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Der Klimawandel ist keine "Lüge" - er ist eine Gefahr!

  • Ab und zu erreichen uns Emails von Menschen, die behaupten, den vom Menschen gemachten Klimawandel gäbe es gar nicht. Der WWF, die Regierungen, Wissenschaftler, Medien und viele andere Umweltorganisationen würden eine so genannte "Klimalüge“ verbreiten. Warum sollte sich eine Spendenorganisation mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln um ein Problem kümmern, das es nach Ansicht dieser Menschen gar nicht gibt? Die verblüffende Antwort der Bedenkenträger: Sie vermuten hinter dem Panda tatsächlich eine große verschwörerische Geheimorganisation, die die Menschen regelrecht hypnotisiert, um mehr Spenden zu bekommen. Aha…

    Was ist das für eine Gruppe, und was verbirgt sich hinter ihren Vorwürfen? Selber nennen sie sich gerne "Klimaskeptiker“ oder "Klimarealisten“. Das klingt, als würden ihre Meinungen auf rationalen, wissenschaftlich begründeten Argumenten beruhen, während Umwelt- und Klimaschützer einem irrationalen Glauben anhängen. Leider ist es gerade umgekehrt. Der vom Menschen gemachte Klimawandel ist weder eine Erfindung, noch eine Lüge, sondern eine sehr reale Gefahr für unseren Planeten und das menschliche Leben. Und diese Ansicht stammt nicht vom WWF, sondern beruht auf Jahrzehnten wissenschaftlicher Forschung.

    Doch warum gibt es eigentlich so viel Wirbel um das Thema Klimawandel? Es gibt eine ganze Reihe von Themen, die erstens wissenschaftlichen Ursprungs sind und zweitens politische Dimension haben - die Forschung zum Klimawandel gehört dazu. Kennzeichen von Politik und Wissenschaft ist immer, dass beide umstritten sind. Schlussfolgerungen aus der Forschung und Konsequenzen in der Politik berühren unser Leben. Gegenläufige Interessen prallen so oft aufeinander.

    Hinzu kommt, dass Klimaschutz - wenn er ernst genommen wird - uns alle betrifft. Vom kleinen Bürger bis zum großen Unternehmen sind alle von den Veränderungen betroffen. Und nicht alle verändern sich und ihr Leben gerne. Insbesondere, wenn sie mit einem Geschäftsmodell Geld verdienen, dass auf dem Ausstoß von CO2 basiert - z.B. durch den Abbau von Kohle oder das Bauen von Autos mit Verbrennungsmotoren. Kein Wunder also, dass es viele gibt, denen es schwer fällt, die Gefahr des Klimawandels zu akzeptieren. Denn sie verdienen Geld damit, ihn zu befeuern - wenn auch nicht unbedingt absichtlich.

    Ist ja auch kein Drama, denn eine hundertprozentige Übereinstimmung wird es nie geben und wäre in einer modernen Gesellschaft ohnehin eher ein beunruhigender Zustand.

    Mindestens so beunruhigend ist jedoch das Niveau der Argumente, mit denen das Märchen von der Klimalüge verbreitet wird. Schnell wird - als handele es sich gar nicht mehr um Klimaforschung - die Frage gestellt: Glaubst Du an den Klimawandel? Bist Du auch schon Teil dieser Klimareligion? Als ob es bisher keine klaren Anzeichen, sondern lediglich mystische Hinweise gäbe, die man ernst nehmen kann oder eben auch nicht. Gerne werden klimaskeptische Beiträge mit pathetischen Sätzen geschmückt, die megaüberzeugend wirken sollen - nach dem Motto "Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind.“ Tja, was will man schon darauf antworten?

