Berichte

Wohnen 2.0 - Wie geht das?

  • Am Donnerstag, den 23. Juli, besuchte ich die Wohnen-Gruppe des 2°Campus in Wuppertal. Ohne wirklich zu wissen, was mich da erwartet fuhr ich zum ersten Programmpunkt los: ein Vortrag über Suffizienz im Wuppertal-Institut. In diesem Vortrag wurde den Teilnehmern dann erklärt, was genau Suffizienz bedeutet. Laut der Referentin, Frau Bierwirth, bedeutet Suffizienz: Nicht zu viel Wohnraum, aber auch nicht zu wenig. Doch wie kann man das umsetzen? Dazu wurden uns mehrere Wohnungsmodelle vorgestellt. Es gibt zum Beispiel Mini-Apartments, in denen man auf 18 m² lebt oder man baut sich ein Haus aus Containern (mobi.space). Etwas Besonderes ist living-hub, eine Art Wohngemeinschaft (WG) für Familien. In Zürich baute die Genossenschaft Kalkbreite eine solche WG. Hier leben Familien in einer eigenen Wohnung, aber sie teilen sich viele Räume, wie beispielsweise die Küche oder den Essraum. Voraussetzung für einen Erwerb einer Wohnung ist, dass man kein Auto besitzt, da dieses Haus direkt auf einem Straßenbahndepot aufgebaut worden ist. Man kann sagen, dass dieses Konzept die Suffizienz widerspiegelt, da jede Person auf einer Fläche unter 33 m² lebt.

    Am Ende des Vortrages wurde noch darauf eingegangen, wie das Wuppertal-Institut an Suffizienz forscht. Das Wuppertal-Institut (wupperionst.org) ist ein Forschungszentrum in den Bereichen der Politik und der Wissenschaft zum Thema „nachhaltige Entwicklung“. Es bearbeitet über 150 Projekte in vier verschiedenen Forschungsgruppen. Diese vier Forschungsgruppen decken wie die vier Gruppen des 2°Campus die Felder der Nachhaltigkeit ab. Die Forschungsgruppe eins bearbeitet Projekte zum Thema Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen, die zweite Forschungsgruppe arbeitet zum Thema Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik, währenddessen die dritte Forschungsgruppe Stoffströme und Ressourcenmanagement und die Vierte Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren behandelt. Das Thema Suffizienz fällt in den Forschungsbereich zwei. Zu diesem Thema forscht das Wuppertal-Institut zum Beispiel daran, wie man eine bessere Bauplanung schaffen kann oder wie man Häuser vor dem Leerstehen retten kann.

    Nach diesem überaus spannenden Vortrag ging es für die Wohnen-Gruppe wieder zurück zur Bergischen Universität Wuppertal, wo sie nun wieder selbst zum Thema Suffizienz arbeiten durften. Nach einem ordentlichen Mittagessen in der Uni Mensa ging es zur Tagesbesprechung mit Mentor Herrn Professor Voss. Nun konnten die jungen Forscher endlich mit Feuereifer an ihre Projekte gehen. Gearbeitet wurde wie am Mittwoch, dem ersten richtigen Forschungstag, in zwei Gruppen. Die eine Gruppe arbeitete an Computern, die andere durfte fleißig an dem Grundriss ihres Hauses herumwerkeln. Ziel des Herumwerkelns war, eine möglichst suffiziente Planung zu gestalten. Hierzu mussten natürlich einige Wände abgerissen und Zimmer ausgegliedert werden. Der neue Grundriss wurde dann im Maßstab 1:100 aufgemalt, damit man ihn danach anfangen konnte in ein Modell umzubauen konnte.

    Die Computer-Gruppe musste die Werte ihres Hauses (also bestimmte Wandflächen, Fensterflächen) in ein Programm eingeben, das dann aus Statistiken den durchschnittlichen Verbrauch an Öl und Strom berechnete. Dies wurde auf ein Plakat eingetragen. Auf ein weiteres Plakat wurde der Gesamtverbrauch an Öl und Strom eingetragen, dazu noch die Personenzahl und die Grundfläche des Hauses. Aus diesen Angaben wurde dann auf einem dritten Plakat ausgerechnet wie viel in Wirklichkeit pro Person und pro m² verbraucht wird. Ein letztes Plakat diente dazu, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß zu berechnen. Doch wozu braucht man diese ganzen Werte? Zum einen werden sie dazu genutzt sie später mit dem suffizienter angelegten Wohnraum zu vergleichen, zum anderen aber auch damit man sich untereinander vergleichen kann. Also wer spart viel und wer ist ein sehr großer Verbraucher. Nachdem die Computer-Gruppe mit diesen Rechnereien fertig war, konnte sie, sofern ihr Grundriss vollständig war, auch mit dem Modell anfangen, da sie schon am Mittwoch gezeichnet hatten, während die Zeichner-Gruppe gerechnet hatte.


    Als ehemaliger 2°Campus-Teilnehmer kann ich sagen, dass die Stimmung, obwohl es so viel zu tun gab, sehr entspannt und auch sehr fröhlich war. Man konnte mit jedem seinen Spaß haben und wenn ich mal eine Frage hatte, wurde sie mir stets beantwortet, egal worum es ging.
    Als Fazit kann ich aus diesem Tag bei der Wohnen-Gruppe ziehen: Man kann auf die Ergebnisse gespannt sein. Diese Gruppe hat es verstanden effektiv zu arbeiten, aber trotzdem die Zeit für Späße zu finden. Eine sehr gute Mischung für eine Gruppe, von der ich persönlich äußerst interessante Ergebnisse erwarte.

    Bilder: © WWF/ Arnold Morascher

Kommentare

2 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Auf nur 18m² leben? Das ist ja kleiner als mein altes Zimmer! :O Klingt auf jeden Fall alles sehr interessant und ich bin schon gespannt auf die Ergebnisse der Gruppe.
    26. Juli 2015
  • Ivonne
    Ivonne Lieber Linus,
    danke für deine Zusammenfassung der Forschung zu Suffizienz in Wohnhäusern. Es war äußerst spannend, sich mal anzugucken, wie man eigentlich lebt und wie viel man dabei verbraucht. Ein Blick auf Strom- und...  mehr
    27. Juli 2015