Berichte

Empört Euch

  • Cambridge Analytica, das Gendersternchen und 2220 Anschläge auf Flüchtling. Und all das hat irgendwie was mit dem Klimawandel zu tun. Oder doch nicht?

    In meinen vielen Jahren als Umweltschützer, sowie nach einigen Gesprächen mit Freunden, Bekannten und Mitarbeiter*innen, stelle ich immer wieder fest, dass es eine “Ökoblase” gibt. Menschen in dieser Ökoblase sind meist von der Außenwelt abgeschnitten und haben wenig bis gar keinen Kontakt zu Menschen außerhalb dieser Blase. Dieses Phänomen betrifft sehr viele gesellschaftliche Gruppen und wird durch eine zunehmende Digitalisierung wahrscheinlich noch verstärkt. Jede*r bekommt nur das zu sehen, was die eigene Meinung unterstützt. Dass dies aus verschiedenen Gesichtspunkten problematisch ist, muss ich euch ja nicht sagen.

    Oder vielleicht doch.

    Denn genau darum geht es in dem Artikel. Unsere Gesellschaft, unser digitales Leben und alles um uns herum steht vor vielen Herausforderungen. Und leider reden die Menschen darüber kaum. Um das zu zeigen, ein einfaches Beispiel:

    Habt ihr Facebook? Oder Instagram? Oder Whatsapp? Wenn ja, habt ihr euch mal die Datenschutzverordnung durchgelesen?
    Wie ist das mit Politik? Wann habt ihr euch das letzte mal für Politik eingesetzt? Für den Erhalt unserer Demokratie? Für höhere Wahlbeteiligung oder differenziertere Wahlprogramme?
    Ist wahrscheinlich eine lange Zeit her. Und das ist ein Problem. Denn es gibt Sachen, über die wir uns deutlich mehr aufregen sollten als wir es bisher tun. Und warum, das gucken wir uns jetzt mal genauer an.
    Fangen wir mit Facebook und Cambridge Analytica an. Die groben Züge kennt ihr sicher, Facebook hat Daten weitergegeben, diese Daten wurden von einem Institut benutzt um Prognosen zu erstellen, welche (eventuell) dazu verwendet wurden, Wahlausgänge in den USA zugunsten Trumps und in den UK zugunsten des Brexit zu beeinflussen. Alles illegal? Vielleicht ein wenig, aber im Grunde habt ihr dem zugestimmt. So in etwa steht das nämlich bei Facebook drin. Mit den Daten”schutz”verordnungen bei Facebook stimmt ihr einer Menge Sachen

    Beispielsweise einer integrierten Gesichtserkennung, dem Sammeln, Speichern und Verarbeiten all eurer Daten zu jeden Zeitpunkt und über verschieden Dienste und Geräte hinweg, einer kompletten Überwachung und dem Recht, euch nach Belieben manipulieren zu dürfen. Nennt sich dann "Forschung und Innovation für soziale Zwecke" (Datenrichtlinie von Facebook) und ist klar erlaubt. Zu dem werden eure Daten “anonymisiert” weitergegeben, aber es will ja auch keiner wissen, wie die Leute heißen. Wichtig ist nur, wen eine Gruppe an Personen wählt, was sie gerne Essen, und ich welchem Stadtgebiet die wohnen. Und all das wird weitergegeben. Als anonymisierte durchschnittliche Werte. Auch dem stimmt ihr zu. Aber da ist noch mehr.

     

    Denn selbst wenn ihr nicht bei Facebook seit, haben die trotzdem eure Daten. Durch sogenannte Plug-Ins auf Websites kann Facebook alle Daten von euch mitlesen.
    Und Facebook ist damit wirklich nicht alleine. Google sammelt nochmal deutlich mehr Daten, aber eigentlich sammeln alle. Und wir lassen das über uns ergehen. Es ist nicht so, als würde uns das gefallen, wir haben nur einfach keine Lust etwas zu ändern.
    Wenn wir durch eine neue Grundverordnung plötzlich von allen Anbietern Emails bekommen, nutzen wir das nicht, um mal zu reflektieren, ob wir diesen Schrott überhaupt brauchen, sondern nur dazu uns zu beschweren. Wir beschweren uns leidenschaftlich gerne. Dabei gibt es für eigentlich alles irgendwelche Alternativen. Man muss nur mal gucken, welche.

    Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wer welche Daten von uns hat, und was damit gemacht wird. Denn eins ist klar. Anonymisiert hin oder her, unsere Daten können dazu benutzt werden, uns zu manipulieren, ohne dass wir das wirklich mitbekommen.

    Wenn ein Dienst kostenlos ist, dann liegt das daran, dass du mit deinen Daten bezahlst. Punkt. Und das sollte uns wirklich mehr stören, als es tut. Gerade in Deutschland scheinen die Menschen nicht gerne zu handeln. Dem Aufruf #DeleteFacebook folgten nur sehr wenige. Die allermeisten taten nichts. Okay, sie haben vielleicht einen #DeleteFacebook Text gepostet, oder geliked, oder geshared. Vielleicht haben Sie auch Facebook gelöscht, aber doch nicht Instagram, da sind doch immer diese netten Filme. Und aus WhatsApp raus geht ja gar nicht. Wie soll man denn dann kommunizieren?

    All das ist Bullshit. Man kann ohne Facebook leben, man kann auch leicht ohne Whatsapp leben. Ich benutze viel Telegram, Signal (beide kostenlos) und Threema (einmalig 3€). Alle haben Vor- und Nachteile. Aber es sind auch alles Alternativen zu Whatsapp.

