Berichte

Sinnlose Verschwendung Teil II – uneingeschränkter Papierverbrauch

  • Auf der Suche nach einem neuen Thema für meine Berichtreihe „Sinnlose Verschwendungen“ ließ ich mich von meinem Alltag inspirieren. Ich wollte etwas finden, was jeder kennt, womit jeder Erfahrungen hat und, wie ich feststellen musste, waren das sehr hohe Ansprüche.
    Ich kam also zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis und beschloss die Sache erstmal auf Eis zu legen. Aber wie es das Schicksal so wollte, kam mir meine Eingebung dann doch im Alltag.
    Folgendermaßen lief dies ab:

    Ich saß in einer Vorlesung und blickte mich im Raum um. Da sah ich, wie eine Kommilitonin eine neue Seite ihres Blockes aufschlug und anfing zu schreiben. Kurze Zeit später stoppte sie abrupt, hielt kurz inne und riss plötzlich die Seite heraus und zerknüllte sie.
    Ich war zuerst überrascht und ärgerte mich im zweiten Atemzug über ihr Verhalten.
    Sie hatte wirklich gerade eine ganz neue Seite angefangen und wohl aufgrund eines Schreibfehlers diese Seite aufgrund dessen für ‚wertlos’ erachtet.

    Und dies gab mir den Anlass für diesen neuen Bericht.

    Papier ist etwas, das in unserem Alltag so selbstverständlich ist, wie das Wasser, das wir trinken. Man benötigt es täglich. Sei es, um einen Einkaufszettel zu schreiben, sei es, um Hausaufgaben zu machen oder sei es, um einen Brief zu verfassen. Hinzu kommt, dass es immer greifbar ist und außerdem in Relation zu der Menge, die man zum Beispiel in einem Block vorfindet, einen günstigen Preis hat.
    Aber genau das ist das Problem.
    Papier zu besitzen ist so natürlich, dass den meisten Menschen nicht mehr in den Sinn kommt sich mit ihrem Papierverbrauch und dessen Folgen auseinanderzusetzen und gedankenlos damit umgehen.
    Doch um das ganze Ausmaß, das durch den eigenen Umgang mit Papier bestimmt ist, verstehen zu können, sind die Fakten zur Gewinnung der benötigten Ressourcen, zur Produktion oder zur Vermarktung notwendig.
    Und diese Fakten werden wir uns nun mal anschauen:

    Da sich ein Markt an der Nachfrage orientiert, will ich erst einmal auf den Pro-Kopf-Verbrauch unseres Landes eingehen.
    2006 lag dieser bei 253 kg pro Jahr/pro Person. Da ein DinA 4 Blatt 5 g wiegt heißt das, dass wir 50.600 Blätter pro Jahr verbrauchen und damit durchschnittlich 190 Blätter pro Tag und pro Person.
    Der gesamte Verbrauch unseres Landes liegt damit bei 414.920,000,000 Mrd. Blätter pro Jahr und das sind 82,984 t insgesamt.
    Wir wenden soviel Papier auf, wie die Kontinente Südamerika und Afrika zusammen.
    Man muss natürlich hinzufügen, dass der Löwenanteil des gesamten Verbrauchs Großunternehmen und der öffentlichen Verwaltung zuzuschreiben sind.
    Deutschland produziert im Jahr rund 26,3 Mio. t Papier. Es liegt daher hinter den USA, China und Japan an der viertel Stelle der weltweit größten Papierproduzenten.

    Doch das, was das eigentlich wichtige an der Sache ist, ist die Herstellung des Papiers.
    Es wird aus zwei verschiedenen Faktoren gebildet: aus Faserstoffen und Wasser.
    Faserstoffe können auf unterschiedliche Weise gewonnen werden. Dabei kommt es darauf an, welche Papierart man herstellen möchte. Grundsätzlich unterscheidet man in Faserstoffe, die entweder aus Holz, Altpapier, Baumwoll- oder andersartigen Fasern gewonnen werden. Jedoch werden hauptsächlich Fasern aus Altpapier oder Holz verwendet. Baumwoll- oder andere Fasern werden nur zu Produktion von Spezialpapieren benötigt.

