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Türchen 18

  • Fridays For Future, die Menschen in unserer Bubble, einige Wissenschaftler und inzwischen sogar die ersten Zeitungen reden ständig von einer Klimakrise.  Aber was ist das eigentlich? Und kann man da etwas gegen tun?

    Zumindest die zweite Frage haben Luisa Neubauer und Alexander Repenning mit ihrem neuen Buch scheinbar beantwortet.  Schließlich heißt es ja schon „Vom Ende der Klimakrise“ und der Untertitel verspricht „Eine Geschichte unserer Zukunft“. Also alles gut?

    Nun ja. Fast.

    Wenn man das Buch aufschlägt, und ins Inhaltsverzeichnis guckt, dann schlägt einem schonmal die erste Ernüchterung entgegen. Kapitel wie „Unsere Zukunft ist eine Dystopie“, „Die Menschheit hat eine Deadline“ oder „Eine wissenschaftlich fundierte Angst vor der Zukunft“, klingen irgendwie gar nicht mehr so hoffnungsvoll, wie der Titel.

    Und dieses Gefühl zieht sich durch das gesamte Buch. Das Buch ist nämlich nicht zwangsweise als direkte Handlungsanweisung geschrieben, wie wir unsere Zukunft retten können, zumindest nicht im ersten Teil. Aber gucken wir uns das mal genauer an.

    Ich würde das Buch in drei Teile einteilen: Der erste Teil ist eine Einleitung. In diesen ersten 3 Kapiteln geht es um den aktuellen Stand der Wissenschaft, um die Auslöser der Krise und um die großen Probleme, bei der Überwindung eben dieser. Das vierte Kapitel („Uns fehlt eine Utopie“) zeigt gut auf, was wir jetzt ändern müssen, wie wir unser Denken und unser politisches Handeln anpassen müssen, um dieser Krise entgegen zu treten. Diese Kapitel sind nicht sonderlich hoffnungsvoll, sondern setzten eher eine Grundstimmung für das Buch. Und diese Grundstimmung ist eben wie es sich für die Klimakrise gehört: Ziemlich niedergedrückt, mit einem Funken Hoffnung.

     

    Der zweite Teil des Buches ist der vielleicht wichtigste. Denn nachdem immer wieder alle über die „Klimakrise“ sprechen, wird in den nächsten 6 Kapiteln sehr deutlich gemacht, dass diese „Klimakrise“ eine Art Sammelkrise ist. Die Klimakrise ist „keine individuelle Krise“, sondern vielmehr „eine Verantwortungskrise“, „eine Kommunikationskrise“, „eine Krise des fossilen Kapitalismus“, „eine Wohlstandkrise“ und „eine Gerechtigkeitskrise“.
    Die jeweiligen Kapitel sind alle sehr ähnlich aufgebaut. Wie schon im ganzen Buch zuvor bekommt man in kleinen Einschüben ein paar persönliche Erfahrungen. Zu Beginn des Buches häufiger aus Sicht von Luisa, später vermehrt auch von Alexander. Gerade Luisas Einblicke erzählen eine weitere Geschichte, innerhalb des Buches. Die Geschichte von Fridays For Future, den politischen Diskussionen in Deutschland und Eindrücken hinter den Kulissen.

    Vor allem haben diese Einschübe aber einen direkten Bezug zu dem Thema des Kapitels. Diese Einschübe spiegeln den aktuellen Stand der Zeit sehr oft sehr gut wider und führen direkt in die Leitfrage des Kapitels ein. Und dann gibt es Hintergrund Informationen. Diese Informationen sind sehr verständlich und gestützt über wissenschaftliche Aussagen und persönliche Gespräche mit Wissenschaftler*innen. Insgesamt findet man in dem Buch über 200 Referenzen und im Schnitt 16 pro Kapitel. Die Informationen, die ihr mit dem Buch bekommt, sind also gut belegt.

    Nur: Es sind vor allem auch Informationen, darüber, wie es gerade aussieht. Jedes der Krisen Kapitel erklärt erst einmal ziemlich gut und deutlich das Problem. Wir sind mitten in einer Krise und diese Krise zieht sich über eine weite Anzahl an verschiedenen Gesellschaftsbereichen. Es wird klar: Wollen wir diese Krise irgendwie in den Griff bekommen, dann müssen wir weit mehr machen, als nur Erneuerbare Energien fördern und einen Preis auf CO2 setzten.

    Nach dem man dann einen ziemlich guten Eindruck bekommen hat, was gerade alles schiefläuft, stellt das Buch verschiedene Ansätze vor. Es werden Konsequenzen gezogen und Möglichkeiten vorgestellt, wie man theoretisch etwas dagegen machen kann. Auch kommen immer wieder kleinere positive Beispiele mit rein, wo das alles schon mal geklappt hat, aber vor allem geht es um das Aufzeigen von Lösungsansätzen. Auch hier findet man wieder Verlinkungen zu wissenschaftlichen Arbeiten, ganz nach dem Motto: Die Profis haben schon Lösungen. Jetzt liegt es an uns, diese umzusetzen.

