Berichte

Artenschutzkonferenz 2010

  • Vom 13. bis zum 25 März fand die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (engl. CITES) in Doha, Katar, statt. 175 Mitgliedsstaaten diskutierten über 42 Anträge, den Schutzstatus bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu ändern.

    Unter anderem wurde dabei über diese Arten diskutiert:

    Der Blauflossenthunfisch ist infolge jahrzehntelanger Überfischung stark vom Aussterben bedroht. Trotzdem scheiterte am 18. März der Antrag Monacos für ein Handelsverbot mit 20 zu 68 Stimmen. Vor allem Fischereinationen, z.B. Chile, Venezuela, Indonesien und Namibia, aber auch Libyen sprachen sich kategorisch gegen den Schutz aus – allen voran Japan, der größte Importeur. Dank dieser Entscheidung können die stark bedrohten Bestände des Blauflossenthunfischs nun ungehindert weiter geplündert werden.

    Außerdem wurden Handelsbeschränkungen für insgesamt acht Haiarten diskutiert. Der Heringshai konnte (auch Dank der Initiative Deutschlands) unter Schutz gestellt werden. Bogenstirn-Hammerhai, Glatten Hai, Großen Hai, Sandbankhai, Düsteren Hai, Weißspitzen-Hochseehai und Dornhai hatten allerdings weniger Glück: Obwohl all diese Arten ebenfalls stark bedroht sind, wurden die Anträge für ihren Schutz abgelehnt.

    Ähnlich ging es dem Eisbären. Ein Handelsverbot hätte jedes Jahr Hunderten Tieren das Leben retten können, doch der Antrag der USA scheiterte nicht zuletzt am Widerstand der EU. Wie jeder weiß, sind die Eisbären durch den Klimawandel sowieso stark bedroht und die Jagd für den kommerziellen Handel verschärft ihre kritische Situation zusätzlich.

    Doch zumindest der Afrikanische Elefant schnitt gut ab. Tansania und Sambia hatten eigentlich beantragt die staatlichen Lagerbestände von 90.000 Kilogramm Rohelfenbein verkaufen, sowie den Schutz ihrer Elefantenbestände lockern zu dürfen. Beide Anträge wurden von der Konferenz abgelehnt.

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    Ein weiterer Erfolg ist der Schutz der letzten 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Der von der Europäischen Union eingebrachte Text war in seiner ursprünglichen Form zwar am Widerstand der Tigerverbreitungsstaaten gescheitert, doch die Verhandlungsdelegationen konnten sich zumindest auf einen Kompromiss einigen. Demnach soll die grenzübergreifende Zusammenarbeit im Kampf gegen Wilderei und Schmuggel mit Tigern verbessert werden. Einer der größten Bedrohungsfaktoren - nämlich die asiatischen Tigerfarmen - kann allerdings weiter bestehen.

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    Die Liste der Verlierer auf der Artenschutzkonferenz ist lang und der WWF ist enttäuscht. Vor allem was den Schutz der Wasserlebewesen anbelangt, hatte man sich mehr versprochen. Alle Anträge zum Schutz der Meeresbewohner sind bei den Abstimmungen durchgefallen. Volker Homes, Leiter des WWF-Artenschutz, sagt dazu: „Das ist ein Kniefall vor der Fischereilobby. Kurzfristige, wirtschaftlichen Interessen scheinen von größerer Bedeutung als das Überleben der Arten.“ Auch die Rote Koralle, von der fast nur noch kleine, nicht fortpflanzungsfähige Kolonien vorhanden sind, bleibt weiterhin der starken kommerziellen Nutzung schutzlos ausgeliefert. „Es findet ein Ausverkauf des Mittelmeeres an den Meistbietenden statt“, fasst Homes die Entscheidungen zusammen.

    Doch zum Glück gibt es auch einige wenige Gewinner der Konferenz, zu denen auch der Afrikanische Elefant und der Tiger gehören.

    Ein Grund dafür, warum viele Anträge abgelehnt wurden, obwohl dies jeglicher Vernunft und wissenschaftlichen Grundlagen zuwider spricht, sind Absprachen, die einige Länder im Vorfeld trafen. So schürte beispielsweise Japan bei einigen nordafrikanischen Staaten Besorgnis um ihre Fischereiwirtschaft und China gelang es mit Hilfe seiner Allianzen die Schließung von Tigerfarmen zu verhindern. Besonders makaber erscheint die Art, mit der die japanische Delegation die Entscheidung bezüglich des Blauflossenthunfischs feierte: Nämlich mit Sushi-Häppchen aus eben dieser hoch bedrohten Fischart.

    Die internationalen Abkommen, die auf der Vertragsstaatenkonferenz geschlossen wurden, haben übrigens keinerlei Rechtscharakter. Es ist die Aufgabe jedes einzelnen Staates, die Beschlüsse in nationales Recht umzusetzen. Manche Länder machen das vorbildlich, andere wenig bis gar nicht. Deswegen müssen Nichtregierungsorganisationen wie der WWF darauf achten, dass in den jeweiligen Ländern ein Bewusstsein für den Artenschutz entsteht und für dessen Durchsetzung sorgen.

     

    Quellen:
    http://www.n-tv.de/wissen/dossier/Versagt-verspielt-verloren-article792755.html
    http://www.prowildlife.de/CITES_CoP15
    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-03/cites-artenschutzabkommen-2
    http://www.wwf.de/presse/details/news/der_kniefall_von_doha-1/
    http://www.donaukurier.de/nachrichten/topnews/UNO-Katar-Umwelt-Tiere-Handel-Artenschutzkonferenz-laesst-bedrohte-Meeresbewohner-schutzlos;art154776,2260504

    Bilder:
    © Jürgen Freund / WWF-Canon
    © Fritz Pölking / WWF
    © Kabir Backie / WWF Greater Mekong

Kommentare

5 Kommentare
  • nera8
    nera8 Super Artikel! Aber es ist schlimm, dass wieder keine vernünftigen Abkommen getroffen. Es wundert mich vor allem die Sache mit dem Eisbären ... der ist doch geradezu DAS Symbol für den Klimawandel geworden. Ich frage mich was passieren muss, damit die kap...  mehr
    30. März 2010
  • HannaS
    HannaS Echt ein guter Artikel.

    Wie hier das Prinzip der Nachhaltigkeit mit Füßen getreten wird, ist wirklich erschreckend. \"Hauptsache, das Geld kommt jetzt rein - wenn in 10 Jahren nichts mehr da ist, haben wir wenigstens profitiert\"
    31. März 2010
  • WitchWars
    WitchWars Tja... dazu würde ich Frau Merkel und Herrn Westerwelle ja gerne mal was sagen hören. Ich meine, im Prinzip haben sie ja schon genug gesagt aber zu den Vorwürfen jetzt hier.
    5. April 2010
  • Carina
    Carina Danke für die vielen Rückmeldungen! Ich freue mich, dass mein Artikel euch so gut gefällt und teile eure Meinung voll und ganz: Mir ist schleierhaft wie man solche Entscheidungen treffen konnte. Wann werden die endlich verstehen, dass wir den Artenreichtu...  mehr
    5. April 2010