Berichte

Arbeiten als Fundraiser

  • Durch die Stadt laufen, hier einem Gitarrenspieler begegnen, da eine Würstchenbude entdecken, eine protestierende alte Dame, die immerzu "Das Wichtigste!" ruft schon aus der Ferne wahrnehmen, dem Leierkastenmann, der wieder und wieder dieselben Lieder spielt, über den Weg laufen, und dann stehenbleiben. Ganz unerwartet, um die nächste Ecke lauernd, steht er, der aufdringliche Mensch im Affenkostüm, der dich unbedingt dazu bewegen will, ein paar Euros für den guten Zweck zu spenden. Nirgends bist du vor ihm sicher, er begegnet dir überall und wartet nur darauf, dir das Geld aus der Tasche zu ziehen.
    Genau dieses Bild eines sogenannten "Fundraisers" hat sich im Kopf der Menschen verankert. Die Spendeneintreiber sind verhasst und gefürchtet. Wer sie für vertrauenswürdig hält, wird schnell als naiv abgestempelt.
    Dabei ist die Arbeit der jungen Leute, die sich heutzutage für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz einsetzen, lobenswert, anspruchsvoll und spannend zugleich, ja - eine Herausforderung, deren Ziele sich mit großer Mühe, Geduld, guten Argumenten ,Verständnis und Spaß erreichen lassen. In Zeiten der Wirtschaftskrise nehmen mehr und mehr Großunternehmer eine Auszeit von ihrer Spenderlaune und behalten Gelder ein, die zuvor als große Unterstützung für Wohltätigkeitsorganisationen dienten.
    Deshalb ist es gerade jetzt umso wichtiger die "kleinen" Leute auf den Straßen als dauerhafte Förderer zu gewinnen.

    Um aber überhaupt in der Öffentlichkeit arbeiten zu dürfen und die Straßen unsicher machen zu können, braucht jede Organisation zunächst eine Genehmigung der jeweiligen Städte. Diese wird allerdings nicht ausgegeben wie Flugblätter. Die Ordnungsämter prüfen zunächst Ideen und Hintergründe der Organisation, und erteilen dann eine Erlaubnis über das Aufstellen eines Standes, oder auch darüber, zu Fuß, mit einer Mappe bewaffnet, einen kleinen Bereich der Gehwege in Anspruch nehmen zu dürfen. Dieses System trägt dazu bei, dass Passanten sich bei einer Situation des Ansprechens sicherer fühlen können und nicht der Angst und Skepsis ausgesetzt sind, die bei jedem Gespräch einen erfolgreichen Verlauf verhindern könnten.

    Die meisten Organisationen engagieren für die Arbeit auf der Straße eine Promotionagentur, die junge Menschen ausbildet und schult, sodass sie das richtige Know-how haben, um eine Organisation würdig repräsentieren zu können.
    Auch ich habe in den vergangenen 2 Jahren bei einer Promotionagentur gearbeitet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen motivierten Leuten die Chance zu geben, durch eigenständiges Arbeiten ihre Ideale zu vertreten und damit zu inspirieren.
    Unverzichtbar bei der Arbeit für den guten Zweck ist natürlich die feste Überzeugung, die jeder einzelne Werber haben muss, um selber überzeugen zu können. Denn wenn er sich seiner Sache nicht sicher ist, wird es unmöglich sein, einen wildfremden Menschen von ebendieser zu beeindrucken.

