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Von Plastikflaschen über einen Wasserspender in der Mensa und Gemüsesticks am Kiosk –

  • Von Plastikflaschen über einen Wasserspender in der Mensa und Gemüsesticks am Kiosk – wie ich versuche, meine Schule grüner zu gestalten


    Als begeisterte 2 Grad Campus Alumni war es für mich klar, dass ich auch an einem Changemaker-Seminar teilnehmen werde. Im September dieses Jahres war es dann soweit – ich hatte endlich ein paar Tage Zeit, an denen ich mich in Berlin ganz dem Klimaschutz widmen konnte. Gemeinsam in der dieses Mal recht kleinen Teilnehmergruppe setzte ich mich also daran, meine Projektideen zu entwickeln und meine Ziele und Vorgehensweise der kommenden Monate auszuarbeiten. Heraus kam ein Konzept, um meine Schule umweltfreundlicher zu gestalten. Der Fokus soll dabei zum einen auf der Ernährung im Allgemeinen, zum anderen aber auch auf den Abfällen bei Plastik, sowie Lebensmitteln liegen. Also: Los get’s  - Gymnasium Karlsbad goes green!

     

    Das Schulgebäude des Gymnasium Karlsbad 

     


    Voller Elan kehrte ich also an meine Schule zurück und machte mich gleich einen Tag danach an die Arbeit. Zunächst waren die Bestandsaufnahme und das erste vorsichtige Anfragen bei den betreffenden Personen an der Reihe. Die Kioskdamen, die Angestellten des Caterers, unserer Mensa, die Schüler in der AG des Schulkiosks...Unterschiedlich begeistert reagierten sie auf meine Vorschläge, auf eine direkte Ablehnung stieß ich jedoch nicht – schon einmal sehr positiv. Die Begeisterung müsste ich in den nächsten Wochen und Monaten ohnehin noch aufbauen. Parallel begann ich dann damit, an verschiedenen Baustellen zu arbeiten.
    Ich startete direkt danach mit der Bestandsaufnahme. In einer Umfrage erfuhr ich, wie viele der etwas weniger als 900 Schüler Vegetarier und wie viele Veganer sind, sodass ich bereits die Nachfrage für eine Sortimentumstellung an unserem Schulkiosk ermitteln konnte. 22% der Schüler gaben an, sich vegetarisch und 4 % sich vegan zu ernähren, womit unsere Schule in beiden Kategorien über dem deutschen Durchschnitt liegt. Nun stand jedoch noch die Frage im Raum, welche Produkte denn eingeführt werden sollen. In mehreren Aktionswochen, die aktuell noch am Laufen sind, probieren wir verschiedene Produkte aus und werden im Anschluss diejenigen auswählen, die auf die größte Begeisterung gestoßen sind: Kartoffeltaschen, Gemüsesticks, Camembert, Obstquark. Besonders verpackt werden diese neuen Produkte in Aktionswochen.

    Nach den Ferien zum Beispiel wartet eine Mexiko-Woche auf die Schüler, in der unter anderem Humus- sowie Avocadobrötchen und scharfe Käsenuggets als Ersatz zu den normalerweise verkauften Chicken-Nuggets angeboten werden.

     

     

    Eine andere Aktionswoche, die aktuell in Planung ist, ist eine amerikanische Woche. In dieser soll z.B. durch den Verkauf von vegetarischen Gemüsebratlingen  gezeigt werden, dass Burger nicht gleich Fleisch bedeuten muss. Insgesamt wird bei den Aktionswochen zudem nicht ausschließlich darauf geachtet, weniger fleischlastige Kost anzubieten, sondern auch gesünder und regionaler zu sein. Unter anderem mithilfe der „Regional“-App und persönlichen Kontakten in der Umgebung wird darauf geachtet, die Produkte auch saisonaler zu gestalten. In der besagten amerikanischen Woche sollen beispielsweise keine „Discounter-Brownies“ angeboten werden, sondern selbstgebackene Rote-Beete-Brownies angeboten werden.


