Berichte

Rote Liste: Auch der Mensch ist bedroht

  • Die Liste der Todeskandidaten wird immer länger. Die neueste Version der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) weist 23.892 Tier- und Pflanzenarten als gefährdet aus. Das sind 642 mehr als im Vorjahr. Rund ein Drittel der 82.845 von der IUCN erfassten Tier- und Pflanzenarten gilt als bedroht.

    Für immer mehr faszinierende Tiere läuten die Alarmglocken. Durch das Verschwinden einzelner Arten ist eine Kettenreaktion vorprogrammiert. Am Ende der Todesspirale steht letztlich auch der Mensch. "Meist ist es nicht ein einzelner Grund, der das Aussterben einer Art besiegelt, aber fast immer steckt dahinter der Mensch", betont Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte des WWF Deutschland. "Es liegt in unserer Hand, Lebensraumverlust, Wilderei und Überfischung zu stoppen und den Klimawandel zu begrenzen."

    Leopard © Martin Harvey / WWF

    Der Leopard ist zwar in Afrika und Asien noch immer relativ weit verbreitet, ist aber inzwischen gefährdet, weil sein Lebensraum immer stärker zerstückelt wird. Die Rückzugsgebiete haben sich im letzten Jahrzehnt fast halbiert. Hinzu kommt die grassierende Wilderei. Zum Beispiel Kambodscha: In den Eastern Plains leben nur noch 30 Exemplare. Wilderer aus Kambodscha und Vietnam jagen die Leoparden, die eine wichtige Rolle im Ökosystem der Eastern Plains spielen, vor allem wegen ihres Fells.

    Koalas © Martin Harvey / WWF

    Was ist die Rote Liste der IUCN? Die Rote Liste ist ein Indikator für den Zustand der Biodiversität unseres Planeten und gibt heute Auskunft über den internationalen Gefährdungsstatus von über 80.000 Tier- und Pflanzenarten. Um den anhaltenden Abwärtstrend in der Artenvielfalt stoppen zu können, sind diese Informationen von großer Wichtigkeit.

    Herausgegeben wird die Rote Liste in regelmäßigen Abständen von der Weltnaturschutzunion IUCN. Für die Erstellung Roter Listen werten die Expertengruppen der IUCN auf strengen wissenschaftlichen Grundlagen basierend alle relevanten und zugänglichen Daten aus, sodass die Darstellung von einzelnen Arten in Gefährdungskategorien die komprimierteste Form der umfangreichen naturwissenschaftlichen Analyse darstellt.

    Neben der internationalen Roten Liste der IUCN gibt es in anderen Ländern auch nationale Rote Listen. In Deutschland existieren neben der bundesweiten Roten Liste sogar einzelne Listen der Bundesländer. Außerdem werden in Deutschland Pflanzen, Tiere, Biotoptypen und Pflanzengesellschaften in getrennten Listen geführt. Insgesamt sind im Bundesgebiet bislang fast 40.000 Tier- und Pflanzenarten hinsichtlich ihres Gefährdungsstatus bewertet worden. Über ein Viertel davon gilt als bedroht, beziehungsweise ausgestorben.

    Walross © Mikhail Cherkasov / WWF Russland

    Mehrere tausend Arten sterben jedes Jahr. Der Verlust der Artenvielfalt stellt heute eine der schlimmsten Katastrophen weltweit dar. Etwa 10 Millionen Tier- und Pflanzenarten soll es nach Schätzungen von Wissenschaftlern auf der Erde geben, vielleicht auch mehr. Doch nur etwa zwei Millionen Arten sind bislang beschrieben worden. Umso alarmierender sind Meldungen, dass mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten jährlich für immer von der Erde verschwinden. Neuste Erhebungen gehen davon aus, dass sich die Aussterberate von Arten durch menschliche Einflüsse mittlerweile um den Faktor 1.000 gegenüber der natürlichen Rate erhöht hat.

    Bogenstirn-Hammerhai © naturepl.com / Doug Perrine

    Zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt zählen vor allem Lebensraumverlust und Umweltverschmutzung, Verdrängung der heimischen Flora und Fauna durch eingeschleppte Arten und direkte Eingriffe des Menschen wie etwa durch unkontrollierte Entnahme aus der Natur.

    Auch der Mensch ist dadurch bedroht. Das Aussterben einer Art ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem. Gerät dieses durch Artensterben durcheinander, so entstehen auch Folgen für den Menschen. Nahrung, Wasser und Medizin hängen in weiten Teilen der Erde direkt von einem funktionierenden und gesunden Ökosystem mit einer hohen Artenvielfalt ab. Wird dieses Ökosystem durch Artenverlust zerstört, so gerät auch die Existenzgrundlage eines Großteils der Weltbevölkerung unmittelbar in Gefahr.

    Titelbild: Orang Utan © Anup Shah / WWF

Kommentare

4 Kommentare
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Das sollten wir als Anstoß nehmen, noch mehr für den Arten- und Lebensraumschutz zu tun!
    Vielleicht können wir mit diesen Infos noch mehr Leute dazu motivieren, sich zu engagieren. Dazu brauchen wir viele Ideen, wie wir Aufmerksamkeit f&uu...  mehr
    19. Juli 2016
  • ViviE7
    ViviE7 Was genau sollte man dagegen am besten tun?
    20. Juli 2016
  • Puma
    Puma Schade, dass viele Menschen nicht sehen, dass das Artensterben auch uns betrifft. Wäre das der Fall, würden sich bestimmt mehr Menschen für den Erhalt der Natur einsetzen!
    20. Juli 2016
  • Marcel
    Marcel @ViviE7: Sehr gute Frage. Es gibt viele Möglichkeiten, den Natur- und Artenschutz zu unterstützen. Du kannst zum Beispiel diese Infos an andere Leute weiterleiten. Du kannst eine Aktion, einen Infostand oder einen Projekttag in deiner Schule ode...  mehr
    20. Juli 2016