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Flauschiges 2°Campus Gespräch

  • “Ding Dong”. Es klingelt an der Tür. Eigentlich wollten wir gerade „Eine unbequeme Wahrheit“ schauen, aber so muss ich doch noch einmal aufstehen. Etwas genervt öffne ich die Tür. Niemand steht davor, nur ein Topf mit Bambus steht auf den Stufen. Etwas irritiert blicke ich darauf und nehme ihn schließlich hoch. „Panda?“ schießt es mir durch den Kopf. „Doch wo mag der nur sein? An Weihnachten hatte er sich schließlich einfach aus dem Staub gemacht, obwohl er vorher versprochen hatte bis Silvester zu bleiben.“

    „Panda? Hey – Bambus zählt nicht als Entschuldigung, du musst deine Nase schon einmal hier hereinstecken!“, rufe ich.

    Neben der Regenrinne höre ich etwas rascheln:

    „Na gut“ ertönt seine Stimme dahinter, „Tut mir ja leid“. Er kommt näher und sieht mich mit strahlenden Augen an.

    „Aber es gibt so tolle Projekte dort draußen! Ich hatte mir „Tomorrow“ angeschaut – das lag auf deinem Schreibtisch und einige der Projekte musste ich mir selbst anschauen. Das war einfach pandastisch!“

    Ich nehme ihn erst einmal in den Arm, da kann ich ihm nicht länger böse sein – eigentlich konnte ich das noch nie. Julius hat uns anscheinend gehört und kommt auch zur Tür. „Du schon wieder!“ neckt er den Panda, doch auch er kann sich vor der flauschigen Umarmung nicht retten.

    Und so landen wir doch wieder mit dem Panda auf dem Sofa, der sofort unsere vegane Osterschokolade verspeist.

    „Hört mal“, meint er schließlich – vollkommen voll Schokolade, aber glücklich und ignorierend, dass wir ihn etwas entgeistert anschauen. Bei unserem letzten Treffen hatte er so gemäßigt und erwachsen gewirkt… „Wart ihr nicht vorletzte Woche beim 2°Campus? Wie war denn das? Gibt es einen neuen Jahrgang an Weltrettern?“

     (c) Julius Strack

    „Die TeilnehmerInnen waren toll und sind motiviert und voller Ideen in den ersten Block gestartet“, meine ich „Am Ende der Woche waren sie bereits ein gutes Team, das nun in die Vorbereitung vom zweiten Block startet. Auf wwf-jugend.de wird außerdem jede Woche ein Artikel von unserem neuen 2°Campus-Redaktionsteam kommen.“

    Die Augen des Pandas leuchten. Dann wird er nachdenklich „Haben die denn da überhaupt schon genug Ahnung für?“

    Ich blicke ihn irritiert an: „1. Jedes Community Mitglied kann Artikel schreiben. Egal, ob das nun über eigene Erfahrungen, Tipps zu nachhaltigem Verhalten, Infos zu Umweltproblemen oder mögliche Lösungen ist. Ich selbst habe über das Redaktionsteam vom 2°Campus angefangen, Artikel zu schreiben. 2. Das ist eine Gruppe hochmotivierter Jugendlicher, die einen fantastischen Redaktionsplan erstellt haben und ein paar Tipps an die Hand bekommen haben, wie ein solcher Artikel geschrieben werden kann. Die werden dann vom Kommunikationsteam verbreitet. Hast du schon den Gemeinschaftsartikel über den ersten Block gelesen? Streng dich an, damit du mit der Qualität der Beiträge mithalten kannst.“

    Julius fügt hinzu „Am zweiten Tag gab es außerdem schon eine Menge Input. Die sind alle längst keine Neulinge mehr. Und sogar Jörg Andreas Krüger aus dem Vorstand hat sich Zeit genommen, alle zu begrüßen.“

