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Studientipp: „Physik des Erdsystems“ in Kiel

  • Meteorologie, Ozeanographie, Geophysik, Mathematik, Physik - das sind die Hauptbestandteile meines Studiengangs (Bachelor of Science), den ich euch heute gerne etwas genauer vorstellen möchte.

    Schließlich passt mein Studiengang perfekt zu meinem Interesse für die physikalischen Prozesse auf dieser Erde, insbesondere im Bezug auf Klimawandel und Klimaschutz und das wiederum zu einem Engagement in der WWF Jugend (abgesehen vom Zeitkonflikt - siehe unten).

     Eigene Zeichnung (c) Johanna Knauf

    „Physik des Erdsystems“ - Was beinhaltet das?

    Das Studium beginnt im ersten Jahr ähnlich wie ein normales Physikstudium: Mathematische Grundlagen der Physik, Mathematik und Experimentalphysik werden zusammen mit den anderen Studierenden der Physik belegt. Zusätzlich erhält man in den Einführungen in die Geophysik, die Meteorologie und die Ozeanographie einen kleinen Einblick in die Themen, die später im Studium immer mehr Raum einnehmen und für mich auch die spannenderen Module sind.

    Im zweiten Jahr geht die Spezialisierung dann etwas weiter. Neben Mathematik und Experimentalphysik wird nun ein Kurs angeboten, der uns die Programmierung und Visualisierung zur Auswertung von wissenschaftlichen Daten näher bringt. Dieser wird durch eine kleine Semesterarbeit abgeschlossen, durch die wir lernen sollen, unser bisher eher theoretisches Wissen anzuwenden. Zusätzlich können wir uns zwischen mehreren Modulen aus den Bereichen Geophysik, Geologie, Meteorologie, Ozeanographie und Klimaphysik entscheiden und je nach Interesse daraus unseren Schwerpunkt bilden.

    Im dritten und damit letzten Jahr (nach Regelstudienzeit - siehe Kommentar unten) können wir vertiefende Module aus unseren Schwerpunkten belegen. Danach folgt ein Berufspraktikum und schließlich die Bachelorarbeit. 

     Eigene Zeichnung (c) Johanna Knauf

    Eignung:

    Interesse: Um „Physik des Erdsystems“ studieren zu können, ist vor allem das Interesse für die physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre, den Ozeanen und auch im Erdinneren wichtig. Ein Studium ist viel Arbeit, deshalb ist es wichtig, Spaß und Interesse mitzubringen, um stressige Phasen zu überstehen. Vielleicht interessiert dich die Klimaforschung, die Seismologie (Lehre von Erdbeben) oder du möchtest den Wärmetransport des Ozeans verstehen. Dann bist du in diesem Studiengang richtig.

    Mathematisches Verständnis: Die ersten 3 Semester sind sehr mathematisch geprägt. Danach wird es etwas weniger. Du musst also nicht die Begeisterung eines Mathematikstudierenden für formale mathematische Beweise mitbringen, kommst allerdings auch nicht darum herum, dich mit scheinbar anwendungsfernen Themen der Mathematik beschäftigen zu müssen.  Ob Du Mathematik-Leistungskurs belegt hast oder nicht, ist vielleicht in den ersten paar Wochen des Studiums zu spüren, danach allerdings nicht mehr. Solange das Interesse da ist, ist ein fehlender Leistungskurs also nicht das Problem - vielleicht kannst du dann als Vorbereitung einen Vorkurs besuchen.

    Physikalisches Verständnis: Ähnliches wie für die Mathematik gilt für die Experimentalphysik und auch die theoretische Physik. Zwar gehören Module wie Quantenmechanik nicht zu den Pflichtmodulen, doch Mechanik, Wärmelehre und Elektromagnetismus sind auch für uns wichtig. Mit der Zeit wirst du dich hier vor allem an Differentialgleichungen gewöhnen müssen. Wenn man sich in Lerngruppen für die Übungszettel zusammenschließt, ist auch das kein großes Problem.

    Englischkenntnisse: Ein paar unserer Module werden in Englisch angeboten. Das Niveau, das du nach dem Abitur in Englisch erreicht hast, sollte dazu vollkommen ausreichen. Zusätzlich sollte die Bereitschaft da sein, Fachbücher und sonstige Publikationen auf Englisch zu lesen, da die Forschung in diesen Gebieten sehr international ist und oft überhaupt keine deutschen Publikationen zu einem Thema existieren. 

    Kooperationswille: Wer sich Physikstudierende als nerdige Einzelkämpfer*innen vorstellt, liegt falsch. In vielen Modulen müssen wöchentlich zeitaufwändige Übungszettel bearbeitet und abgegeben werden, die dann für die Zulassung zu den Klausuren benötigt werden. Ohne deine Kommiliton*innen und Abgabepartner*innen kann dieser Aufwand schnell zu viel werden. Es lohnt sich also, sich zusammen an die Übungszettel zu setzen - und nebenbei etwas Spaß dabei zu haben.

