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Umweltschutz in Italien - (k)ein Thema hier?

  • Italien. Klingt erstmal nicht weit, da ist der Durchschnittsdeutsche ja sowieso öfter im Urlaub. Aber wenn man die 2500 km, die ich momentan von zu Hause weg bin mal nicht so eben in drei Stunden mit dem Flugzeug absolviert, sondern sie mit Auto, Zug und Fähre in über 24 Stunden hinter sich bringt, dann weiß man, wie weit man weg ist. Dann weiß man, wie groß Europa ist, auch wenn Palermo genau genommen schon auf der afrikanischen Kontinentalplatte liegt und ich mittlerweile auch schneller in Tunis als in Rom bin. Aber was mache ich hier in Siziliens Hauptstadt? Für ein Jahr leben, italienisch lernen und arbeiten. Ich bin nämlich Freiwillige und arbeite in einem Kindergarten und mit Asylsuchenden. Das soll's aber erstmal sein mit dem "Warum bin ich hier?". Wer mehr wissen will, kann ja gerne auf meinem Blog mitlesen. Denn eigentlich soll es in diesem Bericht um das Thema Umweltschutz gehen. Wie sieht das aus in Palermo? So wie man sich eine süditalienische Stadt klischeehaft vorstellt? Mit Müll auf der Straße und hungernden Straßenkatzen? Oder mit einem perfekten ÖPNV-System? Oder nimmt man hier nur das Fahrrad, weil's sowieso immer warm ist? Und Biolebensmittel überall, weil direkt vor Ort unter Siziliens Sonne angebaut? Räumen wir mal auf mit den Klischees!

    - Sizilien von seiner schönen Seite. Aber ist es auch wirklich so grün, wie es auf den ersten Blick aussieht? -

    1. Ja, Palermo ist dreckig. Das kann man einfach nicht anders sagen. Denn während wir als WWF Jugend in Deutschland immer mal wieder Müllsammelaktionen zu organisieren, um zum Beispiel Grünflächen etwas sauberer zu machen, so müsste ich wohl keine 500 Meter laufen um mehrere Müllsäcke voll zu bekommen. Traurig aber wahr, Palermo ist richtig dreckig; Müll wird am Straßenrand entsorgt und in meinem Stadtviertel gibt es auch keine Mülltrennung, andere Stadtviertel haben das, einige nicht. Das fand ich anfangs verwirrend bis mir eine meiner italienischen Arbeitskoleginnen das Stichwort "Mafia" mit auf den Weg gibt. Ach ja, da war ja was. Aber was da wirklich dran ist, weiß ich nicht genau, aber hier in der Hauptstadt der "Cosa Nostra" gut vorstellbar.

    - Leider keine Müllhalde, sondern eine ganz normale Straßenecke in Palermo -

    2. Keine öffentlichen Verkehrsmittel. Okay, nein, das stimmt so nicht. Es gibt sie schon, die Busse und ganze vier Straßenbahnlinien in einer Stadt mit über 600.000 Einwohnern. Die Busse halten aber überall, in der Innenstadt fahren sie im 5-Minuten-Takt, da gibt es Nichts zu meckern - theoretisch, denn leider halten sich die Busse nicht an ihre Fahrpläne. So ist es kein Einzelfall, dass man auf einen Bus, der alle 20 Minuten fährt schonmal eine Stunde wartet. Das nächste Problem sind die Züge. Das Bahnnetz funktioniert hier auf Sizilien nur so mäßig. Die Züge fahren selten, die Strecken sind eingleißig und die Bahnen sind langsam und immer verspätet - keine guten Gründe also, diese zu nehmen. Trotzdem machen das die Sizilianer recht häufig, es klappt also ganz gut, aber eine wirkliche Alternative zum Auto ist der öffentliche Nahverkehr hier nicht. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt:
    3. Autoverkehr. Was soll man dazu noch sagen? Nahezu jeder fährt jede Strecke hier mit dem Auto, einige Gründe stehen oben. Das führt leider dazu, dass man den Smog riechen kann. Täglich. Wenn man hier das Fenster öffnet, dann gibt es Tage an denen keine frische Luft reinkommt, sondern stinkende. Sowas wie Grenzwerte für Autoabgase scheint es nicht zu geben. Und es gibt Autos deren Abgase schwarz sind. Und das sind keine Oldtimer, nein, das sind ganz normale Autos und leider auch nicht wenige. Wenig Hoffnung gibt auch die Tatsache, dass Palermitaner meistens äußert lauffaul sind und mir für einen Weg für 800 Metern zu Fuß von Bekannten mehrfach angeboten wird, dass sie mich mit dem Auto mitnehmen, weil es ja extrem weit sei. Mein täglicher Schulweg in Deutschland war länger, diese Strecke bin ich also früher jeden Tag gelaufen.
    4. Aber ist das Fahrrad keine Alternative? Leider nein, denn es gibt kaum Fahrradwege hier um ehrlich zu nutzt das Zweirad hier kaum jemand - und wenn dann die elektrische Variante mit Akku. Aber die Struktur ist dafür auch äußert schlecht, es gibt nicht nur keine Fahrradwege, wer schonmal in Palermo war, der weiß, dass man im Straßenverkehr alle Fragen (wie zum Beispiel Vorfahrt) mit Hupen klärt. Das ist für Menschen, die an den deutschen Verkehr gewöhnt sind, zunächst etwas verwirrend, aber man gewöhnt sich dran. Als Fahrradfahrer (und da spreche ich aus eigener Erfahrung) ist man da generell im Nachteil, denn die Autofahrer hören das Klingel eben nicht.

