Berichte

Der Countdown läuft! COP 23, die Weltklimakonferenz naht!

  • Ein Interview mit Kristin Reißig, Klimaschutzreferentin des WWF

    Bald geht es los: Die Weltklimakonferenz in Bonn (6. bis 17. November 2017) unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln rückt immer näher. Staats- und RegierungschefInnen treffen sich, um über den weiteren Verlauf der internationalen Klimapolitik zu verhandeln. Das ist unsere Chance, Druck auf die PolitikerInnen auszuüben und mehr effektive Klimaschutzmaßnahmen zu fordern.

    Auch bei den Change Days haben wir uns in einem spannenden Workshop mit den Weltklimakonferenzen auseinandergesetzt. Dabei wurde uns deren Wichtigkeit noch einmal klar vor Augen geführt. Geleitet wurde der Workshop von Kristin Reißig (sie arbeitet im Klimaschutz- und Energieteam des WWF) und von Simon Lange (Mitglied der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie).

    Workshop zu Klimaverhandlungen bei den Change Days

    Es hat mich sehr gefreut, dass ich nach dem Workshop ein Interview mit Kristin Reißig durchführen konnte. Hier sind meine Fragen und ihre Antworten:

    Welche Erwartungen hast du an die Weltklimakonferenz?

    Bei der Weltklimakonferenz jetzt muss man bedenken, dass es eine sehr technische Konferenz wird und nicht so ein großer politischer Durchbruch wahrscheinlich und auch nicht geplant ist, wie das in Paris noch der Fall war. Wir haben natürlich die Erwartung, dass möglichst ambitionierte Regeln bei der Weltklimakonferenz in Bonn beschlossen werden. Bei dieser Verhandlung geht es darum, wie ernst es die Staaten mit dem Klimaschutz meinen. In Paris hat man sich auf einen allgemeinen Rahmen geeinigt und sich die nationalen Beiträge vorgenommen. Diese müssen jetzt aber auch umgesetzt werden. Die nächste große Herausforderung besteht darin, dass die Beschlüsse aus Paris bei weitem nicht ausreichen, um die Ziele von Paris zu erreichen.

    Wichtig ist es, bei allen Verhandlungen und Treffen zu zeigen: Klimaschutz ist wichtig und findet auch trotz der veränderten politischen Situation in den USA statt. Die Weltgemeinschaft steht zusammen und setzt sich für den Klimaschutz ein. Trotzdem bleiben viele Hürden und Schwierigkeiten bestehen. Aber wenn wir es schaffen, viele Akteure zusammenzubringen, dann haben wir auch wirklich die Chance, die Ziele von Paris noch zu erreichen. Immer mehr Bundesstaaten, Städte, Wissenschaftler, NGOs, Firmen usw. setzen sich für den Klimaschutz ein und arbeiten verstärkt zusammen. Gleichzeitig brauchen wir aber weiterhin politische Führung und politischen Willen, Klimaschutz auch wirklich umzusetzen. Für Deutschland würde das heißen, dass man jetzt schnellstmöglich den Kohleausstieg schafft und diesen politisch beschließt.

    Woran könnte es scheitern, dass es zu ambitionierten Ideen kommt?

    Wir sehen immer wieder, wie komplex die Verhandlungen sind. Es gibt weiterhin große sich widersprechende Interessensgruppen und Haltungen. Vor allem der Einfluss der fossilen Energielobby ist immer noch sehr stark. Da muss man weiterhin die Chancen und Vorteile einer Umstellung auf saubere Technologien, erneuerbare Energien, Effizienz etc. aufzeigen. Vorteile sind z.B. auch die Schaffung von Arbeitsplätzen, der Schutz der Gesundheit usw. Diese positiven Aspekte muss man betonen und fordern, dass mehr Klimaschutz betrieben wird.  

    Welche Maßnahmen sollte Deutschland konkret ergreifen? Du meintest vorhin z.B. den Kohleausstieg?

    Genau, in Deutschland wäre der Kohleausstieg eine erste sehr wichtige Maßnahme. Bis spätestens 2035 müssen wir raus aus der schmutzigen Kohle und die dreckigsten Kraftwerke müssen so schnell wie möglich vom Netz.

