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Kampf gegen den Feinstaub

  • Sie sind überall in der Luft, ganz kleine Partikel, sogenannter Feinstaub. Dieser Feinstaub verschmutzt die Luft und damit unsere Umwelt und bringt außerdem ein großes Gesundheitsrisiko mit sich.

    Die Partikel werden nach ihrer Größe unterschieden in PM10 (particulate matter=Partikelgröße) mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer, PM2,5 und solche die kleiner als 0,1 Mikrometer sind. Je nach Größe, können die Partikel in die Bronchien und Lungenbläschen, das Lungengewebe und sogar in den Blutkreislauf eindringen und dort Schleimhautreizungen, Atemwegserkrankungen wie Asthma, Lungenkrebs und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko auslösen.
    Schätzungen des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie zufolge, sterben weltweit rund 3,3 Millionen Menschen jährlich an den Folgen von Umweltverschmutzung!
    Die meisten Todesfälle gibt es dabei in Asien, vor allem in China und Indien. Bis 2050 könnte sich diese Zahl sogar noch verdoppeln. Dem muss entgegengewirkt werden, was bedeutet wir müssen die Feinstaubbelastung verringern.

    Doch wo kommt der Feinstaub her? Feinstaub kann durchaus einen natürlichen Ursprung haben, zum Beispiel Bodenerosion. Doch der Großteil ist vom Menschen verursacht.

    Ursachen für Feinstaub in Deutschland

     

    Primärer Feinstaub kommt zum Beispiel aus den Schloten der Fabriken und Heizkraftwerke, von Öfen im Haushalt und aus dem Straßenverkehr. Nicht nur die Autoabgase an sich, sondern auch der Reifen- und Bremsenabrieb spielen hierbei eine Rolle und das gibt es sowohl bei Diesel-, Benzinautos als auch bei Elektroautos.

    In den Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr eine Hauptquelle des Feinstaubs und die Konzentration häufig besonders hoch, doch hohe Konzentrationen können mitunter auch in ländlichen Gegenden auftreten. Zum einen wird die feinstaubbelastete Luft vom Wind weitergetragen, zum anderen ist die Landwirtschaft ein Feinstaubverursacher.
    In Düngemitteln kommt häufig Ammoniak zum Einsatz und dieser kann mit Schwefel- und Stickoxiden zu so genannten sekundären Feinstaubpartikel reagieren. Auch die Tierhaltung, genauer gesagt der Abbau der Harnstoffe der Tiere führt zur Ammoniakfreisetzung und infolgedessen zur Bildung von sekundären Feinstaub. 

     

    Feinstaubvorhersagekarte des Rheinischen Instituts für Umweltforschung (RIU)

    Der von der europäischen Union festgelegte Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel und darf nicht mehr als 35 Mal im Jahr überschritten werden.
    Doch in einigen Regionen wird der Grenzwert häufiger überschritten, zum Beispiel in Stuttgart. Stuttgart hat aufgrund der Kessellage nämlich einen Nachteil: Die Luftzirkulation ist schlechter, sodass sich bei wenig Wind die Luft beinahe staut und sich Feinstaubpartikel in der Luft vermehrt ansammeln. 
    Eine solche Situation gab es erst Mitte Januar diesen Jahres und die Stadt rief einen Feinstaubalarm aus, da die Vorhersage für mehr als 2 Tage erhöhte Werte ansagte. Die Stuttgarter wurden deshalb aufgefordert ihre Autos stehen zu lassen und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen.