    Es stimmt natürlich: Der WWF will so viele Menschen wie möglich überzeugen, dass der menschengemachte (also zu den natürlichen Klimaschwankungen hinzukommende) Treibhauseffekt gebremst werden muss - das dürfte jedem klar sein, da wir eine Umweltschutzorganisation sind. Überzeugen wollen ist aber nicht das gleiche wie Brainwashing - wie es manche Klimaskeptiker den Klimaschützern vorwerfen. Wir akzeptieren andere Meinungen, aber wir haben auch unsere, und die stützt sich auf die Aussagen zahlreicher kompetenter und unabhängiger Wissenschaftler. Warum wollen wir also die Menschen überzeugen? Weil uns das Leben der Menschen und der Zustand der Natur auch in Zukunft wichtig ist.

    Schon seit dem 19. Jahrhundert ist belegt, dass CO2 eine maßgebliche Rolle für den Treibhauseffekt in der Atmosphäre spielt. Seitdem haben sich unsere Kenntnisse über den Treibhauseffekt und darüber, wie der Mensch diesen durch die Verbrennung fossiler Energien verstärkt, konstant verbessert.

    Das gesammelte wissenschaftliche Wissen wird alle fünf Jahre vom so genannten "Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) zusammengetragen und aktualisiert. Das IPCC ist ein Gremium der Vereinten Nationen, in Deutschland oft "Weltklimarat“ genannt. Der letzte Bericht erschien 2007 und pushte das Thema - endlich! - auf die globale politische Tagesordnung. Denn darin stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung schon um mindestens 0,74 Grad Celsius erhöht hat und diese Zunahme mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ auf den Menschen zurückzuführen ist.

    Zu den Berichten des Weltklimarates tragen tausende weltweit anerkannte Forscher ihre Ergebnisse bei, die wiederum von anderen Forschern vor der Veröffentlichung überprüft werden. Dies nennt sich „peer review“-Prozess und dient dazu, möglichst viele Fehler zu vermeiden. Anfang des Jahres 2010 wurden zwar eine Handvoll Fehler in dem Bericht entdeckt - der Bericht umfasste übrigens rund 3000 Seiten. Die Grundaussage der Berichte - dass es einem vom Menschen gemachten Klimawandel gibt und dieser massive Veränderungen für unseren Planeten bedeutet, wenn wir den Ausstoß von Treibhausgasen nicht drosseln - konnte dadurch nicht untergraben werden. Von einer „Klimalüge“ kann keine Rede sein.

    Das Thema der so genannten „Klimalüge“ kocht immer mal wieder hoch - je nachdem, ob den Medien gerade wieder eine Story fehlt. Klimaskeptiker berufen sich dann auf die Aussagen von Personen, die in den meisten Fällen politisch, wirtschaftlich, religiös oder ökonomisch motiviert sind und den Klimawandel leugnen wollen, um Klimaschutzanstrengungen zu bremsen. Dabei werden Quellen aus dem Zusammenhang gerissen oder die NASA, irgendwelche Institute oder der Weltklimarat IPCC selbst bruchstückhaft zitiert, nur um glaubhaft zu machen, dass der von Menschen verursachte Klimawandel gar nicht stattfindet.

    Tatsächlich aber erleben wir ein Umweltproblem, dass die gesamte Erde verändert. Seit dem Aufschwung der industriellen Revolution seit Mitte des 19. Jahrhunderts starteten wir ein gigantisches Experiment mit unserem Planeten. Denn seither produzieren wir zusätzliche Treibhausgase, die sich in der Atmosphäre anreichern und dort noch mehr Sonnenwärme zurückhalten. Auf diese Weise heizen wir unseren Planeten zusätzlich auf - wie ein Gewächshaus in der Mittagshitze, dessen Gläser dicker werden und immer mehr Wärme zurückhalten. Das ist der so genannte anthropogene Treibhauseffekt. Welche Auswirkungen das für Mensch und Natur hat, haben wir in unserem Themenspecial Klima zusammengefasst.