    Als ich im März 2007 anfing mich mit der Arbeit solcher Promotionagenturen auseinanderzusetzen, wurde mir schnell klar, dass der Job kein Zuckerschlecken werden würde. Es erfordert Mut und Willensstärke und außerdem viel Feingefühl, um Passanten dazu zu bewegen, für Organisationen wie den WWF, Care, Oxfam, Nabu, etc. zu spenden, denn dass ein junger Mensch sich vor ihnen aufbaut, nett grinst und ein bisschen über den Naturschutz berichtet, ist noch lange kein Grund für das Herausgeben von Kontodaten.
    Ich hatte meinen ersten Tag vor mir und mich gut vorbereitet, damit ich ein flüssiges Gespräch führen konnte. Meinen Kopf hatte ich mit Fakten gefüttert und meinen überzeugendsten Blick aufgesetzt und so schaffte ich es, mit jeder Stunde, die anbrach, einen neuen Spender zu gewinnen.
    Als ich ein halbes Jahr lang Spender gesammelt hatte, wurde ich zum Teamleiter befördert und durfte mein eigenes Team zusammenstellen und ausbilden. Also zog ich los und sah mich in der Innenstadt von Köln nach selbstbewussten Jugendlichen um, die Interesse daran haben könnten, für die Ziele der Kunden meiner Agentur zu arbeiten. Nach ein paar Wochen hatte ich schon ein kleines Team auf die Beine gestellt, das sich sehr gut entwickelte. Zu der Ausbildung, die jedes Teammitglied erhielt, gehörte die ständige Begleitung der Schichten, die im Vier-Stunden-Takt durch den Tag rollten. Immer wieder den Gesprächen zu lauschen, das Team zu beobachten, die voranschreitenden Entwicklungen zu sehen und den Spaß zu spüren, der sich im Team breit machte, motivierten mich, meine Arbeit weiterhin mit großer Begeisterung auszuführen.

    Die wichtigsten Eigenschaften, die man als Werber mitbringen sollte, sind natürlich Selbstsicherheit, Überzeugungskraft und den Spaß am menschlichen Miteinander. Neben den spontanen Argumenten, die aus jeder Situation geboren werden und allen Gesprächen den gewissen Pfiff verleihen, gibt es natürlich Fakten, die immer auf den Tisch gebracht werden können, damit der potenzielle Spender endgültig überzeugt werden kann.

    Trotz Allem mischen sich aber immer mal wieder schwarze Schafe unter die friedlichen Wollknäuel und verderben den Ruf derer, die so hart an sich gearbeitet haben. Auf der sicheren Seite ist man meistens, wenn man die vorgestellte Organisation bereits kennt, oder Siegel vorgewiesen werden können, die eine Organisation als eine Instanz auszeichnen, die es versteht mit den Gewinnen richtig umzugehen. Außerdem sollte man darauf achten, dass im Falle einer dauerhaften Spende, diese ohne Mindestlaufzeit und Fristen beendet werden kann.

    Also, falls ihr demnächst mal einem Fundraiser über den Weg lauft, hört euch einfach mal an, was er zu sagen hat. Seid dabei aber auch kritisch, und hinterfragt seine Gedanken und Beweggründe. Genauso wichtig ist es aber auch, dieser Sache mit Offenheit zu begegnen. Wenn er seinen Job gut macht, dann sollte er es schaffen, euch noch ein kleines bisschen mehr für den Umweltschutz zu begeistern.

Kommentare

8 Kommentare
  • Rattenbaby
    Rattenbaby das würde ich auch gerne machen. gibt es sowas auch in münchen??
    21. Januar 2010
  • Janine
    Janine Hey Rattenbaby! Wie ich dir schon geschrieben hab, hat unsere Agentur momentan keine Filiale in München.. Bleib aber mal darn, vielleicht kommt da ja bald was. Ich melde mich jedenfalls, wenn ich was höre! ;)
    Lieben Gruß!
    Janine
    21. Januar 2010
  • LushandPeace
    LushandPeace Super Text! Wie ich aus deinem Text heraushoere, hast du auch mal als Fundraiser bei WWF gerbeitet ? Ich habe mich dafuer beworben und demnaechst steht das Bewerbungsgespraech an... hast du vielleicht einige Tipps fuer mich? Sollte ich mich schon vorher i...  mehr
    12. Februar 2011
  • Janine
    Janine Danke! :o) Und schau mal in deinen Posteingang! ;o)
    19. Februar 2011