Berichte

Luchs und Wolf in der Fotofalle- das WWF Jugend Camp in der Slowakei, Teil 1/2

  • „Du stehst im Landschaftsschutzgebiet Schemnitzer Berge, Bäume, so weit das Auge reicht, und mittendrin unser Camp mit Zelten und Feldküche. Von unserem Lager aus erkundest du mit uns die Welt von Luchs, Wolf und Bär.“ Nachdem ich letztes Jahr in Rumänien war, ging es dieses Jahr also in die Slowakei, das Camp, das vom gleichen Betreuerteam (Jörn, Petra, Anne, Gauthier) betreut wird, allerdings ist dort Jörn Kaufhold der Campleiter.


    Der Treffpunkt war auszuwählen: Man konnte in Berlin in den Nachtzug nach Bratislava einsteigen oder in Dresden zusteigen. Dann würde es über Nacht bis früh morgens nach Bratislava gehen. In Berlin begegnete uns gleich das erste Problem, als der Zug einfuhr: Auf der Suche nach dem Wagen 260, dem Liegewagen, in dem wir reserviert hatten, zählten wir die vorbeifahrenden Waggons auf: 258. 259. 261. 262. Jörn ging also schnell einen Schaffner fragen, wo denn der Wagen 260 abgeblieben sei, und kam wieder mit der Antwort „gibt es nicht“. Wir mussten also kurzfristig in den Wagen 261, einen Sitzwagen. Es stellte sich dann heraus, dass der Wagen 260 bei der Fahrt davor in Bukarest geblieben war. Besonders fies: kurz vor dem Halt in Prag, irgendwann um 23 Uhr herum, wurde uns gesagt, Wagen 260 würde in Prag wieder angehängt werden. Wir hatten also alles Gepäck wieder aufgesetzt, und waren bereit, schnell auszusteigen und den Waggon zu wechseln, als der Schaffner wieder hereinkam und sagte, dass der Wagen 260 doch nicht käme. So mussten wir also die Nacht im Sitzen verbringen, außer ein paar Leuten, die sich im Fahrradabteil mit Isomatte und Schlafsack hingequetscht hatten.

     

    Das Fahrradabteil


    Als wir dann in Bratislava angekommen waren, gab es erst einmal heißen Kaffe, Tee oder andere Getränke sowie etwas zu essen (unter anderem ein sehr leckeres, typisch slowakisches Gebäck, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß) in einem kleinen Café im Bahnhof, während wir auf den nächsten Zug warteten. Mit diesem ging es dann weiter zu einem sehr kleinen Bahnhof mitten im Nirgendwo, von wo wir dann nochmal mit dem Bus weiterfuhren. Den letzten kleinen Anstieg machten wir dann zu Fuß (damit das nicht zu groß klingt- das waren etwa 5 Höhenmeter und es dauerte eine Minute). Müde und erschöpft kamen wir dann im Lager an, wo wir auch unseren Koch Nobbe und unsere Köchin Alex kennenlernten. Nachdem uns kurz das Lager gezeigt wurde, gab es auch erst einmal eine Ruhephase von über 2 Stunden für die, die noch Schlaf nachholen wollten. Die anderen haben Holz für das Feuer gesammelt. Danach gab es Mittagessen.

     

    Von Annali gezeichneter Plan vom Lager

     

    Nach dem Mittagessen wurden uns dann noch das Programm für das Camp vorgestellt, Regeln genannt und diskutiert und der „Camp-Dienst“ erklärt: jeden Tag mussten vier Teilnehmer einige Aufgaben übernehmen, wie etwa Weckdienst um 7:30 Uhr und Abwaschen nach den Mahlzeiten. Danach bestand der Tag auch nur noch daraus, die Zwei-Mann-Zelte zu beziehen und sich einzurichten.

    Der Plan samt Diensteinteilung und Regeln

     

    Die Schlafzelte


    Der nächste Tag, der „Wildnistag“, bestand aus einer kleinen Wanderung bis zu einer Lichtung im Wald, „Sitzplatz“, wobei man sich etwa eine Stunde allein in den Wald setzt und einfach schaut und hört, was man so am Wald wahrnehmen kann, Feuermachen mit nur einem Streichholz (eine einzige Person, Sophie, hat es hinbekommen, dafür aber extrem erfolgreich, wir konnten das Feuer noch eine halbe Stunde später beim Mittagessen zum „Toasten“ von Broten benutzen) und einigen Spielen im Wald. Der Tag war auch sehr reich an Knochenfunden, wir fanden unter Anderem einen Schädel, den wir später als Rehschädel identifizieren konnten.