    Dabei kommt immer wieder auf, dass das eben kein „wir machen das mal eben so“ ist, sondern anstrengend:

    „Wir stehen vor der Aufgabe, einen massiven Umbau unserer Energie- Mobilitäts- und Produktionsinfrastrukturen zu organisieren. Dafür braucht es nicht nur Konzepte, sonden auch Geld. Das muss irgendwo herkommen. Und gerecht wäre es, wenn das insbesondere auch diejenigen zahlen, die vom nicht-nachhaltigen Status quo besonders profitieren.
    Wir erwähnen das aber auch, weil uns bewusst werden muss, dass wir einen gerechten Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft bis 2050 kaum schaffen werden, ohne die Frage nach der Finanzierung frühzeitig zu stellen“ (Kapitel 9.6: Die neue soziale Frage)

    Die Frage nach dem Umbau, nach der Finanzierung, nach Gleichberechtigung und sozialem Ausgleich wird gestellt, und Vorschläge für Antworten werden gegeben. Aber es bleibt bei den theoretischen Konzepten und dem Aufruf, dass etwas verändert werden muss.

     
    Damit wir es dann auch richtig machen und es nächstes mal nicht kaputt geht...

     

    Im dritten Teil des Buches geht es schließlich um eben jenes „Ende der Klimakrise“. Um eine Art Handlungsanweisung für die Zukunft. Darum, wie wir diese Krise noch in den Griff bekommen. Und hier bezieht sich Krise vor allem auf die Handlungsunfähigkeit (der Regierung). Nach dem in den vorherigen Kapiteln eindrücklich und viel über Probleme geredet wird, geht es in den letzten drei Kapiteln nun tatsächlich darum, wie man diese Krise in den Griff bekommt.

    Wie in dem Buch etwas früher erklärt wird, geht es dabei nicht um die 50 Dinge, die ihr bei euch individuell verändern müsst, oder sowas. Es geht schlicht um gesellschaftlichen Wandel. Und da sehen Luisa und Alexander grob drei Schritte: „Informiert euch!“, „Fangt an zu träumen!“ und „Organisiert euch!“. Diese drei Felder werden zum Abschluss erläutert, und es werden einem mehr oder weniger konkrete Handlungsaufforderungen gegeben. Eine Toolbox für den Widerstand.

     
    So. Jetzt ist aber genug rumgesessen, jetzt aufstehen und loslegen

     

    Das ist es, was dieses Buch ist. Eine Toolbox für den Widerstand.

    Es geht nicht darum, einen konkreten Fahrplan aufzustellen, wie wir diese Klimakrise beenden können.

    Es geht nicht darum, ein optimistisches Bild von der Zukunft zu malen.

    Es geht um Möglichkeiten. Direkt am Anfang, fordern Luisa und Alexander uns auf, Possibilist*innen zu sein. Es wird Jakob von Uexküll zitiert, der sagt: „Der Possibilist sieht die Möglichkeiten, und es hängt von jedem von uns ab, ob sie verwirklicht werden“.
    Weiter heißt es in dem Buch: „Es ist unbequem, Possibilist*in zu sein, es ist anstrengend, anzupacken.“

    Das Buch dient als „Kraftquelle“ und „Handlungswerkzeug“ und es liegt nun an uns, die aufgezeigten Möglichkeiten zu nutzen und umzusetzen. Und dann ist das vielleicht tatsächlich der Anfang „Vom Ende der Klimakrise“.

     

     

    Das Buch „Vom Anfang der Klimakrise“ von Luisa Neubauer und Alexander Repenning ist im Tropen Verlag erschienen und kostet 18€. Vielleicht ist das ja für euch eine gute Antwort auf die Frage: „Was wünschst du dir zu Weihnachten“ ????

     

    Was das Buch aufzeigt, und was auch dieses Jahr deutlich gezeigt hat, ist, dass ein einfaches demonstrieren nicht mehr reicht. Gesellschaftlichen Wandel bekommt man am besten durchgesetzt, wenn man aus der Gesellschaft Druck macht, aber wenn dann auch in der Politik etwas geschieht.
    Daher ist mein Neujahresvorsatz an euch: Werdet politisch aktiver. Schreibt euren Bundestagsabgeordneten öfters mal eine E-Mail. Ruft im Bundestag an, unterschreibt weiter Petitionen, aber geht auch zu Bürgersprechstunden und sucht den direkten Kontakt. Wir brauchen mehr direkten politischen Druck. Aber vor allem: Geht weiter demonstrieren und habt weiterhin Spaß bei dem, was ihr macht!

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