Berichte

Mein Changemaker Projekt: Die Öko-Trocken-Toilette

  • Was soll denn eine ökologische Toilette sein? Das habe ich mich auch gefragt, als ich das erste Mal von Kompostklos gehört habe. Nachdem ich ein bisschen darüber gelesen habe, hieß es, dass man mit diesen Toilettensystemen fruchtbare Böden gewinnen kann und dann war mein Interesse als Agrarbiologie Studentin geweckt.

     

    Für diese Öko-Klos gibt es viele Namen: Kompostklo, Trockentoilette, Trocken-Trenn-Toilette, Humustoilette, Streutoilette. Allen gemeinsam ist, dass diese Klos ohne Wasser funktionieren. Das spart nicht nur viel kostbares Trinkwasser, sondern Pflanzennährstoffe wie Stickstoff und Phosphor die von uns jeden Tag ausgeschieden werden, können von der Natur wieder genutzt werden, anstatt mit der Kanalisation verloren zu gehen. Denn der anfallende Klärschlamm wird meistens einfach verbrannt.

    Viele denken jetzt vielleicht gleich an ein stinkendes Plumpsklo aus dem Mittelalter, aber ein Plumpsklo ist kein Kompostklo! Ersteres ist gefährlich, denn es entsteht stinkende Fäulnis und der flüssige Bestandteil sickert unkompostiert in die Erde und kann Wasser verseuchen. Wie genau das zweite Klo funktioniert erfahrt ihr etwas weiter unten. - Also wieder zurück zum Öko-Klo und meinem Projekt.

     

    Beim Changemaker-Seminar im letzten März, bekam ich, durch die Workshops, Design-Thinking Aktionen und Vorträge über Veränderung, die Motivation und auch den Mut, um ein eigenes Klimaschutzprojekt auf die Beine zu stellen. Als dann auch noch ein paar andere Seminarteilnehmer das Thema Kompostklo interessant fanden, entschließ ich mich näher mit dem Thema zu beschäftigen und habe mir das Ziel gesetzt eine solche Toilette in einem Garten zu bauen. So einfach war das nicht, denn Klos sind doch ein Tabu-Thema und wer nimmt (außer vielleicht vor seiner Familie) Wörter wie "******", "Scheißen" oder "Pinkeln" in den Mund? Na gut, die Wörter spreche ich, trotz der Bearbeitung des Themas immer noch nicht oft aus, aber selbst mit den medizinischen Begriffen wie Kot und Urin habe ich am Anfang Schwierigkeiten gehabt.

    Mein Projekt bekam den Namen "Öko-Örtchen – mit Komposttoiletten Wasser sparen und für ökologische Kreisläufe sensibilisieren" und dann begann auch schon die Planung während dem Seminar und als wir alle wieder zurück waren die Durchführung.

    Die erste Phase im April lief wie am Schnürchen. Zuerst musste ich natürlich Recherchieren und Fragen klären wie: Kann man so ein Klo selbst bauen oder muss man es kaufen? Welche Varianten gibt es? Wer hat Erfahrung damit und wo ist ein Garten in den das Klo reinpasst?

    Ein Ort war zum Glück schnell gefunden, durch mein FÖJ beim BUND hatte ich noch Kontakte zu dem Gemeinschaftsgarten "BUNDter Schulgarten" in Koblenz, die gleich zustimmten, da es dort keine Toilette gab. Und auch die Recherche lief gut; viele Tipps bekam ich bei einem Telefonat mit Markus von „Goldeimer Komposttoiletten“. Das ist ein Social Business, welches mobile Kompostklos für Festivals vermietet. Er hat mir das Buch „Humanure“ empfohlen und vorgeschlagen dem Gemeinschaftsgarten verschiedene Varianten von Toilettensystemen vorzustellen. Folgende beide Klos habe ich dem BUND Koblenz zur Auswahl gestellt:

     

    Bei der einfachsten Trockenklo-Variante gibt es einen Behälter in dem die Hinterlassenschaften gesammelt werden, und nach jedem Klogang streut man saugfähiges organisches Material nach, wie z.B. Sägespäne oder Rindenmulch. Die Flüssigkeit wird aufgesaugt, was üble Gerüchte und die Bildung von giftiger Jauche verhindert. In dem Gemisch fühlen sich die Kompost-Mikroorganismen wohl und beginnen den Haufen zu vererden. Im Freien ist das eine gute Alternative zu Chemie-Toiletten. Wenn der Behälter dann voll ist kommt er auf den Komposthaufen und hat dort ein paar Jahre Zeit um zu fruchtbarer Erde zu werden.

