Berichte

Ein Unverpackt-Laden entsteht Teil 1: Die Idee

  • Schon seit vor zwei Jahren Original Unverpackt in Berlin eröffnet hat, wünsche ich mir sehnlichst, auch einen verpackungsfreien Laden in meiner Nähe zu haben. Jetzt sieht es ganz so aus, als würde dieser Traum im nächsten Frühjahr in Erfüllung gehen, denn auch in Jena ist ein Unverpackt-Laden geplant. „Jeninchen – Fröhlich Unverpackt Einkaufen“ soll er heißen und hinter der Idee steht die gelernte Lebensmittelchemikerin Kati Fröhlich. Mit ihr habe ich mich letzte Woche getroffen und wir haben uns so angeregt über den Laden, plastikfreies Leben, vegetarische Ernährung, Umweltschutz und alles, was dazu gehört, ausgetauscht, dass plötzlich zweieinhalb Stunden vergangen waren, als wir wieder auf die Uhr geschaut haben. Wir möchten euch gerne einen Einblick in die Entstehung eines Unverpackt-Ladens geben und deshalb werde ich hier nun regelmäßig darüber berichten, wie es mit „Jeninchen“ vorangeht. Heute erfahrt ihr erst mal alles über Katis Ideen für ihren Laden und wie sie darauf gekommen ist.

    (c) Anne Fröhlich

    Das Thema Müllvermeidung ist für Kati ein ganz persönliches Anliegen. Der Umweltschutz liegt ihr am Herzen und sie bemüht sich schon lange, weniger Plastik zu kaufen. Richtig bewusst befasst sie sich mit der Abfallvermeidung, seit sie vor drei Jahren ihre Stelle als Abteilungsleiterin in einem Labor aufgegeben hat, um einen Job zu finden, indem sie sich selbst verwirklichen kann. Bei Umwelt-Tauchprojekten in Asien hat sie das Ausmaß der Müllkatastrophe im Meer und die grausam an Plastikmüll verendeten Schildkröten, die wir meist nur von Bildern kennen, mit eigenen Augen gesehen.

    Wie wahrscheinlich die meisten, die versuchen, plastikfreier zu leben, kennt sie das Kopfschütteln von so manchem Verwandten und Bekannten. Für sie ist mittlerweile klar, dass man andere am ehesten vom Zero Waste Konzept überzeugt, indem man es ihnen einfach vorlebt, statt sie belehren zu wollen. Auch sollte man es mit dem Plastikverzicht ihrer Meinung nach nicht übertreiben. Nicht jeder hat die gleichen Möglichkeiten und es bringt nichts, wegen jedem Fitzelchen Plastik, das man doch einmal einkauft, ein unglaublich schlechtes Gewissen zu haben. „Wenn du dich zu viel geißelst, gibst du irgendwann auf“, bringt sie es auf den Punkt.

    (c) Kati Fröhlich

    Auf jeden Fall ist Kati engagiert, sei es beim Korallenpflanzen, beim Foodsharing oder beim Beutelnähen mit Flüchtlingen. Über diese Beutelchen entstand auch der Kontakt zur Gründerin von Louise Genießt, dem Erfurter Unverpackt-Laden. Dort hat sie als Freiwillige beim Aufbau mitgeholfen und dabei festgestellt, dass so ein Laden die Chance bietet, viele Aspekte, die ihr im Job wichtig sind, zu vereinen: Ein Beitrag zum Umweltschutz, der Kontakt zu Menschen und die Möglichkeit, diese ernährungswissenschaftlich zu beraten. Für Jena hat sie sich nicht nur entschieden, weil sie an der Stadt hängt, sondern auch, weil hier schon viel Umweltbewusstsein und Aufgeschlossenheit herrscht: „Ich glaube einfach, Jena ist die richtige Stadt für so was.“

    Und wie stellt sich Kati ihren Laden vor? Wie einen kleinen Tante-Emma-Laden, in dem man von Lebensmitteln und Getränken über Kosmetik und Zahnbürsten bis hin zum Waschmittel alles nach Bedarf abfüllen kann. Am wichtigsten ist ihr, dass die Produkte nach Möglichkeit hauptsächlich regional erzeugt werden. Auf Bioqualität legt Kathi ebenfalls wert, sofern es eben möglich ist. Sie möchte ihren Kunden Infos über die Produkte sowie Rezeptideen bieten und auch mal eher unbekannte Produkte vorstellen. Der Laden soll aber nicht nur zum verpackungsfreien Einkaufen einladen, sondern auch zum Verweilen und zur Entschleunigung. Dazu soll auch eine kleine Café-Ecke dienen. Außerdem soll „Jeninchen“ Raum für Workshops rund um Themen wie Umwelterziehung, Ernährung und Upcycling bieten.

    (c) Kati Fröhlich

    In Vorbereitung auf die Planung ihres eigenen Unverpacktladens hat Kathi einen Einführungsworkshop besucht. „Die Unverpackt-Läden helfen einander alle, das ist wie eine Gemeinschaft, da gibt es keine Konkurrenz“, erzählt sie. Trotzdem gibt es noch allerhand zu tun, bis die Jenenser völlig verpackungsfrei einkaufen können. Im Moment bereitet Kati das Crowdfunding vor, das Ende des Monats an den Start gehen soll. Dafür müssen ein Video gedreht und die Dankeschöns für die Spender zusammengetragen werden, die Kati teilweise selbst herstellt. Außerdem ist sie fleißig dabei, sich innerhalb Jenas zu vernetzen und eine Internetseite aufzubauen. Auch mit der Suche nach möglichen Lieferanten hat sie schon begonnen: Sie knüpft Kontakte mit Bauern und Kosmetikherstellern aus der Region und besucht Messen. Und dann ist da natürlich noch die Suche nach einem geeigneten Laden in Jenas Innenstadt. Aber Kathi ist mit so viel Freude und Energie bei der Sache, dass sie bestimmt auch diese Hürde meistern wird. Ich wünsche ihr dabei auf jeden Fall allen Erfolg der Welt! Wir halten euch auf dem Laufenden, wie es mit „Jeninchen – Fröhlich Unverpackt Einkaufen“ weitergeht.

    (c) Kati Fröhlich

     

    Wenn ihr Katis Engagement bis dahin schon einmal unterstützen wollt, dann gebt ihrer Facebookseite unbedingt euren blauen Daumen und verbreitet die Nachricht von Jenas erstem Unverpackt-Laden weiter!

Kommentare

5 Kommentare
  • TaraWon
    TaraWon Das hört sich ja wirklich sehr engagiert an. Diese Ladenidee ist wirklich ein sehr großer Schritt. Bin gespannt mehr darüber zu hören.:)
    17. Oktober 2016
  • RichardParker
    RichardParker Das finde ich so toll! Häufig denke ich mir im Supermarkt bei so vielen Sachen, warum muss das schichtenweise in Plastik verpackt sein. Meine Familie hat nämlich festgestellt, dass wir unsere Plastikkonsum auf ein, für uns, machbares Minimu...  mehr
    17. Oktober 2016
  • Freedom01
    Freedom01 Ich drück beide Daumen für den Laden. Super Bericht.
    19. Oktober 2016
  • regentag
    regentag Super Bericht Anne! Ich hoffe auch sehr, dass Kati ihren Traum verwirklichen kann!
    23. Oktober 2016