    Zu den Argumenten der Klimaskeptiker gibt es bereits Gegenargumente:

    Hier eine kleine Auswahl an Links, in denen die Thesen der „Klimaleugner“ widerlegt werden:

    > Das Umweltbundesamt hat eine gut strukturierte Liste mit Antworten zu klimaskeptischen Argumenten zusammengestellt.

    > Warum Klimafoschung kompliziert ist und 100%ige Prognosen nicht möglich sind, fasst ein Beitrag der DW sehr gut zusammen.

    > Zu den Argumenten gegen der „Klimaleugner“ antwortet hier Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

    > Professor Hans Joachim Schellnhuber ist Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung schreibt hier mit anderen Autoren in der ZEIT, warum die Argumente der "Skeptiker“ falsch sind und es schon im Sinne eine guten Zukunftsvorsorge Sinn macht, dass Deutschland sich für den Klimaschutz einsetzt.

    > Eine weitere gute Zusammenstellung an Argumenten gegen 'Klima-Mythen' gibt es beim GEO-Magazin.

    > Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist kürzlich in die Kritik geraten. Hier die WWF-Erklärung zu fehlerhaften Informationen zur Gletscherschmelze im Himalaja und zur Arbeit des IPCC.

    > Wer behauptet, der Klimawandel finde jetzt noch gar nicht statt, kann gerne unsere "Klimazeugen" fragen. Dieses WWF-Projekt macht sichtbar, dass wir bereits jetzt erste Auswirkungen spüren.

    Diese Links bieten nur einen kleinen Ausschnitt - wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt auch andere Seiten, Berichte und Studien der diversen Forschungseinrichtungen und Umweltorganisationen anschauen. Der WWF ist ausschließlich verantwortlich für die Aussagen auf seinen eigenen Internetseiten und Publikationen.


    Wer den Klimaschutz bremsen will, sollte sich gut überlegen, ob er das späteren Generationen gegenüber verantworten möchte.
    Denn sie sind es, die mit unseren Fehlern werden leben müssen. Wir sollten nicht weiter Zeit verlieren, sondern endlich handeln - jeder persönlich sowie die Wirtschaft, Industrie und die Politik!

    Es ist möglich, dass Deutschland in absehbarer Zeit seine Emissionen auf nahezu null senken kann, ohne dabei Wirtschaft, Entwicklung und Energieversorgung zu gefährden. Das zeigt der WWF in seiner Studie "Modell Deutschland", die du hier abrufen kannst.

    Klimaschutz ist also keine Frage des Glaubens, sondern des Handels. Wir wollen mit Euch dafür kämpfen - seid ihr dabei?
     

Kommentare

10 Kommentare
  • Maide
    Maide Hey Marcel!
    Ich glaub\' mal, dass du ebenfalls eine Nachricht von jemandem aus der Community (dessen Namen ich jetzt lieber nicht erwähne) bekommen hast, der ebenfalls fest der Meinung ist, der Klimawandel sei eine Lüge, was als Anstoß zum Verfassen diese...  mehr
    22. April 2010
  • Taki
    Taki Hallo Marcel,

    was Maide Dich Fragt kann ich mir nur anschließen, würdest Du uns mal eine Erklärung posten
    23. April 2010
  • Marcel
    Marcel @Maide und Taki: Wir beim WWF bekommen gelegentlich aus den unterschiedlichsten Richtungen klimaskeptische Anfeindungen. Ist zwar nicht wild, aber ich hab mir zusammen mit unserem Klimateam überlegt, dass wir hier in der Community einfach mal eine gute Zu...  mehr
    23. April 2010
  • Marcel
    Marcel Zur Frage, wie es sich mit dem Meeresspiegelanstieg infolge der Erderwärmung verhält: Ja, der Klimawandel führt zu einer Erhöhung des Meeresspiegels - und zwar aus zwei Gründen. Erstens nimmt das Volumen des Meerwassers durch seine Erwärmung zu, da Wasser...  mehr
    23. April 2010