Berichte

Salat ohne Rucola - ein Leben (fast) ohne Müll

  • Wer kennt das nicht, überfüllte Mülleimer, aus denen die Verpackungen herausquellen, als handele es sich um kleine, aktive Plastik- Vulkane unter der Spüle. Ob als Kind, von Mutter mit der undankbaren Aufgabe beauftragt, den Müll runter zu bringen oder in der WG, wo Nachbars Gurkenschalen auch noch auf den riesigen Berg an Biomüll mussten und einem natürlich beim Wegbringen direkt vor der Tonne herunterflutschen.

    Müll ist den meisten ein Ekel. Trotzdem füttern wir unsere Eimer tagtäglich weiter und weiter, meist ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass wir selbst etwas dafür tun könnten, die Massen zu reduzieren. Das sollen gefälligst die Hersteller übernehmen, oder der Staat muss da etwas tun, regen sich viele auf.
    Und während sich Konsumierende und Produzierende den Ball weiter hin und her spielen, wer nun die Schuld an den Müllbergen trägt, gibt es doch tatsächlich einige, die im Jahr weniger Müll produzieren, als in ein großes Einmachglas passt.

     

     

    © wastelandrebel.com

     

    Zero Waste heißt die Bewegung, bei der Menschen darauf achten, durch ihren täglichen Konsum so wenig unverrottbaren Müll zu produzieren, wie möglich. Wie das gehen kann, zeigt zum Beispiel Shia Su, eine Bochumer Bloggerin, die zunächst nur über das Backen geschrieben hat.
    „Viele Leute sagen, man bloggt um viele Leute zu erreichen aber ich mache das eigentlich nur, weil da so viel zurückkommt.“ sagt sie. Sie hätte es ohne die Tipps, Ideen und den Beistand anderer zum Beispiel nie geschafft erst Vegetarierin, dann Veganerin zu werden. Und so kam es dann, dass sie anfing aus Interesse über das Müllvermeiden zu schreiben. Das sei dann auf ihrem Blog zum Backen ein bisschen „ausgeartet“ erzählt sie lachend, daher habe sie das Thema einem neuen Blog, wastelandrebel.com, gewidmet.

     

     

    Die „Zero- Waste- Basic Ausstattung“ für unterwegs © wastelandrebel.com


    Am Anfang habe sie mit ihrem Mann Hanno klein begonnen. Im Bioladen gab es Bambuszahnbürsten, die haben sie einfach mal ausprobieren wollen. Dann kam die Frage nach der Zahnpasta auf. In der Drogerie sucht man vergeblich nach einer Zahnpasta, die in recyclebarer Form abgefüllt ist. Also selber machen. [Auf ihrem Blog könnt ihr ein Rezept für selbstgemachte Zahnpasta finden]. Diese Kette lässt sich so weit weiterspinnen, bis man am Ende nur noch ein jährliches Müllaufkommen eines Einmachglases hat, wie in ihrem Fall. Der Plan war nie, groß oder berühmt zu werden, sondern im Kleinen das Beste aus dem zu machen, was man auch selbst in der Hand hat. Das Leben sollte nicht zum Verzicht werden, sagt sie.

     

    © instagram.com _wastelandrebel_


    Beim Bloggen ist ihr der Austausch mit ihren LeserInnen wichtig. Ihre Instagram- Posts sind alle auf Englisch verfasst. Menschen auf der ganzen Welt können so ihre Tipps und Gedanken teilen und kommentieren, außerdem ihre eigenen Erfahrungen austauschen. Leider ist es schwierig zu sagen, wie viele Menschen tatsächlich dieser Community angehören. Trotzdem, und davon ist auch Shia überzeugt, ist Social Media keine „Einbahnstraße“. Zero Waste sei eine Bereicherung für sie geworden. Von vielen Menschen bekomme sie außerdem sehr positive Rückmeldungen zu ihren Beiträgen.
    Auf die Frage, welche Auswirkungen ihr Handeln in einem größeren Umfeld haben könnte antwortet sie: Natürlich gibt es „Auswirkungen, die ich nicht direkt sehe, aber es gibt sie.“



     

    Mit jedem Einkauf den wir tätigen, egal ob im Supermarkt, im Shoppingcenter oder im Internet, entscheiden wir uns für oder gegen ein Produkt und seine Produktion. Bei Kleidung ist es uns wichtig, dass keine Kinder für das Teil arbeiten mussten, bei Elektronik, dass sie in irgendeiner Form TÜV geprüft ist, bei Lebensmitteln, dass sie bestmöglich ‚bio‘ sind. Warum fragen so viele Menschen dann nicht auch bei der Verpackung oder anderen Wegwerfartikeln noch ein Stück weiter? Zero Waste versucht genau das.
    Das Plastiknetz um die Zitronen, der Werbeflyer in der Uni, der Kassenzettel im Supermarkt. All diese und viele weitere Verpackungen, Give-Aways oder Wegwerfartikel sind weitest gehend durch nachhaltige Alternativen ersetzbar oder wegzulassen. Was im Laden noch edel und glänzend in unseren Augen leuchtet, bringt uns beim Anblick im Meer zum großen Weinen. Viele Kleinigkeiten lassen sich einfach ändern und ersetzen. Die Nachfrage generiert bekanntlich das Angebot. Sehen wir das als unsere Chance!


    Es lohnt sich also, bei uns selbst anzufangen! Denn je mehr Leute bei ihrem Konsum darauf achten, nachhaltig zu handeln, umso mehr lässt sich der Status quo verändern. Oder wie Shia das umsetzt: Solange man das Grün nur verpackt kaufen kann, gibt es bei ihr eben keinen Rucola im Salat.

     

    © pixabay.com PEXELS


    Im Internet findet ihr viele viele Tipps und Anregungen für müllfreie Alternativen im Alltag. Schaut doch mal hier:


    http://wastelandrebel.com/de/
    http://freeofwaste.de/
    http://www.zerowastehome.com/
    http://simplyzero.de/
    http://www.zerowastelifestyle.de/

     

    P.S.: Zum Ende noch ein kleiner „Geheim“-Tipp von Shia: Rucola kann man ganz prima, auch ohne einen grünen Daumen zu haben, auf dem Balkon oder der Fensterbank anpflanzen ;)

     

    Titelbild: © pixabay.com Alexas_Fotos

Kommentare

4 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Danke für diesen wirklich toll geschriebenen Bericht! ^_^

    Ich finde die Zero Waste Bewegung sehr spannend und versuche schon eine Weile, meinen Müll ebenfalls zu reduzieren (auch wenn ich noch viele volle Mülleimer von einem Einmachglas...  mehr
    20. Januar 2017
  • Sunlight
    Sunlight Danke Dir sehr für diesen spannenden Artikel meine Liebe
    20. Januar 2017
  • Gangsterhunnie
    Gangsterhunnie Wirklich ein gut gelungener Bericht! ^^
    Ich interssiere mich ebenfalls sehr für Zero Waste. @Cookie: ich bin allerdings auch noch weit entfernt von einem Einmachglas müll im Jahr...
    21. Januar 2017
  • TanjaN
    TanjaN @ Cookie: Danke erst mal für deinen Tipp mit dem Titelbild und für das Feedback- an euch beiden anderen natürlich auch

    Jein, wir haben ein Telefoninterview geführt

    Ich bin leider auch noch weit vom "Müllglas" entfernt, mittlerweile jedoch sehr...  mehr
    21. Januar 2017