    Für drinnen (und auch draußen) gibt es luxuriösere Öko-Klos: bei der Trocken-Trenn-Toilette wird Urin und Kot getrennt. In der Toilettenschüssel gibt es vorne ein Urinal, worin der Urin aufgefangen wird und hinten gibt es einen Behälter für den Kot. Der Urin ist bei gesunden Menschen Keimfrei und kann im Verhältnis 1:10 mit Wasser beispielsweise zum Rasendüngen verwendet werden, der Kot wird auf dem Kompost vererdet.

    Die zweite Phase, also die Planung des Toilettenbaus lief auch gut. Ich konnte bei der BUND-Jugend Versammlung Helfer aus der Nähe finden. Der Termin für den Bau an Pfingsten stand auch fest und die Kosten für die Baumaterialien übernahm der Gemeinschaftsgarten. Voller Vorfreude auf die Aktion wollte ich noch mehr Jugendliche, natürlich auch die WWF-Jugend-Community zum Bau einladen, damit möglichst viele an dem Bau beteiligt sind und es eine Art Aktionstag wird.

     

    Doch dann gab es die ersten Schwierigkeiten und alles wurde auf einmal kompliziert. Der wichtigste Stakeholder meines Projektes, Egbert, der Vorsitzende vom BUND Koblenz wollte bei dem Bau dabei sein, musste mir aber für den ganzen Mai absagen. Also suchten wir nach einem zweiten Termin, diesmal in meinen Semesterferien. Im Juni kamen dann auch noch familiäre Schwierigkeiten auf mich zu und die Organisation der letzten Phase, des Toilettenbaus wurde mir zu viel.

    Der endgültige Bau der Toilette musste dann leider ohne mich stattfinden, hat aber durch die gute Vorarbeit aller Beteiligten in mehreren „Bau-Etappen“ gut funktioniert. Das Zwischenergebnis konnte ich Anfang September begutachten, da hatte ich die Möglichkeit selbst noch Hand anzulegen und das Häuschen zu streichen.

    Ich finde es zwar schade, dass es keinen Aktionstag gab an dem die Toilette gebaut wurde. Ich bin aber sehr froh, dass die Toilette jetzt steht und ich ein Ergebnis sehen kann. Wie man oben auf dem Foto sieht gibt es noch keine Tür und ein paar Kleinigkeiten fehlen noch im Innenraum. Danach wird die Toilette benutzbar sein.

    Falls du noch mehr über mein Projekt erfahren willst ist hier ein Interview mit mir

     

    Zum Thema Nachhaltige Toiletten gibt es noch viel zu lesen. Hier sind einige links die wirklich Interessant sind, welche meinen Artikel aber gesprengt hätten:

    In vielen abgelegenen Regionen haben die Menschen überhaupt keine Toiletten und kaum Wasser zur Verfügung – diese Organisationen setzen sich dafür ein:

    Non Water Sanitation

    German Toilet Organisation

    WASH

     

    Eine wirklich tolle Doku über Klos von Quarks und Co.:

    https://www.youtube.com/watch?v=mUi6T4zb-ZE

     

    Hier gibts noch mehr Infos zu mobilen Kompostklos in Deutschland, vielleicht für deine nächste Gartenparty oder dein Lieblingsfestival? ;-)

    Goldeimer Komposttoiletten

    Eco Toiletten

     

    Fotos: WWF/A. Morascher, Privat

Kommentare

9 Kommentare
  • SophiesWelt0815
    SophiesWelt0815 Herzlichen Glückwunsch Eva!!
    Ich fand Dein Projekt auch von Anfang an total spannend und interessant.
    Es ist soo beeindruckend, dass Du trotz aller Höhen und Tiefen nicht aufgegeben hast und zu so einem wirklich schönen Ergebnis gekommen bist ;)
    4. Oktober 2016
  • Cookie
    Cookie Mit deinem Projekt hast du ein Thema angesprochen, dass wirklich ausnahmslos alle Menschen betrifft, auch wenn es oft ein Tabu-Thema ist, und das finde ich einfach klasse. Ich konnte mein Geschäft auf einer Umweltveranstaltung schon mal auf einer Gol...  mehr
    4. Oktober 2016
  • UliRike
    UliRike Super Projekt! Bin auch begeistert von diesen "Öko-KLos" und hab solche auch schon bei zwei Veranstaltungen gesehen, von "Ökolocus" :D
    4. Oktober 2016
  • Celine2Grad
    Celine2Grad Toll, das die Komposttoilette jetzt auch in Deutschland ankommt! Ich kann mir vorstellen, was für eine Arbeit das war, Respekt! Ich selbst habe ein ganzes Jahr mit einer Komposttoilette gelebt und auch verschiedene Häuser gesehen, in denen eine ...  mehr
    6. Oktober 2016