Berichte

Alternatives Leben im Wendland

  • Was versteht man unter einem normalen Leben? Schule, Ausbildung/Studium, Arbeit, Eigentum. Das ist ungefähr die generelle Vorstellung. 

    Doch gibt es Alternativen?

    Vom 18. bis zum 22. April war ich im Rahmen meiner Seminarfahrt im Wendland. Eine Woche lang beschäftigten wir uns mit dem Thema "Alternative Lebensweisen".

    Die Alternativ-Bewegung im Wendland entstand aus den Anti-Atom-Protesten gegen Ende der 70er Jahre. Die Demonstrationen richteten sich dabei gegen das geplante Endlager für Atommüll in Gorleben. Seitdem die Castor Transporte nach Gorleben eingestellt worden waren, versiegte jedoch auch langsam der Aktionismus der Demonstranten. Doch entgegen aller Erwartungen, blieben viele Menschen im Wendland und bildeten Kommunen und alternative Projekte. Nach wie vor zieht es Menschen in die Region, die sich nach eine Alternative zum "normalen" Leben sehnen.

    ©Christian Fischer

    Aufgrund der Vorgeschichte, war das Wendland, genauer gesagt Meuchefitz*, also ideal um sich mit alternativen Lebensweisen zu beschäftigen. Es gab Workshops zum Thema Anarchie, alternativem Reisen, Wildkräuter und und und. Am interessantesten war jedoch der Besuch von Kommunen in der Umgebung. Ihr müsst euch einen idyllischen Bauernhof mit Äckern und Tieren vorstellen. Käse, Honig, Brot und Saft wird selber gemacht und auch sonst wird alles selber gebaut oder repariert. Natürlich bedeutet diese Selbstständigkeit jede Menge Arbeit, doch man arbeitet direkt für das eigene Wohlergehen und nicht erst für Geld. Apropos Geld: In den Kommunen gibt es keinen eigenen Besitz. Das ganze Geld, was zum Beispiel durch den Verkauf von Saft erworben wird, kommt in eine gemeinsame Kasse. Aus dieser Kasse kann man sich dann je nach Bedarf bedienen. Größere Anschaffungen werden im gemeinsamen Plenum (Vollversammlung) besprochen.

    ©Maik Richter

    Ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben im Einklang mit der Natur. Klingt eigentlich ideal. Warum ist dieses Leben dann nicht längst schon viel etablierter? 

    Ein Kritikpunkt an der Sache ist, dass man für die Selbstversorgung viel Platz braucht, weshalb diese Lebensart fast ausschließlich in ländlichen Regionen möglich ist. Und wenn man zusätzlich noch versucht Autofahrten zu begrenzen, ist man, trotz Internet, relativ isoliert. Außerdem muss man sich von so manchem Komfort trennen, wenn man sich dieses Leben wünscht. Gerade Toiletten ohne Wasser sind für viele ein Hindernis. Problematisch ist auch Krankenversicherung und Rente. Obwohl einige Kommunen selbst dafür ein Konzept haben ist es bei vielen Anderen schlicht nicht vorhanden. Deshalb ist der Ausstieg aus einer Kommune im höheren Alter schwierig.

    Für mich wäre das Leben in einer Kommune eher nichts. Mich würde die Isolation zu sehr stören. Gerne würde ich aber mal 1-2 Wochen dort "Urlaub" machen. Es hilft wahrscheinlich sehr den Kopf frei zu bekommen.

    Titelbild: ©Christian Fischer

    *Meuchefitz ist der Ort auf dem Titelbild. Ihr könnt unser Seminarhaus in der rechten Ecke erkennen.

Kommentare

2 Kommentare
  • Papillon
    Papillon Bestimmt einer interessante Allternative zum typischen Leben.
    2. Mai 2016
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Das klingt interessant, allerdings käme ich mir da wahrscheinlich auch zu abhängig von der Kommune vor, weshalb ich auch nur ein paar Wochen so leben könnte. Umziehen, wohin man will und lange Reisen sind dann ja schließlich schwierig.
    4. Mai 2016