    Glücklicherweise sind wir in Deutschland schon so weit, dass wir rund 65 % der Fasern aus Altpapier gewinnen. Vor allem Zeitungen und Verpackungsmaterialien werden so hergestellt.
    Doch das Recycling von Altpapier hat seine Grenzen. So benötigt man bei der Verwendung von Altpapierfasern mindestens einen 25% hohen Anteil an Frischfasern, um die sinkende Qualität durch die Wiederverwendung zu kompensieren.

     

    alt


    Diese Frischfasern werden größtenteils aus Holz gewonnen. Da die weltweite Nachfrage nach Papier steigt, steigt auch die Fasergewinnung aus Holz. So kommt es, dass jeder fünfte gefällte Baum in einem Zellstoffwerk landet, mit steigender Tendenz. Es hat sich auf diesem Gebiet ein großer Import-/Exportmarkt gebildet und Deutschland hat sich zum zweitgrößten Zellstoffimporteur entwickelt. Das heißt: Deutschland holt sich die meisten Holzfasern aus dem Ausland. Jedoch sind wir da nur ein Land unter vielen und das hat erhebliche Auswirkungen auf die Natur und die Menschen, die dort leben.

    So kommt es, dass ganze Ökosysteme für die Frischfasergewinnung zerstört werden und somit Lebensgrundlagen entzogen werden. Wälder werden gerodet und oft durch künstliche Plantagen ersetzt, die nur zur Fasergewinnung genutzt werden. Die Folgen sind weitläufig: viele Baumarten sterben aus, da sie durch schnellwüchsige Arten ersetzt werden; viele Tierarten sind bedroht, das ihre ‚Heimat’ zerstört wird; viele Einheimische werden ihrer Arbeitsgrundlage beraubt, da ihre Nutzflächen weggekauft und von großen Firmen besetzt werden.

    Ihr seht also, dass das Thema ‚Papier’ sehr weitläufig betrachtet werden muss.
    Alles beginnt mit der Nachfrage nach Papier. Diese ist bestimmt durch den Verbrauch eines Landes. Je mehr Papier gefordert wird, desto mehr Bäume werden benötigt, desto größere Waldflächen werden gerodet und durch Plantagen ersetzt, desto mehr Tiere verlieren ihre Lebensgrundlage, desto mehr einheimischen Menschen werden arbeitslos.

    Nun gibt es leider wenige Menschen, die hieraus sinnvolle Schlüsse ziehen können. Jedoch liegt es an jedem Einzelnen etwas zu bewirken. Daher werde ich nun einige Ideen vorstellen, wie man etwas gegen die steigende Papierproduktion tun kann.

    Bei meiner Recherche im Internet bin ich über eine sehr tolle Aktion gestoßen. Sie nennt sich „Papieratlas“ und ist durch einige Initiativen, wie auch durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.
    Es handelt sich um einen Städtewettbewerb, bei dem es darum geht, wer die „Recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands’ wird.
    Die Gewinnerstadt 2009 war Essen.
    Wenn euch diese Aktion interessiert, könnt ihr nähere Informationen auf der dazugehörenden Internetseite finden: www.papieratlas.de/
    Ich finde dieses Projekt wirklich großartig, da ich denke, dass man ein gesellschaftliches Bewusstsein am besten durch politische Maßnahmen leiten kann. Und genau das versucht diese Aktion. Ich bin gespannt, wie sich die Teilnahmebereitschaft der Städte in den nächsten Jahren entwickelt und werde dies auf jeden Fall gespannt verfolgen.