    Der Panda wirkt überzeugt. „Und was meinte der so?“, fragt er. „Er hat allen empfohlen, in den ausführlichen Living Planet Report auf Englisch zu schauen, um einen Einblick in die Arbeit des WWF zu bekommen.“, meine ich „Als Change Agent versucht er beispielsweise über Vogelstimmenexkursionen eine persönliche Ebene im Gespräch mit Politikern zu schaffen, um sie anschließend von den Zielen des WWF zu überzeugen. Die Herausforderung dabei ist, das kurzfristige Denken der Wirtschaftsebene mit langfristigem nachhaltigen Denken zu verknüpfen. Im WWF schätzt er die Vielfalt der Lösungsansätze in globalen Meetings. Außerdem ist mir während seinen Erzählungen klar geworden, dass unter Lobbyarbeit nicht nur die schlechte Lobbyarbeit z.B. von der Öl- und Autoindustrie fällt, sondern auch wertvolle Überzeugungsarbeit wie vom WWF. Dabei ist nur wichtig, dass diese transparent ist.“

    „Und was wissen die alle schon so zum Klimawandel?“, fragt der Panda weiter. „Danach gab’s ja noch den Vortrag von Pro. Latif“, ergänzt Julius „Obwohl der Zug zuerst ausgefallen ist und die Live-Übertragung des Vortrags in Klassenräume Premiere hatte, hat letztendlich alles funktioniert“.

    „Er hat herausgestellt, dass wir im Bezug auf dem Klimawandel eigentlich kein Erkenntnisproblem mehr haben, sondern ein Handlungsproblem. Schon 1896 gab es eine erste wissenschaftliche Arbeit von Svante Arrhenius zum Einfluss von Kohlensäure auf die Bodentemperatur, die die Erwärmung relativ genau vorhersagte. 1957 sprach Roger Revelle bereits „von einem groß angelegten geophysikalischen Experiment“ in Bezug auf den Ausstoß von Treibhausgasen“, fasse ich meinen Eindruck vom Vortrag zusammen.

    (c) Julius Strack

    „Wir können das Klimaproblem nicht lösen, wenn wir es separiert von der Übernutzung der Erde betrachten. Wäre die Zunahme der CO2 Konzentration direkter am Himmel sichtbarer, würde die gesamte Menschheit garantiert schon entschlossener reagieren“, fügt Julius hinzu.

    Der Panda rümpft die Nase. „Der ganze Himmel würde sich immer brauner färben“, meint er. „Vielleicht wäre das sogar besser um die Klimakrise aufzuhalten“

    „Vielleicht – doch viele Auswirkungen können wir jetzt schon sehen, wie zum Beispiel die Gletscherschmelze, und andere können Modelle der Klimawissenschaftler voraussagen. Die große Unbekannte in diesen Szenarien ist jedoch immer unser Verhalten. Doch auch, wenn beispielsweise nicht klar ist, wann genau einige Kipppunkte im Klima erreicht werden, sollten wir es nicht darauf ankommen lassen, sondern das Vorsorgeprinzip walten lassen. Das war auch Prof. Latif wichtig“, ergänze ich. „Wenn du mehr zu den Klimafakten aus dem Vortrag wissen willst, kannst du dir diesen Artikel von Cosima aus meinem 2°Campus Jahrgang einmal durchlesen“, sage ich und halte ihm das Tablet hin.

     (c) Julius Strack

    „Am Ende hat er gezeigt, dass er nicht nur über Klimaschutz redet, sondern auch selbst danach handelt. Obwohl die Zeit ziemlich knapp war, um zurück zum Bahnhof zu kommen, hat er das Angebot für ein Taxi abgelehnt und ist zu Fuß gelaufen. Das war ziemlich stark!“, meint Julius

    „Ui, das ist cool!“, der Panda ist beeindruckt „Nächstes Jahr versuche ich auch mal zu kommen – gibt’s denn da auch was zu futtern?“