    Okay, genug Problempunkte hier in Palermo! Es gibt nämlich auch Dinge, die Hoffnung machen.
    1. Das Leitungswasser ist trinkbar. Das war eine Sache, die ich hier nicht erwartet hätte, aber es ist überhaupt kein Problem: Das Wasser aus Palermos Zisterne ist problemlos trinkbar, man kann also getrost auf die umweltschädlichere Variante aus der Platiskflasche verzichten. Aber selbst für die Flaschen gibt es eine Lösung: Neben den Container für den Restmüll (also bzw. für allen Müll, denn wie beschrieben wird hier nicht getrennt), gibt es einen Glascontainer und daneben einen Behälter für Plastikflaschen, die meines Wissens nach auch recycelt werden. Fortschritt ist also in Sicht.
    2. Zum Abwaschen gibt's nur kaltes Wasser. Okay, das ist keine Sache, die wir uns so ausgesucht haben, das ist hier einfach so. In der Küche gibt's kein warmes Wasser. Abgewaschen wird also kalt (leider unter fließendem Wasser, weil wir keine Stöpsel haben und ich auch um ehrlich zu sein, diese bisher noch in keinem Laden gesehen habe) - geduscht hin und wieder übrigens auch, denn warmes Wasser gibt's nicht immer...
    3. Eine kleine Sache zum Tierschutz. Ja, es gibt sie hier, die Hunde und Katzen, die auf der Straße leben. Aber man sieht sie nur, wenn man es weiß, denn die Tiere sehen alle gut genährt aus. Warum? Die Menschen füttern sie hier. Und so bekommt die Straßenkatze selbstverständlich mehr als eine Mahlzeit am Tag und der Hund, der im Park lebt, hat seine Freude, wenn die Menschen ihm ein Stöckchen zuwerfen.

    Von wirklichen Bemühungen zum Umweltschutz hier, kann man aber leider dennoch nicht sprechen. Das ist schade, denn Biolebensmittel werden hier auf Sizilien sehr wohl angebaut und Nationalparks gibt's auch - aber diese erreicht man meistens nur mit dem Auto. Eine paradoxe Situation. Aber was tun? Möglichst häufig die Bahn nehmen. Seinen Müll eben nicht auf der Straße entsorgen und auch den Kindern im Kindergarten das immer wieder mitgeben. Es ist keine leichte Aufgabe, aber ich hoffe sehr, dass es wird, denn Sizilien ist viel zu schön, um voller Müll zu sein und die Umwelt ist viel zu wichtig, um ihren Schutz zu vernachlässigen.

     

    Bildquellen: Privat

Kommentare

7 Kommentare
  • Akatsuki
    Akatsuki Ich muss den Beobachtungen, welche hier gemacht wurden, leider zustimmen.Ich habe sowohl letztes jahr als auch diesen Sommer meinen Urlaub in Italien verbracht. Und auch wenn ich großteils auf einem Segelschiff war, konnte ich feststellen, dass die Städte...  mehr
    14. November
  • MagicalMe
    MagicalMe Hey!
    Nachdem ich deinen Spannenden Artikel gelesen habe, hatte ich mir überlegt, dass ich soetwas in der Art auch für Kanada machen könnte (Verbringe drei Monate in Kanada). Dementsprechend wollte ich nachfragen, ob das für dich in Ordnung wäre, wenn ich ...  mehr
    19. November
  • FranziL
    FranziL @Lisa: Natürlich kannst du auch über den Umweltschutz in Kanada schreiben. Nur weil ich einen Artikel zu Italien geschrieben habe, kann ich ja niemandem verbieten, das zu anderen Ländern auch zu tun. Und mal davon abgesehen war mein Italienartikel auch ni...  mehr
    Mo. um 11:39
  • MagicalMe
    MagicalMe Okay, dankeschön!
    Mo. um 15:27