Berichte

Plastic Free July - Update nach 21 Tagen

  • 491 Euro gegen die Plastikflut, Klausurphase, unverpacktes Einkaufen und Vorbereitungen auf eine Radtour. Das war der zweite Teil meines „Plastic Free July“.

    Unsere Spendenseite auf Actionpanda

    Vor wenigen Stunden haben wir unser Spendenziel erreicht! Nachdem wir am 10. Juli erst 41€ Spenden gegen die Plastikflut gesammelt hatten, wurde heute, am 21. Juli unser Spendenziel von 430€ mit einer Spendensumme von insgesamt 491€ übertroffen! Vielen Dank an alle bisherigen Spender*innen! Durch eure Spenden zwischen 10€ und 200€ werden nun in der Mekongregion Projekte unterstützt, die die Sammlung und Verwertung von Abfällen verbessern und so zu einer starken Verringerung des Plastikeintrages in die Ozeane beitragen. 

    Eines dieser Leuchtturmprojekte ist „Long An“ (WWF Infoseite): In der Stadt Tan An wurde die Bevölkerung über Mülltrennung und Recycling aufgeklärt und es wurden Müllkarren angeschafft. Sammler*innen sind nun mit diesen Müllkarren unterwegs, in denen Kompost und Restmüll streng getrennt werden. Die Erlöse, die durch den Verkauf des Kompostes entstehen, decken einen Großteil der Müllsammel- und Entsorgungskosten. Durch den geringeren organischen Anteil im Restmüll, kann auch dieser schadstoffärmer verbrannt werden. Die strenge Trennung ermöglicht zudem, dass ein Teil des Plastiks recycelt wird und dadurch die Menge des Restmülls reduziert wird. 

    Bisher wird der Plastikmüll in dieser Region oft einfach in die Flüsse gekippt und gelangt über den Mekong schließlich in die Ozeane oder wird mit anderem Müll irgendwo verbrannt.  Deshalb ist es besonders wichtig, dass Leuchtturmprojekte, wie „Long An“ funktionieren und zum Vorbild für weitere ähnliche Müllsammlungs- und Verwertungssysteme werden. Denn „Long An“ ist bisher nur ein Modellprojekt, bei dem etwa 4500 Familien ihren Müll trennen. Mit den Spendengeldern kann dieses Projekt gesichert werden und weitere Projekte können folgen. 

    Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Spenden für diese zukunftsweisenden Projekte zusammenkommen würden und haben deshalb unser Spendenziel auf 600€ gesetzt. Dieses Ziel wollen wir gemeinsam mit euch in den nächsten 10 Tagen erreichen. Hier findet ihr unsere Spendenseite: https://actionpanda.wwf.de/Johanna-Knauf/idee1 Jeder Euro zählt! Denn durch den Modellcharakter des Projektes, kann jeder Euro durch Kettenreaktionseffekte einen großen Einfluss haben. 

     

    Meine Klausurphase und der Plastic Free July: Nachdem ich - wie im letzten Update erwähnt - leider zum Lernen auf ein paar plastikverpackte Süßigkeiten zurückgegriffen hatte, standen für mein Studium „Physik des Erdsystems“ seit dem letzten Update drei Prüfungen an, eine davon in „Klimaphysik“. Zwar ging es dort mehr um Strahlungsbilanzen und Klimamodellierung, allerdings hängt auch die Klimakrise stark mit dem Plastikproblem zusammen. 99% aller syntethischen Fasern und Kunststoffe basieren auf fossilen Rohstoffen. Die Nachfrage der petrochemischen Produkte wird laut Energieagentur bis zum Jahr 2050 die Hälfte zum Wachstum der globalen Ölnachfrage ausmachen. Zudem werden für die Exploration, Förderung, Transport und Herstellung Emissionen frei. Plastikmüll, welcher verbrannt wird, trägt dazu bei, dass Kohlenstoff der vorher in der Form fossiler Rohstoffe gebunden war, als Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und den Ozeanen das Klima anheizt. Plastik sorgt damit für 10-13% des gesamten Kohlenstoffbudgets, welches wir einhalten müssen, um das 1,5°C Limit einzuhalten. In diesen Rechnungen ist nicht enthalten, dass die Förderung und der Transport fossiler Rohstoffe und der Bau von Fabriken Ökosysteme zerstört, die als Senken fungieren. Und auch die für die Senkenfunktion des Ozeans wichtige, biologische Kohlenstoffpumpe, bei der Plankton Kohlenstoffdioxid oberflächennah bindet und in der Tiefsee wieder abgibt, könnte gestört werden.(Quelle: Plastikatlas der Böll Stiftung, S.26f)

    Das alles zusammen ist für mich ein Grund mehr, auch im Anschluss auf den „Plastic Free July" nach und nach mein Leben  plastikfreier gestalten zu wollen. 

    Ein plastikfreier Einkauf (c) Johanna Knauf

    Unverpackt einkaufen war in dieser Woche schon einfacher als im ersten Teil. Von Freund*innen konnte ich mir Gläser zusammensammeln, die ich als Gefäße für verschiedene Lebensmittel nutzen konnte. Außerdem hat sich mein „Yoghurtdefizit“ aufgelöst, weil ich festgestellt habe, dass der Unverpacktladen in Kiel Sojayogurt an der Theke in selbstmitgebrachte Gläser abfüllt. Das Größenproblem habe ich damit gelöst, dass ich die Spaghetti in einen Sack abgefüllt habe, den ich in einem Biocoop mit Unverpackt-Ecke in Frankreich einmal mitgenommen hatte. 

    Ein wiederverwendbarer Baumwollsack für trockene Lebensmittel, selbstgebackene Müsliriegel und Schokokekse.

