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„Plastic Free July“ - Update nach 9 Tagen

  • Waschlappen als Spültücher, Chutney kochen, Einwegplastik als Regelbruch, wenig Spenden und ganz viel Praxis statt Theorie. Das war der erste Teil meines „Plastic Free July“. 

    (c) Johanna Knauf

    Mein „Plastic Free July“ begann letzte Woche mit einer Fahrt zum Unverpacktladen Kiel mit einer Fahrradtasche voller Gläser und Dosen. Dort angekommen und das erste Mal für einen „Großeinkauf“ im Unverpacktladen freute ich mich über das erweiterte Sortiment seit ich das letzte Mal dort gewesen war. Und so wog ich meine Gläser, füllte Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Bohnen und Linsen in mitgebrachte Gläser und freute mich an der Kasse über die verhältnismäßig niedrigen Preise. 

    Zuhause angekommen verstaute ich die neu gefüllten Gläser in den frei gewordenen Fächern in meinem Küchenschrank. Dort hatte ich am Abend zuvor alle in Plastik verpackten (haltbaren) Lebensmittel, wie Müsli, Nudeln, Reis und Linsen ausgeräumt und für diesen Monat in einer „verbotenen“ Kiste verstaut. Diese Produkte mit Einwegplastik, sowie Fineliner, Sonnencremetuben und co. scannte ich zudem in die App „ReplacePlastic“ ein. „ReplacePlastik“ schickt den Herstellerfirmen nach 4 Wochen oder 20 eingegangenen Verbesserungswünschen pro Produkt eine Mail mit der Bitte, dieses Produkt mit weniger oder ohne Plastik anzubieten. 

    Die App ReplacePlastic und meine verbotene Kiste

    Als ich nachmittags spülen wollte, hielt ich inne, als ich automatisch zum Mikrofaser-Spültuch greifen wollte. Zwar sind diese mehrfach verwendbar, werden jedoch in unserer WG auch relativ häufig ausgewechselt und sind zudem eine Mikroplastikquelle in der Waschmaschine. Mangels Alternative griff ich kurzerhand zu einem meiner Waschlappen. Dieser stellte sich auch im Lauf der Woche als perfektes Spültuch heraus. Deshalb werde ich diese Veränderung auch weiter beibehalten. 

    Am nächsten Tag nahm ich unseren Schrebergarten als perfekte Basis für ein plastikfreies Leben wahr. Dort können im Moment Johannisbeeren, Kirschen und Salat komplett plastikfrei und ohne Emissionen durch Transport oder Lagerung geerntet werden. 

    Am 5. Juli folgte dann der erste „Regelbruch“: Bei einem gemeinsamen Abend mit Freunden verspeisten wir Chips und Schokolade, die in Plastik verpackt waren, und auch in den folgenden Tagen griffen wir beim Lernen manchmal zu einer bequemen, aber in Einwegplastik verpackten Variante zum Snacken. Zudem kaufte ich mir ein Französisch-Buch und Übungsheft, da ich in den nächsten Wochen mein Französisch für eine Radtour in Frankreich auffrischen möchte. Leider war der Karton, in dem alle Materialien stabil verpackt waren, in Plastik eingeschweißt. Und obwohl ein Code für den Onlinezugang zu den zugehörigen Hörverstehensübungen als MP3 dabei war, lagen auch CDs aus Plastik dabei. Warum viele Bücher und auch Spielekartons in Plastik verpackt sind, würde mich interessieren. Mir kommt es so vor als würde der Anteil dieser eingepackten Bücher und Spiele sogar zunehmen. Hat jemand von euch Ahnung von diesem Thema?

    Am Sonntag bekam ich dann über einen Freund große Mengen an geretteten Äpfeln und Tomaten, die ich inspiriert von den „Resterittern“ zu Chutney einkochte. So kann ich auch in den folgenden Wochen auf umweltfreundliche Aufstriche zurückgreifen. Leider fehlte mir beim Kochen jedoch spontan Chilli. Im nächsten Supermarkt gab es diesen leider nur in einer Plastikgewürzdose. Diese werde ich jedoch nachdem sie leer ist, mit unverpackten Gewürzen wieder auffüllen. 

    Die „Resteritter“ sind drei Studierende aus Kiel, die Obst und Gemüse vor der Tonne retten, daraus Fruchtaufstriche und Chutneys kochen und mit jedem verkauften Glas sogar noch ein Projekt unterstützen, welches benachteiligten Schulkinder ein warmes Mittagessen ermöglicht. 