    Außerdem gibt es bereits seit 2008 Umweltzonen in Deutschland, die von Autos nur befahren werden dürfen wenn sie eine zulässige Feinstaubplakette besitzen. Diese Plaketten in grün, gelb und rot kennt ihr bestimmt und je nachdem ob und welche Plakette ein Auto besitzt darf es die Umweltzone befahren oder eben auch nicht. Immerhin ein erster Schritt im Kampf gegen den Feinstaub in Großstädten.
    Auch in anderen Ländern gibt es neuerdings zeitweise Fahrverbote. In der indischen Stadt Neu Dehli beispielsweise dürfen aufgrund von hoher Feinstaubbelastung der Luft Anfang des Jahres an manchen Tagen nur Autos mit gerade Kennzeichennummer fahren, an anderen dann nur solche mit ungeraden Nummern.

    Ein weiteres Projekt in der Bekämpfung von Luftverschmutzung geht von Daan Roosegaarde einem niederländlischen Designer aus: Der Smog Free Tower, ein 7 Meter hoher Luftreiniger. Seit dem 5. September 2015 ist der Smog Free Tower nun in Rotterdam in Betrieb und filtert dort Feinstaub aus der Luft. Wie das gehen soll, fragt ihr euch? Nun, das Prinzip ist folgendes: Die Luft wird am oberen Ende eingesogen und mit Hilfe von Kupferspulen wird der Feinstaub elektrisch aufgeladen, sodass er anschließend von feinen Filtern gebunden werden kann. Die gesäuberte Luft wird dann über die Lamellen an den Seiten wieder ausgestoßen.
    Auf diese Weise lassen sich mit dem Smog Free Tower 30.000 Kubikmeter Luft pro Stunde reinigen und es entsteht eine 60 Meter umspannende Smog-freie Blase. Die benötigte Energie wird über ein kleines Windrad an der Spitze des Turms erzeugt. Der eingefangene Feinstaub soll jedoch nicht einfach entsorgt, sondern stark komprimiert und in kleine Würfel gefüllt als Ring oder Manschettenknöpfe verkauft werden.

    Doch auch mit solchen Erfindungen sollte das Ziel weiterhin sein die Feinstaubentstehung zu reduzieren. Daan Roosegaarde hofft, dass „wir den Smog Free Tower in zehn Jahren nicht mehr brauchen, weil wir endlich wieder reine Luft atmen.“

     

    Quellen:
    - www.umweltbundesamt.de - www.tagesschau.de/ausland/fahrverbote-neu-delhi-101.html - www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-09/luftverschmutzung-feinstaub-tote-weltweit
    - www.wired.de/collection/latest/der-smog-free-tower-rotterdam-ist-der-grosste-luftreiniger-der-welt
    - www.globalmagazin.com/themen/klima/smog-free-tower-weltgroesster-luft-staubsauger/
    - www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59431/
    - www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/feinstaub-belastung-in-stuttgart-warum-der-alarm-so-wenig-bringt/-/id=1622/did=16835920/nid=1622/mjmhhw/

    Bildquellen:
    - Titelbild: Image by Katharina-Franziska Kremkau / Silke Gebel, MdA (CC BY 4.0)

    - http://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2012/11/hauptverursacher-anthropogener-feinstaub-deutschland-verkehr-industrie-umweltzone-580x384.png
    - http://hermes.eurad.uni-koeln.de/PLOTS//201602/15/fc01w-p05-PM10-l01-dmax.gif

Kommentare

9 Kommentare
  • MarcelB
    MarcelB Ahh, sehr interessant. Ich finds gut, dass es Umweltzonen gibt. Aber wahrscheinlich ist es in vielen Fällen eher ein besseres Gefühl als ein real existierender Effekt... Danke für Infos, Alina! :)
    21. Februar 2016
  • KikiFi
    KikiFi Ein sehr interessanter Bericht mit tollen Graphiken! Danke!
    21. Februar 2016
  • HelptheWorld
    HelptheWorld Super Bericht! Danke für die vielen Infos!
    24. Februar 2016
  • Gangsterhunnie
    Gangsterhunnie Ich hab zwar schon einiges über das Thema gewusst, aber einiges war mir noch neu. Also danke für so viele Informationen. Insgesammt ein super toller Bericht. ^^
    26. Februar 2016