         

     

    Telegram, Signal und Threema sind nur einige Alternativen zu WhatsApp

     

    Bei Google wird das schon deutlich schwerer, denn sobald man ein Android Handy hat, ist man tatsächlich davon abhängig. Selbstverständlich kann man alle Berechtigungen deaktivieren, aber dadurch gefährdet man die grundlegenden Funktionen des Handys. Und auch Apps gibt es bei Alternativen kaum. Vor allem so wichtige Kommunikationsapplikationen wie Signal oder Threema. Und SMS schreibt heutzutage ja sowieso keiner mehr.

    Und doch kann man versuchen, so wenig Google wie möglich zu nutzen. Es gibt für viele Sachen Alternativen. Nur hat man dann statt einem Dienst plötzlich ganz viele. Und das ist vor allem eins: unpraktisch. Fast so unpraktisch, wie immer darauf achten zu müssen möglichst wenig Plastik zu kaufen…

    Fotografiert in Berlin

    Aber selbst wenn man nicht auf Google Suche oder Google Docs verzichten will, kann man trotzdem ein bisschen etwas gegen den Datenwahn machen. Man kann zum Beispiel bei seinem Handy den Google Diensten so viele Erlaubnisse wie möglich sperren. Und wie wäre es mal mit einem "Mach mal NICHT, Google". Übrigens kann man mit Suchmaschinen wie ECOSIA nicht nur genauso gut suchen wie mit Google, man unterstützt sogar konkrete Umweltprojekte.

    Ich habe hier Facebook und Google rausgegriffen, da ein Großteil der Sachen, die wir täglich im Internet machen auf diese beiden Firmen zurückzuführen sind. Aber nur, weil etwas gesellschaftlich akzeptiert ist, heißt das noch lange nicht, dass das richtig ist. Wir müssen damit anfangen uns zu wehren. Und das heißt: So weit wie möglich aussteigen und den Rest der Nutzung runterfahren. Und: Immer die Kontrolle behalten.

    Hier also eine kurze Anleitung:

    Facebook und Instagram löschen:

    Über Hilfe nach “Account löschen” suchen. Dann kommt viel blabla aber auch ein “Sag uns warum”. Da müsst ihr drauf klicken und euch dann durch die ganzen Sachen klicken. Tipp: Bei der Frage, warum man aufhören will einfach mal “Datenschutzbedenken” angeben.

    WhatsApp könnt ihr einfach löschen. Ich würde euch aber empfehlen, vorher eine Broadcast nachricht an eure Freunde zu schicken, mit denen ihr in Kontakt bleiben wollt, und dort den Downloadlink zu eurem jetzigen Messenger angeben und hoffen, dass der dann auch runter geladen wird.
    Danach einfach auf Account Löschen. Das geht wenigstens ein bisschen besser (Tipp: Bei Grund wieder “Datenschutzbedenken” angeben) als bei Facebook und Insta.

    Bei Google kann man versuchen auf Alternativen umzusteigen, so gut es geht:

    Suche zum Beispiel mit Ecosia (ecosia.org)
    Statt Google Docs zum Beispiel Etherpad.net.
    Youtube durch MyVideo oder was auch immer ersetzen. Oder einfach mal keine Katzenvideos mehr gucken, sondern produktiv sein :P
    Wenn ihr ein Android Handy habt, könnt Ihr den (Google) Apps nahezu jede Erlaubnis entziehen. Dadurch funktioniert euer Handy nicht schlechter. Und auch in den Allgemeinen Googleeinstellungen könnt ihr sehr viel abstellen.

    Und dann die Kontrolle behalten und wissen, was Google weiß.

    Auf takeout.google.com könnt ihr ein “Archiv” anfordern, dann seht ihr mal was Google wirklich weiß. Das dauert ein wenig, kommt aber auch darauf an, was ihr alles habt und wie viel Daten Google hat.

    Generell sollte man bei allen Anwendungen ganz genau überlegen, ob man das braucht und wofür die Angaben wichtig sind. Also guckt mal durch eure Mails und überlegt nochmal, welche Newsletter ihr wirklich braucht, und wer welche Daten von euch hat.

    Immerhin hat man es mit der neuen DSGVO etwas einfacher, den Überblick zu behalten.

    Die Screenshots sind beide von der Facebook Datenrichtline. Hier könnt ihr die nochmal nachlesen.

     

     

Kommentare

3 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr mh, guter Artikel, über die Hintergründe und Datensammelwut sollte man sich wirklich bewusst sein. Und ja - ohne Instagramm, WhatsApp und Facebook leben geht sehr gut und vielleicht sogar entspannter als mit ;-)
  • Anticap
    Anticap Gute Frage Johanna, aber generell finde ich, dass diese Formen nur die Macht haben, die wir Ihnen geben. Wenn die Menschen, die sich sonst über alles aufregen den Messenger wechseln würden, hätte man dort auch alle Funktionen, die wir an WhatsApp so schät...  mehr
  • Blackforest
    Blackforest Im Prinzip ein guter Artikel, da er die Leute wachrütteln kann. Ich finde die Argumentation "ihr habt dem doch zugestimmt" ein wenig schwach. Manche Klauseln in den AGBs von facebook und Co. sind eigentlich illegal oder mindestens rechtlich frag...  mehr
    Mi. um 15:32