    In den nächsten Tagen fahre ich mit Freund*innen los auf Radtour entlang der Ostseeküste. Bisher halte ich es für schwierig, mich unterwegs plastikfrei zu versorgen. Trotzdem werde ich soweit möglich weiter plastikfreie Alternativen wählen. Mit einer Freundin habe ich außerdem Schokokekse und Müsliriegel aus teils unverpackten Zutaten für die erste Etappe gebacken. Bei der Ausrüstung konnte ich zum Glück ein Zelt von einer Freundin leihen. Den neuen Schlafsack habe ich von Vaude gekauft. Dieser ist leider aus Polyester, allerdings zumindest zertifiziert nach bluesign® Standard. Ein Einsatzgebiet, in dem ich Plastik bis jetzt für unverzichtbar halte, ist für regenfeste Kleidung (Regenhose, Regenjacke), Radtaschen, Zelte, Helme und co. Dort kann die Haltbarkeit im Gegensatz zum Einsatz bei Einwegprodukten optimal genutzt werden. Da ich unterwegs nur per Hand waschen kann, ist Baumwollkleidung wegen ihres langsamen Trocknen leider unpraktisch. Als Alternative greife ich auf wenige unökologische synthetische T-Shirts in Abwechslung mit Merino-Shirts aus nachhaltig produzierter reiner Wolle zurück, die Gerüche kaum annimmt und deshalb länger getragen werden kann als ein normales Baumwollshirt. Zusammen stellt das für mich einen Kompromiss zwischen Nachhaltigkeit und Kosten dar, während die Funktionalität gewahrt wird. Mit der Radtour hoffe ich, eine nachhaltige Variante gefunden zu haben, zu reisen.

    Auch zu den Change Days werde ich mit dem Rad anreisen. Die Anmeldungen sind noch offen! Von mir könnt ihr vor Ort einen Workshop zum Schutz der Arktis besuchen. Denn diese  ist doppelt so stark von der globalen Erwärmung betroffen wie andere Regionen der Erde. Zusammen mit euch möchte ich Ideen entwickeln, wie wir die breite Öffentlichkeite und die Politik auf die Fragilität der arktischen Ökosysteme aufmerksam machen und sie zu deren Schutz motivieren können.

     

    Bei mir, Julius, lief es zugegebenermaßen noch nicht so gut. Zwischen Umzug und Ferienanfang lag der Fokus dieses Jahr mehr darauf, nichts neues zu kaufen. Und so wurden zwar weiterhin Dinge aus Plastikverpackungen gegessen, aber wenigstens haben wir versucht erst alle Reste aufzubrauchen. Dazu kommt das Problem der Familie. Letztes Jahr war ich im Juli weitestgehend alleine und konnte selbst einkaufen und entscheiden, was ich nehme. Dieses Jahr war ich viel auch bei meinen Eltern und da war die Koordination schon schwieriger. 

    Auch finanziell sieht es in diesem Jahr komplizierter aus. Durch ein Studium in England muss ich stark darauf achten, wie viel Geld ich ausgebe und für was. Und da plastikfrei meistens teurer ist, muss ich oft doch zu der eingepackten Alternative greifen. 

    Insgesamt ist mir dieses Jahr nochmal deutlicher geworden, wie stark die Entscheidung, dauerhaft plastikfrei zu leben auch und vor allem eine politische Entscheidungen ist. Denn solange Plastikverpackungen nichts kosten, und überall alles nur in Plastik verpackt ist, kann ein freiwilliges Verzichten nicht einfach ohne großen finanziellen und zeitlichen Aufwand funktionieren. Es wäre schön, wenn die plastikfrei Alternativen billiger und einfacher zugänglich wären. Und es wäre noch viel besser, wenn einzelne unnötige Plastikartikel komplett vom Markt verschwinden würden. Der Schritt der EU, einzelne Teile aus Einwegplastik zu verbieten, ist vernünftig und begrüßenswert. Nun geht es um die schnelle politische Umsetzung und Ausweitung dieser Maßnahme in Deutschland. 

    Wir werden sehen, wie sich das bis zum nächsten Jahr entwickelt. 

    Hier findet ihr unsere Spendenaktion:https://actionpanda.wwf.de/Johanna-Knauf/idee1
    Und hier sind meine bisherigen Artikel zum „Plastic Free July 2019":
    https://www.wwf-jugend.de/blogs/7705/8648/plastic-free-july-auf-ein-neues
    https://www.wwf-jugend.de/blogs/7705/8654/plastic-free-july-update-nach-9-tagen

    Was sind eure Erfahrungen in diesem Plastic Free July?

Kommentare

3 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Vielen Dank für das spannende Update, Ihr beiden! Ich freue mich total, dass Ihr Euer erstes Spendenziel sogar schon übertroffen habt und ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr auch das nächste Ziel erreicht!

    Liebe Johanna, vielen Dank für die...  mehr
    22. Juli 2019 - 2 gefällt das
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    Cookie Lieber Julius, ich kann supergut nachvollziehen, warum Dein Fokus gerade nicht komplett aus der Vermeidung von Essensverpackungen liegt. Die Lebensumstände spielen eine große Rolle bei der Plastikvermeidung. In England ist es viel schwieriger als in...  mehr
    22. Juli 2019 - 2 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr danke euch beiden für das Update!
    Ich musste grinsen, denn die sauren Würmer aus dem Unverpackt-Laden landen auch bei mir immer wieder im Glas, und meine Schokokekse sehen auch fast gleich aus ;-)
    Ich wünsche euch bei der Radtour viel Spaß!
    Super...  mehr
    25. Juli 2019