    Aber nicht nur auf politischer Ebene kann man etwas gegen den hohen Papierverbrauch tun. Jeder Einzelnen kann Einfluss darauf nehmen. Durch sein eigenes Konsumverhalten.
    Zuerst einmal sollte man sich darüber klar werden, wie ‚wertvoll’ ein Blatt Papier ist. Viele Menschen benutzen es, um eine Kleinigkeit darauf zu notieren und ist diese Notiz nicht mehr aktuell, wird sie samt dem benutzten Blatt weggeschmissen. Aber ein Blatt hat grundsätzlich zwei Seiten, die man beschreiben kann. Das heißt logischerweise, dass wenn ich ein Blatt für zwei Notizen nehme oder besser noch für mehrere, dann senke ich schon ein wenig meinen Verbrauch.
    Ich selbst handhabe dies seit Jahren so, dass ich alle Blätter, die ich nicht mehr brauche, die aber noch viel Platz zum beschreiben haben, sammle und sie z.B. zum Lernen etc. benutze, wenn ich etwas zusammenfasse. Ich schmeiße also Blätter wirklich dann erst weg, wenn sie voll geschrieben sind und ich sie wirklich nicht mehr nutzen kann.

    Eine weitere Möglichkeit besteht darin, beim Papierkauf auf bestimmte Siegel zu achten, die darauf hinweisen, dass das Papier entweder recycelt oder nachhaltig produziert wurde.

     

    alt(Recyclingpapier)

    alt(Das FSC-Siegel für nachhaltigen Waldbau)

     

    alt (Kein Zellstoff aus den Tropen wurde genutzt)

     

     

    Eine Liste der gängigen Papiersiegeln findet ihr hier:
    www.ich-habs-papiert.de/_pdf/3.7_Papiersiegel_und_-kennzeichen.pdf

     

     

    Ihr seht also: Dieses Thema betrifft uns alle. Man sollte sich bei allem, was man tut, im Klaren sein, was dies für Konsequenzen mit sich zieht. Leider geht dieser Gedanke im Alltag unter. Man könnte es ‚Alltagsblindheit’ nennen. Genau deshalb ist es wichtig, dass man mit anderen in den Dialog tritt, sich gegenseitig Blickwickel aufzeigt, aus deren Perspektive man die Welt noch nie betrachtet hat.
    Denn eine sinnlose Verschwendung von Papier muss nicht sein. Man kann den Umgang damit sinnvoll gestalten und jeder Einzelnen sollte sich damit befassen.
    Ich hoffe, dass mir mit diesem Bericht gelungen ist, euch das Thema näher zu bringen und ich bin sehr gespannt, was ihr dazu zu sagen habt, was ihr berichten wollt oder was ihr daran zu kritisieren habt.

     

    Quellen:
    http://www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_49_papier.pdf
    http://www.ich-habs-papiert.de/_pdf/3.1_Papierverbrauch_in_Deutschland.pdf
    http://www.wwf.de/themen/waelder/papier/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Papier#Herstellung_und_Vermarktung
    http://www.ich-habs-papiert.de/_pdf/3.7_Papiersiegel_und_-kennzeichen.pdf
    http://www.papieratlas.de/
     

     


     

Kommentare

32 Kommentare
  • Nivis
    Nivis Wollte euch wissen lassen, dass im neuen WWF-Magazin auch zwei kleine Artikel sind, die mit diesem Thema zu tun haben. Der erste ist auf Seite 5 unten. Da geht es um 124 neu entdeckte Arten und hier wird erwähnt, dass ihr Lebensraum bedroht ist, auch durc...  mehr
    4. Juli 2010
  • AnnaP
    AnnaP Heute habe ich erlebt, wie sinnlos manche Menschen Papier ungenutzt wegschmeißen: Wir haben in unserer Klasse aufgeräumt ( sind ja bald Sommerferien :) ) und hatten noch einen großen Stapel unbeschriebener Plakate in unserem Regal liegen. Aber statt diese...  mehr
    9. Juli 2010
  • Nivis
    Nivis @Schaapje: Oh, das kann ich verstehen! Aber das Problem ist eben, wie im Bericht schon gesagt, dass viele nur sehen \"Papier gibts immer! und sich einfach sonst keine Gedanken drüber machen!
    Sehr traurig mit anzusehen.
    20. Juli 2010
  • TobiS
    TobiS Ich nutze Papier schon seit mehreren Jahren beitseitig. Oft brauche ich Schmierpapier für Struktogramme oder um einen Aufsatz zu planen. Für diesen Zweck sammel ich Papier, auf dem ich zu viele Fehler gemacht habe oder das ich für Notizen gebraucht habe, ...  mehr
    10. Februar 2011