     

    Besonderheiten:

    Der Studiengang besteht pro Jahrgang aus rund 30 Studierenden und ist damit klein und persönlich. Wir kennen uns gegenseitig und es ist einfacher, in den kleineren Vorlesungen Fragen zu stellen.

    „Physik des Erdsystems“ wird in Kooperation der Uni Kiel mit dem GEOMAR (Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung) angeboten, an dem vor allem die meteorologischen und ozeangraphischen Module gelehrt werden. Damit  können wir Einblicke in die aktuelle Forschung im Bereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik bekommen und einige Hiwi-Jobs werden sogar auf den Forschungsschiffen angeboten. 

     

    Berufsaussichten (laut Studienbeschreibung): 

    Beschäftigung in Landes- und Kommunalbehörden (z.B. Bundesanstalt für Geowissenschaften, Deutscher Wetterdienst, Geophysikalischer Beratungsdienst der Bundeswehr, Bundesamt für Seeschifffahrt), Beschäftigung in der Industrie und Wirtschaft (Grundstoffindustrie, private Wetterdienste) oder Beschäftigung in Großforschungseinrichtungen, Umweltschutzeinrichtungen oder Ingenieurbüros. Die genauen Beschäftigungsmöglichkeiten hängen von der Wahl eines Masterstudiengangs ab. In Kiel werden als weiterführende Angebote „Climate Physics“ und „Geophysik“ angeboten. 

     Eigene Zeichnung (c) Johanna Knauf

    Der kleine Haken: Zeitkonflikt

    So gut Engagement in der WWF Jugend und mein Studiengang auch thematisch zusammenpassen, so schlecht lassen sie sich häufig miteinander kombinieren. Denn ein Studium ist sehr zeitaufwändig, sodass kaum Zeit und Energie übrig bleibt, um sich zusätzlich zu engagieren. Dadurch ist mein Engagement weniger planbar und konstant im Vergleich zur Schulzeit. 

     

    Kommentar Regelstudienzeit:

    Von den Bafög-Ämtern, Stipendiengebern und Verwandten wird es häufig gerne gesehen, wenn ihr in der Regelstudienzeit bleibt.  Das ist sicherlich auch nicht ganz verkehrt, allerdings möchte ich Euch hier (unabhängig vom Studiengang) dazu ermuntern, euch die Zeit für Entspannung, Sport, Treffen mit Freund*innen und Hobbys zu nehmen - auch wenn ihr dafür vielleicht das ein oder andere Modul in ein anderes Semester schieben müsst und damit länger studiert. Das Studium ist nicht nur ein trockenes Aneignen von Wissen, sondern vor allem eine Zeit der persönlichen Weiterentwicklung. Nach dem Auszug von Zuhause ist es viel Arbeit, alles Organisatorische (Einkaufen, Putzen, Waschen, Kochen, geregelte Schlafenszeiten einhalten,…) alleine hinzubekommen. Zudem möchtet ihr vielleicht Freund*innen besuchen, die in einer anderen Stadt leben, eine Partnerschaft pflegen oder einfach mal nichts tun. Das ist vollkommen okay - nehmt euch die Zeit, die ihr braucht. 

     

    Wer sich nun genauer über den Studiengang „Physik des Erdsystems" informieren möchte, findet weitere Informationen hier auf der Seite der Uni Kiel und hier auf der Seite des GEOMAR. Speziellere Fragen könnt ihr gerne in die Kommentare posten oder per PN schicken. Wenn ihr auch etwas Spanndendes mit Bezug zu Umweltschutz studiert, eine spanndende Ausbildung oder ein freiwilliges Jahr in diesem Bereich macht, würde ich mich freuen, von euren Erfahrungen in weiteren Artikeln zu lesen. 

Kommentare

3 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Danke für den Einblick in Dein Studium, mal abgesehen von dem Zeitfaktor ist das für mich als Literaturwissenschaftlerin eine ganz andere Welt. :D Deinem Hinweis zur Regelstudienzeit kann ich auf jeden Fall voll zustimmen.
    Mir gefallen Deine Zeichnungen ...  mehr
    23. November 2018 1 gefällt das
  • JohannaK
    JohannaK Ich habe eine Menge Spaß am Zeichnen. Das ist etwas, was ich neben dem Studium weiter ausprobieren möchte. Wenn du mir also 2-3 Tage vorher einfach mal mit Ideen schreibst, klappt das bestimmt ;)
    24. November 2018 2 gefällt das
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    Cookie Vielen Dank für das Angebot, da komme ich gerne mal drauf zurück :)
    24. November 2018