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Kinder können am besten die Welt retten

  • (c): pixaby

    60.000 Menschen unterschrieben im letzten Monat eine Petition für die Beschließung eines Klimaschutzgesetzes im Bundestag. Aufgerufen wurde dazu von der Bewegung Parents for Future, also Eltern, die den wöchentlichen Schulstreik der Schüler*innen unterstützen und zum Bild der Klimabewegung beitragen wollen.

    Aber hätten sich nicht schon viel eher viele Erwachsene für das Klima stark machen können? Warum setzen sich viele Eltern erst jetzt auch politisch für die Zukunft ihrer Kinder ein?

    Die Lösung liegt auf der Hand: weil ihre Kinder es ihnen gesagt und vorgemacht haben.

    So ähnlich begann auch der Aktivismus von Greta Thunberg. Der Nachrichtenzeitung Guardian erzählte sie: „Nach einiger Zeit haben sie (die Eltern) angefangen, mir tatsächlich zuzuhören. Da habe ich gemerkt, dass ich etwas verändern kann.“

    (“After a while, they started listening to what I actually said. That’s when I realized I could make a difference.”)

    Wie gut Kinder Einfluss auf ihre Eltern nehmen können, wird aktuell auch auf verschiedenen Ebenen erforscht. Zuletzt erschien am 6. Mai ein Paper von Wissenschaftler*innen aus North Carolina in Nature Climate Change:

    Kinder können danach leichter mit kontroversen Themen auf ihre Eltern zugehen und sie damit konfrontieren, ohne sofort abgewimmelt zu werden, da sie keine tief verwurzelten Ideologien wiederspiegeln. Eltern haben keine Vorurteile gegenüber ihren Kindern im Gegensatz vielleicht wie zu Politiker*innen oder erwachsenen Aktivist*innen.

    Außerdem besteht natürlich eine viel emotionalere Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern. Sie kümmern sich viel eher um ihre Gedanken und Sorgen.

    Untersucht wurde das Ganze, indem getestet wurde, welchen Einfluss eine Projektarbeit mit 10-14jährigen zum Thema Klimawandel auf sie und auch auf ihre Eltern hat. Und die Annahme hat sich bestätigt. Die Eltern fingen an, das Problem Klimawandel ernster zu nehmen. Der größte Effekt wurde bei Vätern und Konservativen Eltern beobachtet. Und es waren mehr Mädchen, die ihre Eltern stark beeinflussen konnten.

    Danielle Lawson, die Hauptautorin des Papers sagte dazu:

    “Dieses Modell des generationsübergreifenden Lernens bietet einen doppelten Nutzen. Es bereitet die Kinder auf ihre Zukunft vor, da sie sich mit der Hauptlast der Klimaerwärmung befassen müssen. Gleichzeitig stärkt es sie, zu einer Verbesserung des Problems beizutragen, weil es ihnen die Möglichkeit gibt, Gespräche mit älteren Generationen zu führen. Diese Gespräche bringen uns zusammen, um gemeinsam am Klimawandel zu arbeiten.“

    (“This model of intergenerational learning provides a dual benefit. [It prepares] kids for the future since they’re going to deal with the brunt of climate change’s impact. And it empowers them to help make a difference on the issue now by providing them a structure to have conversations with older generations to bring us together to work on climate change.”)

    Untersucht wurden auch verschiedene Unterrichtsmethoden. Am effektreichsten war es, wenn Eltern dazu eingeladen wurden, nachhaltige Projekte draußen zu besuchen und den Klimawandel nicht direkt anzusprechen, sondern die Kinder ihre Eltern interviewen zu lassen. Das waren Fragen wie: Wie haben Sie gesehen, wie sich das Wetter verändert hat? Haben Sie jemals den Anstieg des Meeresspiegels gesehen? Ziel war es dabei, eine ideologische Neutralität zu schaffen, damit sich Erwachsene ohne politische Vorbehalte mit der Klimaerwärmung und Umweltproblemen beschäftigen. Die Idee der Wissenschaftler*innen hat funktioniert.

     (c): Ralf Lotys (Sicherlich) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de ohne Änderung

    Überraschend? Vielleicht nicht unbedingt. Auch ich kann mich gut daran erinnern, wie meine Mama angefangen hat, mehr Bio-Produkte zu kaufen und sich für unverpackte Lebensmittel zu interessieren, als auch ich anfing, mehr Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil zu legen.

    Aber die Untersuchungen zeigen für mich nochmal viel eher, wie viel Kinder in ihrem eigenen Umfeld bewirken können, auch wenn sie das womöglich nicht wahrnehmen. Es ist ein Weckruf, diese Stärke zu nutzen und die Welt zu verbessern. Und auch ein Dankeschön an die Menschen, die gerade Kindern versuchen, unsere Natur und den Klimawandel näher zu bringen.

     

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    Quellen:

    https://www.scientificamerican.com/article/children-change-their-parents-minds-about-climate-change/

    https://www.nature.com/articles/s41558-019-0463-3

    https://parentsforfuture.de/petition/

     

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