    „Klar, und nach Suppe und leckeren Häppchen ging es dann auch schon weiter“, erzähle ich. „Dann gab es noch einen kurzen Input von Viviane Raddatz zur WWF Strategie zum Kohleausstieg. Für meine Kleingruppe drehte sich danach wieder alles weiter um Essen: Wir sind in die Küche vom WWF gegangen, wo Kerstin und Tanja mit uns gekocht haben und uns über Nachhaltigkeit beim Essen informiert haben. Am besten du isst einfach möglichst wenig tierische Produkte, saisonal, regional und bio und achtest darauf, dass möglichst wenig weggeschmissen wird. Dann kannst du auch da nicht viel falsch machen“

    (c) Julius Strack

    Schuldbewusst blickt der Panda auf seinen Bambustopf, an dessen Blättern er knabbert. „Ups“, zerknirscht blickt er hoch „immerhin pflanzlich, bio und ohne Lebensmittelverschwendung“, verteidigt er sich.

     „Und während Johanna mit Adrian und ein paar von den Frischlingen für uns gekocht haben, waren wir anderen auch fleißig unterwegs. Einige von uns haben sich das Lastenfahrrad-Projekt von der TU angeschaut, die versuchen in ihrem Kiez die Paketlieferungen nur durch Lastenfahrräder zu bewältigen. Die beliefern schon den Bioladen im Kiez und entwickeln das noch weiter. Ich war mit ein paar anderen beim Futurium am Hauptbahnhof, eine Ausstellungshalle für Zukunftsideen, die erst in einem Jahr offiziell eröffnet. Trotzdem konnte der 2°Campus eine Führung mit dem Architekten durch das Gebäude bekommen. Wir bekamen eine Einführung in das Heiz- und Kühlsystem, bei dem der Phasenübergang von Wachs dazu benutzt wird, die Temperatur zu regulieren.“

    „Der was macht was??“ fragt der Panda irritiert.

    „Das funktioniert ähnlich wie ein Taschenwärmer. Wenn man da das kleine Metallplättchen knickt, wird die Flüssigkeit fest und das Ding wird warm. Und wenn man das dann in kochendes Wasser tut, wird der Inhalt wieder flüssig. Irgendwie haben die das hinbekommen, dass die mit dem Prinzip die Temperatur im gesamten Gebäude regulieren können. Und auch das Licht ist ferngesteuert. Wenn das Gebäude eröffnet ist, werden die einzelnen LEDs mit einem Bewegungssensor gekoppelt und du hast nur da Licht, wo Leute lang gehen.“

    „Das ist cool!“

    (c) Julius Strack

     „Allerdings. So wie das gesamte Gebäude. Ende Mai kann man übrigens schon mal rein schnuppern, dann ist sozusagen Testbetrieb. Aber nach dieser doch etwas anstrengenden Führung ging es für uns über Umwege zurück zum WWF. Da die meisten Frischlinge zum ersten Mal in Berlin waren, gab es von Simon noch eine schnelle Berlin Tour über den Bundestag und das Brandenburger Tor zurück zum WWF, wo es dann das Essen gab.“

    „Essen klingt gut. Was habt ihr eigentlich gekocht?“, fragt der Panda und wendet sich wieder zu mir.

    „Es gab Fächerkartoffeln, Bratlinge, Salat und Dip – anscheinend hat’s allen geschmeckt“, antworte ich. Ich blicke auf die Uhr – langsam wird es spät. Guckst du mit uns „Eine unbequeme Wahrheit“?

    Er nickt und kuschelt sich an uns dran. Gebannt folgt er den Worten von Al Gore…

     (c) Julius Strack

    Danke an Jennifer und Ivonne für die 2°Campus Organisation, an alle ReferentInnen für ihre informativen Vorträge und motivierenden Worte, an die neuen JuniormentorInnen für ihre Unterstützung und an alle TeilnehmerInnen für ihre Begeisterung und interessante Gespräche.

    Diesen Artikel haben JohannaK und ich (JuliusS) zusammen geschrieben.

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