    Was beispielsweise bereits geschafft wurde, ist die Ergänzung des Sortiments mit Flammkuchenbrötchen, die durch ihre frische Zubereitung zum einen neben den sonst nur aufgebackenen Produkten auch einen Teil Handarbeit mit repräsentieren und zum anderen auch vegetarisch angeboten werden.
    Während in diesem Bereich die Einführung von „umweltfreundlicheren“ Produkten sehr gut läuft, bin ich mit dem Vorschlag zur Einführung eines Veggie-Days bisher kaum auf Begeisterung gestoßen. Hierbei bleibe ich jedoch am Ball und beobachte nun erst einmal wie sich die neuen Produkte entwickeln.
    Im Zuge der Einführung von mehr vegetarischen Produkten wird zudem aktuell noch untersucht, wie viel Prozent des Angebots denn bereits momentan vegetarisch ist bzw. wie viel Kilo Fleisch noch Anfang des Schuljahres wöchentlich am Kiosk verkauft wurde. Dies kann letztendlich dazu genutzt werden, um zu untersuchen, was durch die Aktionen und Umstellungen erreicht wurde, indem sich am Ende der Aktion ein guter Vergleich anstellen lässt.
    Auch eine Spendenbox wurde nun am Kiosk eingerichtet. Für Centbeträge, die man zurückbekommt, ist es häufig lästig, extra noch einmal den Geldbeutel herauszuholen, weshalb es selbst für Schüler manchmal attraktiv ist, das Geld einfach in eine Box zu werfen. Das Kleingeld, das dort hoffentlich innerhalb des Schuljahres zusammenkommen wird, wird dem afrikanischen Schutzgebiet zu Gute kommen. Im Januar schauen wir einmal, wie viel wir inzwischen gesammelt haben. Wenn es sich lohnt, werden wir dann auf ein neues Projekt umsteigen.


    Eine weitere Neuerung, die aktuell in Arbeit ist, ist die Umstellung des Schul-Getränkeautomaten von Plastik auf Glasflaschen. Ein Problem, das sich hierbei ergibt, ist, dass der Kauf des Getränkeautomaten vor einigen Jahren mit der Verpflichtung verbunden war, ihn ausschließlich mit Getränken zu bestücken, die von Cola hergestellt werden. Befolgen wir dies nicht, muss der Kiosk als Träger des Automaten mit hohen Strafzahlungen rechnen. Aktuell bin ich daher mit unserem Lieferanten im Gespräch um Alternativen und Verbesserungen der aktuellen Situation auszuarbeiten. Die ursprüngliche Idee, Bionade und ähnliche weitere Getränke darin anzubieten, wird sich vermutlich jedoch so nicht realisieren lassen.

    Im Bereich der Trinksituation am Gymnasium Karlsbad stehe ich zudem in Kontakt mit der Elternvertretung. Mit dieser gemeinsam habe ich bereits die Durchführung einer Trinkwasseranalyse erreicht. Die Ergebnisse fallen sehr gut aus und im nächsten Schritt wollen wir einen Wasserspender mit Kohlensäureaufbereitung anschaffen, um die Schüler dazu zu animieren, lieber gesundes Leitungswasser zu trinken, anstatt sich ständig neue Süßgetränke am Automaten zu kaufen. Entsprechende Kontakte mit „mein-Wasserspender“, sowie den Stadtwerken Karlsruhe, die als Sponsoren in Frage kommen, sind bereits geknüpft worden.
    Des Weiteren habe ich inzwischen Kontakt zu zahlreichen Lehrern aufgenommen. Einer davon beginnt noch kurz vor den Ferien in seinem Biologiekurs einer zehnten Klasse mit einer praxisbezogenen „Nachhaltigkeits“- Einheit. In Zusammenarbeit mit den Schülergruppen werde ich dort Projektideen vorstellen, die sich an unserer Schule zu dem Themengebiet anbieten. Diese reichen von den Verkehrsmitteln, mit denen die Kinder in die Schule kommen bis hin zum Papierverbrauch. Die Schüler werden mich daher vermutlich ab Januar in der Durchführung der unterschiedlichen Aktionen unterstützen und z.B. mit mir zusammen die Lebensmittelabfälle wiegen und die Daten auswerten, sowie mit eigenen Ideen, die bereits bestehenden Projektansätze ausweiten. Eine dieser ist z.B. die Erstellung eines Kochprojektes für die achte Klassenstufe, bei dem es besonders um die Vermeidung von Lebensmittelabfällen gehen soll, sowie dem Kochen mit vermeintlichen Abfällen.


