Berichte

Freiwilligenarbeit Ecuador - Tierschutz im Regenwald

  • Im letzten halben Jahr habe ich als Volunteerin in drei verschiedenen Tierschutzprojekten im ecuadorianischen Amazonas-Regenwald geholfen: in einer Art Zoo namens ZooRefugio Tarqui, im Bioreservat YanaCocha und in der Tierauffangstation SachaYacu.

    In diesem Bericht möchte ich euch einen Einblick in das Leben eines Volunteers im Tierschutzprojekt SachaYacu geben.

    Weitere Berichte zu den Projekten und meinen Erlebnissen in Ecuador findet ihr auf meinem BLOG

     

    SachaYacu - "Centro de Rescate de fauna silvestre/ Wild Animal Rescue Center" ist mit einer 60-minütigen Busfahrt von der  Hauptstadt Puyo der ecuadorianischen Provinz Pastaza und einem 30-minütigen Spaziergang auf schmalen Pfaden mit steilen Abhängen zur Seite erreichbar. Die von indigenen Einheimischen gegründete Tierauffangstation befindet sich mitten im Amazonasregenwald. Es gibt keinen Strom, d.h. nur kaltes Wasser, keinen Kühlschrank und somit eine ovo-vegetarische Ernährung, kein Licht. Nur ab und zu wird für 2 Stunden zum Laden unserer Smartphones ein Generator angemacht. Bei starkem Sonnenschein lade ich Handy und Foto mit meinem Solaraufladegerät.
    SachaYacu nimmt Tiere auf, die aus illegaler Haltung befreit wurden, und versucht, diese wieder in die Natur auszuwildern; darunter Affen, Coatis (Nasenbären), Vögel, Pecaris, Schildkröten und einen Margay (verwandt mit Ozelots).

    Wir Volunteere bereiten morgens das Futter für die Tiere zu und putzen anschließend in Kleingruppen die Gehege und füttern die Tiere. Mittags kochen wir auf dem Gasherd Nudeln, Reis oder Kartoffeln mit viel Gemüse. Wenn nach dem Kochen und Essen noch Zeit bleibt, genießen wir den häufigen Sonnenschein am bzw im Pool oder in den Hängematten. Nachmittags ist die Arbeitsehr abwechslungsreich. Wir schlagen uns auf steilen Hängen durch Gestrüpp zu den Bananenpflanzen und ernten die Stauden mit Macheten - genauso Zuckerrohr. Die Papayas ernten wir durch Schütteln des hochgewachsenen dünnen Baumes oder mithilfe eines langen Stocks. Anschließend tragen wir die Ernte den steilen Kiesweg hinauf zum Feed Shed. Ernten wir sehr viel, holt der Coordinator ein Pferd, welches die Ernte transportiert. Weniger anstrengend ist das Fischen. Mit Angel und Wurm setzen wir uns an die Teiche und warten, bis ein Wurm anbeist... gar nicht so einfach! Oft arbeiten wir an einem zukünftigen Affengehege: Mit Draht binden wir Zaun zusammen, schaufeln ein "Piscina" für die Affen in den lehmigen Boden, nageln, sägen, hämmern Hütten und Leitern.
    Nach der Arbeit folgt meist eine kalte Dusche, dann wird la cena (=das Abendessen) gekocht.



    Freitags und Samstags arbeiten wir nur vormittags, Sonntags haben wir den ganzen Tag frei. Unsere Freizeit nutzen wir, um nahegelegene Städte und Dörfer zu besuchen. Mit dem Koordinator unternahmen wir eine Dschungel-Tour. So liefen wir durch dichten grünen Regenwald an einem kleinen See vorbei, balancierten über umgekippte Baumstämme, kletterten rutschige Hänge hinauf und erreichten schließlich einen Fluss. Dort war das Ufer teilweise so schlammig,  dass so mancher bis zu den Knien im Schlamm versank und nur mithilfe der anderen heraus kam. Wir liefen den Fluss entlang bis zu einem Wasserfall. Dort kletterten wir den Fels hinauf und waren komplett durchnässt. Wieder zurück - an den Holzhütten - angekommen, sprangen wir in den Pool bzw. Teich. Es war eine abenteuerliche, spaßige, aber auch anstrengende Tour. Ab und zu besuchten wir eine „comunidad“, eine Kichwa-Dorfgemeinschaft. Dort wurde Fuß- und Volleyball gespielt und es gab viel Chicha zu trinken (die Herstellung von Chicha ist nicht gerade appettlitlich ... googlet bzw ecosiert mal xD)





    Abends unternahmen wir ab und zu Nachtwanderungen in den Regenwald. Dabei sahen wir viele verschiedene Amphibien wie Frösche, Insekten, Spinnen und ein paar Reptilien wie Schlangen. In Mitte des Regenwaldes knipsten wir unsere Stirnlampen aus und lauschten den Klängen des nächtlichen Regenwaldes..zirrpende Insekten,quakende Frösche, ab und zu rufende Vögel und Affen. Zwischen den Blättern der Baumkronen funkelten Sterne am dunklen Nachthimmel hindurch. In der Schwärze des Regenwaldes schwebten warmgelbe Lichtpunkte umher - leuchtende Insekten. Oft kamen wir erst spät in der Nacht wieder zurück zum Center.

    Bei schlechtem Wetter verbrachten wir lustige Abende mit Kartenspielen, Musik und Puropuyo (günstiger Schnaps). Mit Einheimischen kochten wir typisch spanische Gerichte wie Empanadas, Tortilla oder Bananenbrot und haben sogar 100% Kakao-Schokolade mit Kakaobohnen aus eigenem ökologischem Anbau hergestellt.

    Für mich war es eine wunderschöne Zeit in Ecuador ... die 5,5 Monate vergingen viel zu schnell!

    Ich habe sogar eine Deutsche kennengelernt, die Mitglied der WWF Jugend Community ist...wie klein doch die Welt ist :D

     

Kommentare

7 Kommentare
  • FranziL
    FranziL Klingt echt mega cool! Danke, dass du uns hier von dieser Zeit berichtest! Aber warum bist nicht ein Jahr geblieben? Ich meine, das ist ja so die übliche Dauer von Freiwilligendiensten... Und wie bist du eigentlich auf diesen Dienst gestoßen?
  • SarahU
    SarahU @FranziL: Mein Wunsch war es schon länger, nach dem Abi als Freiwillige in einer Tierauffangstation im Amazonas-Regenwald zu arbeiten :) Über größere Organisationen habe ich einige Projekte gefunden...und mich schließlich für 3 Projekte in Ecuador in der ...  mehr
  • FranziL
    FranziL @Sahra: Ach so :) Ich dachte, das war so im Rahmen eines weltwärts-Dienstes :)
    Aber wie geschrieben, voll cool, dass du das gemacht hast :D
  • SOPH01IE
    SOPH01IE Wow, das klingt so spannend... nach dem Abi will ich so etwas auch auf jeden Fall machen:-)
    Mo. um 16:00