    Deutschland ist in den internationalen Verhandlungen generell sehr positiv eingestellt. Für Deutschland wird es u.a. darum gehen, bei der Klimaschutzfinanzierung zu helfen und sich für ein höheres Klimaschutzziel in der EU starkzumachen. Deutschland wird seine Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen als Teil der EU erfüllen. Der Beitrag der EU insgesamt ist aber viel zu unambitioniert. Auch Deutschland ist leider nicht so engagiert, wie es sein könnte. Seit 2009 sind die schädlichen Klimagasemissionen in Deutschland gar nicht mehr gesunken! Im Moment sieht es so aus, als verfehlt Deutschland deshalb sein eigenes Klimaziel für 2020. Da muss die neue Regierung schnell gegensteuern.

    Außerdem haben wir in Deutschland den sogenannten Klimaschutzplan 2050, der bestimmte Ziele im Bereich Klimaschutz festlegt. Aber wie diese Ziele erreicht werden sollen, steht noch nicht fest. Es werden z.B. mehr Maßnahmen im Verkehr, bei Gebäuden und in der Landwirtschaft benötigt. Das sind alles Bereich, in denen bisher gar nichts passiert ist, die aber wichtig für den Klimaschutz sind. Wir können uns nicht nur auf den Bereich Energie konzentrieren.

     

    Wie können wir uns effektiv in die internationale Klimaschutzpolitik einbringen?

    Ein guter Weg sich einzubringen, ist über Plattformen wie YOUNGO und Conference of Youth. Dort kann man sich als junger Mensch aktiv bei den Klimaverhandlungen einbringen. Hilfreich ist auch, sich auf einer lokalen und nationalen Ebene einzusetzen. Außerdem ist es wichtig, dass Leute sich für das Thema interessieren und mehr Klimaschutz von der Politik einfordern. Wir sollten unsere Forderungen bei Demonstrationen deutlich machen, bei Abgeordneten nachfragen, Internetaktivismus betreiben usw. Es gibt total viele Möglichkeiten sich einzubringen. Nicht zu vergessen ist natürlich Klimaschutz selbst zu leben. Es gibt ja superviele Tipps, wie man sich klimafreundlicher verhalten kann. Außerdem können wir für mehr Bewusstsein bei der Familie und bei Freundinnen und Freunden schaffen.

    Vielen Dank für dieses spannende Interview!

     

    Hast du Lust aktiv zu werden? Der Countdown zur Weltklimakonferenz in Bonn läuft!

    So kannst du dich einbringen:

    -  Infos vom WWF rund um die COP findest du hier

    hier kannst du bei der vom WWF geplanten Online Aktion zur COP mitmachen

    -  am 4. November findet in Bonn selbst eine bunte und große Demo statt: „Klima schützen – Kohle stoppen!“. Die WWF Jugend wird natürlich lautstark an der Demo teilnehmen. Hier gibt es alle Infos.

    -  am 28. Oktober gibt es dafür ein Planungstreffen in NRW.

    -  außerdem wird es einen kreativen Infostand der WWF Jugend bei der COP geben. Nähere Infos folgen bald dazu. Für die Aktion werden auch noch dringend Häkelfische gebraucht. Johanna erklärt in diesem Artikel warum. 

    Also los geht’s. Lasst uns so viel Druck auf die PolitikerInnen ausüben, dass sie keine andere Wahl haben, als sich für mehr Klimaschutz einzusetzen.

     

    Luisa Sandkühler

     

     

    Bilder: Portrait von Kristin Reißig, COP23-Foto mit Fotolia Lizenz und Foto von den Change Days von Luisa Sandkühler

Kommentare

5 Kommentare
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Danke für den Artikel! Ich habe großen Respekt vor Verhandlungen mit so vielen Interessensgruppen. Hoffentlich wird endlich der politische Rahmen geschaffen, um weltweit die Maßnahmen zum Klimaschutz auch durchzusetzen!
    26. Oktober 1 gefällt das
  • MagicalMe
    MagicalMe Ich wäre so gerne dabei, vor allem da ich in der Nähe von Bonn wohne. Allerdings bin ich bis Dezember in Kanada, kann ich irgendwie auch aus dem Ausland helfen?
    27. Oktober
  • TobiS
    TobiS Du kannst dich am Online Climate March des WWFs beteiligen: https://www.wwf.de/climate-march/
    28. Oktober
  • Ronja96
    Ronja96 Vielen Dank für das tolle Interview! Ich bin mal auf die Ergebnisse der Verhandlungen gespannt. =)
    2. November