    Sophies Feuer


    Am Abend wurde uns dann noch das Glutbrennen, eine Technik zum Aushöhlen von Holzgegenständen, erklärt. Damit kann man z.B. Löffel oder Schüsseln herstellen. Eine kleine Gruppe ging dann nochmal zu einem Sitzplatz in der Dämmerung- und das mit großem Erfolg: insgesamt fünf Hirsche und zwei Füchse wurden gesehen.


    Als nächstes kam der Tag des Spurenlesens und der „Reviere“: In Gruppen aufgeteiltwurde uns von den Betreuern vieles zum Erkennen von Tierspuren, Wildwechseln (Wege, die öfters von Wildtieren genutzt werden) und Aufenthaltsorten von Wildtieren beigebracht. Am Nachmittag wurden uns dann die Reviere zugeteilt: je zwei TeilnehmerInnen (bei einer Gruppe drei) bekamen einen Bereich des Waldes, den sie sich gut anschauen sollten, nach Wildwechseln Ausschau hielten und einen Ort suchten, an dem sie ihre Fotofalle aufhängen würden. Das Revier sollte in etwa 100 Meter lang und 100 Meter breit sein, aber die genauen Grenzen durften wir bestimmen. Die wichtigen Punkte (Wechsel, Aufenthaltsplätze usw.) sollten wir auf einer selbstgemachten Karte einzeichnen. Abends gab es dann, wie an fast jedem Abend, wieder einen Sitzplatz für diejenigen, die wollten.

    Tag 5 war dann der Tag, auf den wahrscheinlich am meisten gewartet wurde: am Vormittag bekamen wir die Fotofallen mit Zubehör (Batterien, SD-Karte, Schutzkasten, Schloss) und wurden mit der Technik vertraut gemacht. Dann haben wir geübt, die Fotofallen so aufzuhängen, dass mögliche Wildtiere in jeglichen Größen möglichst vollständig abgebildet sein würden. Nach einer kurzen Pause machten wir uns dann daran, die Fotofallen möglichst gut zu tarnen (sie hingen immer noch an Bäumen auf dem Lagergelände, nicht bereits im Wald.) Hierbei ging es vor Allem darum, zu verhindern, dass sie sofort ins Auge fällt. Bei genauerer Betrachtung hätte man alle der Fotofallen gesehen. Das Ziel der Tarnung war nicht, die Falle vor den Wildtieren zu verstecken, sondern vor Menschen, um zu verhindern, dass jemand an der Fotofalle vorbeigeht (auch wenn wir keine Fotofallen an großen Menschengemachten Wegen aufgehängt haben), die Fotofalle sieht und dann beschließt, diese zu stehlen. Wir gingen also nach dem Mittagessen die Fotofallen in unseren Revieren aufhängen und kamen etwas vor dem Abendessen wieder.


    Am folgenden Tag stand eine kleine Wanderung auf dem Plan, die nach Banská Štiavnica gehen sollte, der kleinen Stadt mit immerhin 10.000 Einwohnern (2006), die in der Nähe unseres Lagers lag. Etwa 3 ½ Stunden nach dem Aufbruch waren wir dort. Nach einer zweistündigen Freizeit, in der wir u.a. im Supermarkt einkaufen, Eis essen oder ins Restaurant gehen konnten, ging es ins Kino, wo wir den Film „Vl?ie hory“, zu Deutsch „Berge der Wölfe“, in Anwesenheit eines der drei Macher des Films, Jozef Fiala, ansehen konnten. Der Film handelt von einem kleinen Gebirgsgebiet am Dreiländereck von Polen, der Slowakei und der Ukraine, in dem die europäische Natur noch fast unberührt ist. Er besteht aus Wildaufnahmen, die die Besonderheit haben, ohne künstliche Lockmittel gemacht worden zu sein. Alle Tiere, die man sieht, haben sich komplett natürlich verhalten, obwohl in solchen Filmen oft die Tiere künstlich angelockt werden. Nach dem Film konnten wir Jozef noch Fragen stellen, die von Petra ins Slowakische übersetzt wurden, und die Antworten wurden von Jörn wieder ins Deutsche übersetzt. Es war sehr interessant, Jozef konnte uns viel erzählen (er verbringt etwa 300 Tage im Jahr in der Wildnis!) und am Ende konnten wir noch den Film sowie einen anderen, den wir in Rumänien gesehen hatten und der von Bären in Rumänien handelt, kaufen.

    Jozef Fiala mit dem Film

     

    Nach dem Film wurden wir dann mit dem Bus zum Lager zurückgefahren.


    FORTSETZUNG FOLGT ;)

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    Alle Fotos: © Bjarne von Lampe

    Gezeichneter Plan: © Annali Robert

    Großes dankeschön an Annali, die mir nicht nur ihren Plan vom Lager geschickt hat, sondern auch Auszüge aus ihrem Tagebuch, das sehr hilfreich war!

    Ein bisschen Eigenwerbung: www.instagram.com/bvonl.photography

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