ehrlich – so billig wie konventionelle Bananen heute sind, kann ja etwas nicht damit stimmen, oder?

    7. Genussvolle und bekömmliche Speisen
    Ernährung soll vor allem schmecken, dabei aber auch gesund sein – denn durch gesunde und genussvolle Ernährung bleibt man meist länger gesund, leistungsfähig und aktiv – langfristig gesehen ist dies nicht nur eine Entlastung für die Krankenkassen, sondern vor allem für die Gesellschaft und natürlich für jeden Einzelnen!


    Es ist interessant, dass nachhaltigere Ernährung Hand in Hand mit gesunder Ernährung geht – und viel teurer ist es im Endeffekt auch nicht, denn Fleisch, Süßigkeiten und Fertigprodukte sind nicht gerade günstig. Wer sie öfter mal weglässt, kann sich auch den Aufschlag für Bio und TransFair leisten – wenigstens ab und zu. Bei all dem muss man auch bedenken, dass wir Deutschen im Vergleich extrem wenig für Lebensmittel ausgeben und dass bei konventionellen Lebensmitteln Kosten entstehen, die wir später einmal alle zu tragen haben – Kosten für Umweltschäden, verloren gegangenen Artenreichtum und Ähnliches. So gesehen ist jeder bewusste Kauf eine kleine Investition in die Zukunft und außerdem ein deutliches Statement, dass Geiz eben nicht immer geil ist, sondern manchmal auch extrem fehl am Platze.


    Internetseiten zum Thema:
    Oekolandbau.de
    Sustainable.org
    Utopia.de
    Nachhaltigkeit.info


     

Kommentare

5 Kommentare
  • Janine
    Janine Hey Hanna!
    Vielen Dank für deine Liste!
    Ich find\'s super, dass du nicht nur sagst \"dasunddas ist gut und diesundjenes schlecht\", sondern dass du auch erklärst warum es für uns alle besser, gesünder und vor allem umweltfreundlicher ist, wenn wir uns an ...  mehr
    13. Juni 2009
  • marmeladenmaul
    marmeladenmaul Hallo,
    danke für deine Liste! Sie ist wirklch sehr übersichtlich und die genannten Links sind ein super Tipp!
    29. Juni 2009
  • cappuccino
    cappuccino Super Bericht! Da stimme ich dir voll und ganz zu, besonders bei Punkt 1 (Bin aber keine Vegetarierin). Es ist nur schwer, den Leuten das zu vermitteln, weil es einfach so praktisch ist: Das Fleisch schmeckt gut, es ist billig - gekauft! Da wollen sich di...  mehr
    3. Juli 2009
  • HannaS
    HannaS Zum Thema Fleisch habe ich noch einen sher witzig animierten Film gefunden:

    http://www.themeatrix.com/
    ...  mehr
    7. Juli 2009