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Ostseepipeline: WWF erzielt Erfolge für den Umweltschutz

  • Hartnäckigkeit zahlt sich aus – nicht zum ersten Mal hat sich diese Strategie des WWF bewährt.
    In den Verhandlungen mit Nord Stream, dem Betreiber der geplanten Ostseepipeline, erzielten WWF und BUND gemeinsam gute Erfolge für mehr Umweltschutz.

    „Die Verhandlungen sind in den vergangenen Wochen sehr konstruktiv geführt worden“, sagte ein Vertreter des Erdgaskonzerns. „Wir haben ein gemeinsames Interesse, den Schutz des Ökosystems Ostsee zu verbessern. Dieses Ziel wurde erreicht.“
    Da ist er einer Meinung mit Jochen Lamp, Leiter des Ostseebüros des WWF Deutschland: „Die Einigung ist ein bahnbrechender Erfolg für den Schutz der Ostsee“.

    Die erzielten Vereinbarungen mit Nord Stream sind unter anderem:

    - Das Material, das beim Ausbaggern anfällt, wird nicht einfach ins Meer gekippt, sondern an Land gebracht und dort zum Beispiel als Baumaterial verwendet. So wird unnötige Meeresverschmutzung vermieden.

    - Mit den ansässigen Fischern am Greifswalder Bodden vereinbarte Nord Stream eine um 10 Tage verkürzte Heringsfangzeit. Für den Verdienstausfall der Fischer kommt der Konzern auf. Nach dem strengen Winter ist das eine gute Erholungsmöglichkeit für den Heringsbestand.

    - Zusätzlich zu den Mindestauflagen der Behörden werden nun Naturschutzmaßnahmen im Wert von zehn Millionen Euro beim Bau der Pipeline realisiert.

    - Nord Stream garantiert finanzielle Mittel bereit für noch nicht vorhersehbare Umweltschäden.

    - Zusätzliche Untersuchungen und ein besseres Überwachungsverfahren wurden vereinbart, um zu sehen, wie Wassertrübung und Ökosystem auf das Projekt reagieren.

    - Als Ausgleich für die Umweltschäden der Pipeline werden rund 1000 Hektar Naturschutzfläche eingerichtet. Das Unternehmen trägt die Kosten für 35 Jahre – das ermöglicht die Umsetzung vieler sinnvoller Naturschutzprojekte an der Ostseeküste.


    Im Gegenzug zu den vielen erreichten Verbesserungen stellen BUND und WWF das Rechtsverfahren gegen den Bau der Pipeline ein. Der Weg ist also nun endgültig frei für die 1220km lange Erdgastransportstrecke. Am russischen Ende eröffnete man bereits am 09. April feierlich den Start der Bauarbeiten. Eine Woche später begann auch hier in Deutschland der Bau des ersten Streckenabschnitts. Zuerst auf dem Land, dann im Greifswalder Bodden wird gebaggert, werden Stützfeiler eingerammt und zuletzt die gigantischen Rohre verlegt.

    Diese Grafik zeigt den geplanten Verlauf der Ostseepipeline sowie das Netz der schon vorhandenen Transportwege - ganz schön viele, wie ich finde.

     

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    Ab 2012 soll das erste Erdgas aus Russland durch diese neue Pipeline geliefert werden. Sie soll Deutschlands Versorgung mit Erdgas sicherer und unabhängiger von den Transitländern machen. Fragt sich nur, ob der Preis dafür nicht doch ein wenig hoch ist, vor allem da auch Erdgas eine begrenzte Ressource ist.

    Der WWF jedenfalls wird sich weiter einmischen und auf den Naturschutz bei diesem gigantischen Projekt pochen. Nord Stream zeigte sich aber zuversichtlich, dass man die Verhandlungen in zwei Monaten abschließen könne.

     

    Quellen:
    http://www.wwf.de/presse/details/news/aufatmen_fuer_die_ostsee/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nord_Stream
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/ostseepipeline100.html
    http://www.nord-stream.com/de/press0/press-releases/press-release/article/nord-stream-and-german-environment-groups-reach-agreement.html?tx_ttnews[backPid]=24&cHash=7519667fb2


    Bild: Wikipedia, Titelbild: Pressefoto von Nord Stream
     

Kommentare

1 Kommentar
  • nera8
    nera8 Das ist doch mal ein super Erfolg! Es wäre zwar immer noch besser, wenn es die Pipeline gar nicht erst gäbe, aber das hier zeigt doch, dass sich Umweltschutz und Wirtschaft durch Kompromisse auf beiden Seiten vereinen lassen =)
    28. April 2010