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Was ist das denn? Guerilla Gardening!

  • Sie haben die häßlichen Ecken ihrer Stadt im Blick, die betonierten Plätze und grauen Verkehrsinseln. Meist schlagen sie nachts zu. Unangemeldet durchqueren sie die Straßen mit Spaten und Schaufeln und fallen über die trostlosen Parkplätze und Kreuzungen her. Was sie tun, ist verboten - aber alles andere als gefährlich. Denn sie wollen gärtnern. Botanik statt Beton - das nennt sich Guerilla-Gardening.

    altFür manche der Guerilleros ist das heimliche Pflanzen von Blumen eine neue Form zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum. Für andere einfach eine nette Art, die Innenstadt aufzuhübschen. "Letztes Jahr war ich Teil einer großen Blumenzwiebel-Pflanzaktion in Glasgow", erzählt zum Beispiel Michael, der dieses Ergebnisfoto auf der Fotoplattform Flickr eingestellt hat. "Unzählige Krokusse haben wir über die Stadt verteilt. Und einige Osterglocken kommen jetzt ebenfalls ans Tageslicht."

    altEine andere Gruppe war nachts in Gent unterwegs. "Wir haben uns den Platz am Van Eyck Schwimmbad vorgenommen. Das Stück Gras ist nun verziert mit hübschen Blumen. Sieht doch schon viel besser aus!" Die ersten "Überraschungspflanzung" kamen vor wenigen Jahren in Großbritannien auf. In London bewaffneten sich am 1. Mai 2000 ein paar Globalisierungskritiker, Anarchisten und Umweltaktivisten mit Spaten, Gartengeräten, Muttererde und Setzlingen und besetzten eine Rasenfläche direkt auf dem verkehrsreichen Parliament Square. Dort wollten sie – wie auf ihren Transparenten zu lesen war – „die Straßen zurückzuerobern“. Kurz darauf war der städtische Millimeterrasen umgepflügt und bepflanzt. Mittlerweile gibt es Guerilla-Gärtner in vielen westlichen Städten - vor allem in New York sind die Blumenfreunde aktiv.

    altDie kleine Schaufel ist längst nicht mehr das alleinige Werkzeug der Guerilleros. Für heimliche Aussaaten an belebten Plätzen werden Samenbomben ("seedbombs") genutzt. Erde, Ton und Samen werden zu Kugeln geformt und getrocknet. Die heimlichen Gärtner werfen die Samenbomben dann vom fahrenden Rad aus auf Verkehrsinseln oder lassen sie beim Spaziergang ganz unauffällig fallen. Graue Betonpfeiler oder Wände werden mit einem Gemisch aus Buttermilch und Moos bespritzt oder beschriftet. Das Moos fängt bald an, den Beton zu begrünen - Green in the City!

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    Ist Guerilla-Gardening eine ernst zu nehmernde Protestform? Was bezwecken die Pflanz-Partisanen mit der neuartigen Flower-Power?

    altManche Gruppen verbinden mit der Anordnung und Auswahl der Pflanzen durchaus eine politische Aussage. Hierzu gehören beispielsweise das Aussäen von Blumensamen in Form eines Friedensymbols, das Anpflanzen von Reis oder Getreide in öffentlichen Grünanlagen oder das 'Zerpflanzen' von Golfplätzen mit Dornbüschen, aber auch das Stören von Gentechnik-Freilandversuchen durch heimliches Zwischensäen von natürlichen Pflanzen.

    altAndere Guerillagärtner haben sich inzwischen zu urbanen Landwirten weiterentwickelt. Statt im Kapuzenpulli bei Nacht und Nebel S-Bahn-Stationen zu beackern, verwandeln sie ganz selbstbewusst städtische Brachflächen in kleine Gemüsebeete - so wie diese Guerilla-Gruppe aus Calgary. Hier vermischt sich eine Protesthaltung gegen die Agrarindustrie mit dem Wunsch, sich eigenständig in der City versorgen zu können. Von der illegalen Gemüsezucht auf fremden Grundstücken bis zum wilden Reisanbau zwischen Wolkenkratzern, von der organisierten Sprossenzucht auf Wohnhausdächern bis gar zum komplett angelegten Biotop im Hinterhof - die Pflanzenfreunde wollen eine lebenswertere, grünere Stadt schaffen.

    altGeht das denn mit rechten Dingen zu? Nur wer eine Genehmigung der Stadt hat, darf auf öffentlichen Plätzen etwas anpflanzen. Werden aber Botanik-Aktivisten auf frischer Tat ertappt, ist die Polizei eher irgendetwas zwischen irritiert und amüsiert. Jedenfalls dürfen die Blumenfreunde in den meisten Fällen friedlich weiterarbeiten.

    Wer hätte das gedacht? Jugendliche, die Gartenarbeit wieder cool finden... Kein bisschen spießig? "Nein, durch unser soziales Engagement wollen wir diese trostlose Gegend hier verschönern", sagt ein junger Wildgärtner, der im Hamburger Schanzenviertel ein paar Primeln eingräbt, und dabei seinen Namen nicht nennen möchte. "Es macht Spaß, ist irgendwie cool und sieht schön aus."

     

    Fotos (in der Reihenfolge):
    Guerilla-Gärtnerin Emily auf der Suche nach neuen Freiflächen, Montreal © Diane Boyer (Flickr)
    Krokus-Aktion in Glasgow © twistyfolfdy_net (Flickr)
    Nacht-Bepflanzung © ubrayj02 (Flickr)
    Guerilla-Gärtner in Aktion © Grant Neufeld (Flickr)
    Illegaler gelber Farbklecks am Parkplatz © Jens Hofman Hansen (Flickr)
    Mini-Landwirtschaft in der Innenstadt von Calgary © Wikipedia
    Grüße vom Blumenaktivist © ubrayj02 (Flickr)

    Quellen: http://www.art-magazin.de/szene/5486/ und http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla_Gardening

Kommentare

10 Kommentare
  • MonaLisa
    MonaLisa das ist echt ne coole aktion!
    ich habs erst von meiner freundin erfahren, die das auch macht^^
    2. Mai 2010
  • Asti
    Asti Höre ich heute auch zum erstenmal!! Ich finde es genial!Beide Daumen hoch!!
    2. Mai 2010
  • Stefan1990
    Stefan1990 Ich musste über die \"illegale Gemüsezucht\" lachen. Echt coole Aktion ;-) Weiter so
    4. Mai 2010
  • LeLe
    LeLe echt interessant!!
    8. Mai 2010