    Wie das eben so ist – wenn man viel unternimmt und zahlreiche Projekte plant und durchführt und man noch dazu jeden Tag auf dem Weg zur Schule mit dem Fahrrad Zeit hat, sich weitere Gedanken zu machen, kommt man auf alle möglichen Ideen. So ist mir z.B. auch der Einfall gekommen, mit ein paar weiteren Schülern, selbstgebackene Kekse gegen eine Spende zu verteilen. Die dabei eingenommenen Spenden kommen dann einem umweltfreundlichen Projekt zu Gute. Die Einnahmen an einem einzigen regulären Schultag Anfang November ergaben 87 € während am Abend des Schulkonzerts am 9.12. zusätzliche 150€ in einer einzigen Zwanzigminutenpause gesammelt werden konnten. Also: gerne nachmachen ;) 


    Auch eine online Umfrage zu den Themenbereichen Lebensmittelabfälle und Plastik befindet sich aktuell in der Durchführung. Mithilfe dieser soll unter anderem ermittelt werden, wie viele Schüler das Angebot der Mensa bzw. des Kiosk nutzen, um einschätzen zu können, welcher Effekt sich aus den Aktionen ergeben wird und wie viele Schüler damit erreicht werden.


    Im Bereich zur Vermeidung der Abfälle bzw. der Wiederverwendung von Biomüll wurden auch schon die ersten Schritte getätigt. Am 9.12 traf ich mich hierfür mit einer Lehrerin meiner Schule, die unter anderem die Garten-AG leitet. Mit Isabells Hilfe, als Changemaker - Alumni wurden dabei bereits die ersten drei Anlagen gebaut, die nun in Garten, sowie in Mensa und im Lehrerzimmer Einsatz finden werden. Geplant ist, dass bis zum Ende des Schuljahrs dieses Projekt noch in einigen Klassen durchgeführt wird, sodass einige Schüler ihre eigene Bokashi-Anlage bauen und mit nach Hause nehmen können. Zudem bereitet die Garten-AG in Zusammenarbeit mit mir einen Informationsaushang rund um diese Art des Kompostierens auf. 

     

    Also – jetzt habt ihr erst einmal einen kleinen Einblick in das bekommen, was gerade alles an meiner Schule im Wandel ist. Ich werde euch hier weiter auf dem Laufenden halten. Wenn jemand von euch Interesse an weiteren Details zu den Aktionen hat und diese vielleicht sogar an seiner eigenen Schule ausprobieren möchte, könnt ihr mir einfach direkt schreiben. Ansonsten könnt ihr auch gerne Tipps in der Kommentarzeile hinterlassen, wenn ihr selbst bereits Erfahrungen mit derartigen Schulprojekten gemacht habt.
    Bis zum nächsten Update ;)

Kommentare

8 Kommentare
  • Cosima
    Cosima Wow! Ganz toll Lilith :)
    Das klingt alles richtig gut und mit deiner motivierend Art begeisterst du
    bestimmt viele Menschen und zeigst das Engagement, Veränderung, gute Ernährung und eigenen Ideen umsetzten Spaß macht und eine rieße...  mehr
    4. Januar
  • Lilith99
    Lilith99 Vielen lieben Dank für eure super Kommentare ;) Das motiviert noch einmal zusätzlich !!! Vielen Dank ;)

    Zu Laras Fragen: weiter geht es gerade mit vielen weiteren Schritten zur Ausweitung und Festigung des bereits Erreichten und natürlich...  mehr
    5. Januar
  • Ivonne
    Ivonne Wow, Lilith, wie du gewirbelt hast! Unglaublich. Ich kann irgendwie nicht ganz glauben, was du zu den Getränkeautomaten geschrieben hast! Das heißt ja, dass sich deine Schule von einem Unternehmen vorschreiben lässt, was ihr, die Schü...  mehr
    9. Januar
  • Lilith99
    Lilith99 Danke Ivonne - ja, das mit dem Getränkeautomaten hat mich auch echt entsetzt - ich schreibe dann, wenn wir das mit dem Wasserspender endlich geschafft haben ;)
    10. Januar