    Eingekochtes Chutney und Apfelmus aus geretteten Äpfeln und Tomaten, (c) Johanna Knauf

    Zum Plastic Free July gehört für mich auch dazu, zu überlegen, ob und welche Produkte ich mir wirklich neu kaufen muss. Schließlich kommt meine Motivation aus dem Willen, meinen Ressourcenverbrauch zu senken, das Klima zu schützen und mich einem naturnahem Lebensstil anzunähern. So war ich froh, dass ich ein Zelt für die kommenden „Change Days“ und eine Radtour von einer Freundin leihen kann und mir kein neues kaufen muss. Mir fällt dabei auf, dass es mir manchmal schwerfällt, mich von der Tauschlogik unserer Gesellschaft ein Stück weit zu entfernen und Gefallen wie diese einfach anzunehmen, um dann mit der gleichen Selbstverständlichkeit auch anderen bedingungslos Gefallen zu erweisen.

    Trotz des anfänglichen Enthusiasmus unseres Umfelds, ist es Julius und mir bisher kaum gelungen, Spenden zu sammeln. Lediglich 41€ von 430€ wurden bisher erreicht. 

    Unsere Actionpanda Fundraising Seite

    Hier findet ihr den Link: https://actionpanda.wwf.de/Johanna-Knauf/idee1

     

    Alles in allem blicke ich also auf eine erkenntnisreiche Woche zurück.

    1. Im Unverpacktladen einzukaufen macht mit genügend mitgebrachten Behältnissen Spaß und ist verhältnismäßig günstig.

    2. Ich habe zu wenig Dosen und Gläser, um dauerhaft unverpackt einzukaufen und Obst und Gemüse einzukochen. Während ich mir Gläser zusammensammeln kann, muss ich mir bei größeren Dosen überlegen, ob und wo ich welche nachhaltig besorgen kann.

    3. Manchmal ist plastikfreies Leben kompliziert und ab und zu ist es okay, die bequeme Variante zu wählen und kleine „Regelbrüche“ zu begehen. Sobald sich meine Gewohnheiten weiter umgestellt haben, wird vieles einfacher werden.

    4. Waschlappen eignen sich gut als Spüllappen.

    5. Eigenes Gemüse und Obst aus dem Garten, Foodsharing und andere Quellen geretteter Lebensmittel eignen sich gut, um den eigenen Ressourcenverbrauch zu senken. 

    6. Eine Spendenaktion ist kein Selbstläufer. 

    7. Eine Klausurphase ist gleichzeitig ein sehr ungünstiger Zeitraum für eine Umstellung von Gewohnheiten, aber auch der ultimative Praxistest.

     

    Macht ihr auch beim Plastic Free July mit? Was waren eure Erkenntnisse aus den ersten Tagen?

    Euch interessiert, weshalb wir unseren Plastic Free July mit einer Spendenaktion verbunden haben? Dann könnt ihr hier mehr über das Projekt „Stopp die Plastikflut“ des WWF lesen. Hier findet ihr unsere Spendenaktion: https://actionpanda.wwf.de/Johanna-Knauf/idee1 Erzählt euren Eltern und Freund*innen von unserer Challenge und der damit verbundenen Spendenaktion, teilt die Aktion auf euren Social Media Kanälen oder spendet selbst. Auch 5€ machen schon einen großen Unterschied. Denn je mehr Menschen schon gespendet haben, desto geringer wird die Hemmschwelle für weitere Spender*innen. Zudem setzt sich auch jede noch so große Summe aus einer bestimmten Anzahl von 5€ Anteilen zusammen. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr dabei seid!

    Zum Abschluss noch eine Frage: Mein Lieblingsessen ist Ofengemüse aus Kartoffeln und Möhren mit Öl und Kräutern und dazu ein Dipp aus Sojayoghurt, Gurke, Knoblauch und Gewürzen. Leider komme ich an keinen plastikfreien Sojayoghurt und die eigene Herstellung von Yoghurt ist mir zu riskant und aufwändig. Habt ihr eine plastikfreie Alternative für einen milchfreien Dipp zu meinem Ofengemüse?

    Mein Lieblingsessen: Ofengemüse, (c) Johanna Knauf

    Hier findet ihr meinen Vorbereitungsartikel zum "Plastic Free July" in diesem Jahr.

Kommentare

7 Kommentare
  • JohannaK
    JohannaK Hier ist ein einfaches Chutneyrezept, das ihr beliebig variieren könnt:

    Zutaten:
    900g Äpfel, 300g Tomaten, 1-2 Zwiebeln, 150ml Apfelessig, 150g Zucker etwas Chilli und ein paar...  mehr
    10. Juli - 1 gefällt das
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    Cookie Vielen Dank liebe Johanna, hab ich mir sofort notiert und werde ich ganz bald ausprobieren!
    11. Juli
  • JohannaK
    JohannaK Ich war gerade nochmal im Unverpacktladen und habe dort sogar Sojayoghurt entdeckt. Der wird an der Theke aus einem großen Eimer in mitgebrachte Gläser abgefüllt.
    11. Juli - 1 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr super! :-)
    15. Juli