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Wie soll Europa in 30 Jahren aussehen?

  • Jugendorganisationen stellen der Bundesregierung ihre Vision für die europäische Union in 2049 vor. Die WWF Jugend hat hierfür Ideen zu Themen wie Klimaschutz, Landwirtschaft und Bildung eingebracht. Wer unsere Zukunftsvision liest, merkt sofort: Die Jugend will ein gerechteres, nachhaltigeres Europa, mehr Mitbestimmung und Teilhabe an politischen Entscheidungen.

    Millionen Menschen in Europa demonstrieren immer häufiger für mehr Klimaschutz, für eine unteilbare und offene Gesellschaft, für eine naturverträgliche Landwirtschaft, für eine ehrliche Willkommenskultur, für Frieden. Weil sie eine Idee von einem zukünftigen Europa haben, das anders aussieht als in der Gegenwart. Wir glauben an die positive Kraft, die von Visionen ausgehen kann - als Ziele für eine wünschenswerte Welt. Deshalb haben wir als WWF Jugend an einer solchen Vision für Europa mitgeschrieben.

    "Unser Vereintes Europa 2049" heißt der Text, der heute offiziell im Netzwerk EBD (Europäische Bewegung Deutschland) in Berlin vorgestellt wird. Und der Zeitpunkt passt. In der Europäischen Union stehen die Zeichen auf Veränderung. Ursula von der Leyen, die neue EU-Kommissionspräsidentin, hat mit ihrer Erklärung, bis 2050 Europa zum ersten klimaneutrale Kontinent zu machen, die Klimapolitik weit oben auf die europäische Agenda gesetzt. Ohne den Druck vor allem der Jugend hätte dieses Thema nicht diese Bedeutung bekommen, da sind sich viele Menschen sicher.

    Zudem wurde der UN-Klimagipfel nach Madrid verlegt - weltweit werden am 29.11. Millionen Menschen erneut streiken, demonstrieren und genau auf Europa schauen. Außerdem fordern der Brexit, der Kurswechsel in den USA, die repressive Politik in China und Russland, die Digitalisierung und viele weitere Entwicklungen von der Europäischen Union ein entschlossenes Handeln. Europa muss eine neue führende Rolle in der Welt spielen - hiermit verbinden sich viele Hoffnungen.

    © Vivi Philipp / WWF Jugend

    Die gemeinsame Vision, die wir in den letzten Wochen in enger Abstimmung und mit zum Teil hitzigen Debatten entwickelt und abgestimmt haben, präsentierten wir heute in einer namenhafgten Runde: u.a. mit Michael Roth MdB, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes Reiner Hoffmann, Stefan Mair vom Bundesverband der Deutschen Industrie, Ulrike Helwerth vom Deutschen Frauenrat und Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes. An der Vision haben mehrere Jugendverbände aus dem Netzwerk der EBD mitgeschrieben: Der Deutsche Bundesjugendring stellvertretend für eine Vielzahl von Jugendorganisationen, das Europäische Studierendenforum, die Jungen Europäischen Föderalisten, die Wirtschaftsjunioren Deutschland und die WWF Jugend.

    Schon zu Beginn macht unsere Vision deutlich, dass die Jugendverbände weitere Integrationsschritte auf allen politischen Ebenen wollen und große Erwartungen an die Europäische Union hegen: „Die europäische Perspektive [ist] ein selbstverständlicher Bestandteil jeglicher politischer Entscheidung und prägt damit die Lebensrealität vieler Menschen auf allen Ebenen, auch jenseits von Orten politischer Entscheidungsfindung.“ In acht Kapiteln – von der Wirtschafts- und Sozialpolitik über Migration, Mobilität und Umwelt bis hin zur Bildung und Demokratie – stellt die Vision Entwicklungsschritte zusammen und formuliert Ziele für 2049. Zum Beispiel:

    „Nationalstaaten haben verstanden, dass sie die Souveränität europäisch ausbauen müssen, wenn sie ihre eigene nicht verlieren wollen.“

    „Mithilfe einer umfassenden europäischen Gleichstellungsstrategie sorgt die EU für Parität, ein Umdenken in den Köpfen und hat es erfolgreich geschafft, Lohngleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf umzusetzen.“

    „Die Wahlen zum Europäischen Parlament, an denen alle Menschen ab 14 Jahren mit Lebensmittelpunkt Europa teilnehmen dürfen, sind durch eine einheitliche Wahlgesetzgebung, europäische Wahlkreise und gemeinsame Kandidat*innen europäisiert.“

    Anna von der WWF Jugend, Kai Niebert vom Deutschen Naturschutzring und Klaus Müller vom VZBV diskutieren auf dem Panel zu den Aspekten Auslandsbeziehungen, Umwelt und Nachhaltigkeit und Mobilität © Netzwerk EBD

    Warum 2049? Die Vision Europa 2049 ist ein Jubiläums-Projekt der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. Der Verein feiert seinen 70. Geburtstag nicht mit einem Blick zurück, sondern nach vorne: Darauf, wie Europa in 30 Jahren aussehen kann und aussehen soll, wenn der Verein seinen 100. Geburtstag feiert. Dass es den Verbänden gelingen würde, sich auf so eindeutige Botschaften zu einigen, war lange nicht sicher: "Das Projekt war von Anfang an ein demokratisches Experiment. Die vielen digitalen und analogen Abstimmungsrunden brachten Sollbruchstellen zum Vorschein, zeigten aber auch: Es ist gut, dass wir um Ideen und Programme streiten – und noch besser, dass es dabei nicht zu Zerwürfnissen kommt", blickt EBD-Präsidentin Dr. Linn Selle auf den Prozess zurück.

    Vielen Dank an Anna, diefür die WWF Jugend mit an der Vision geschrieben hat und heute bei der Vorstellung auf der Bühne war. In ihrem 10. Jahr war die WWF Jugend nun bereits mehrmals in politischen Foren beteiligt und bringt unsere Stimme in die politischen Debatten ein. Wir sind sehr froh, dass sich die WWF Jugend auch auf der politischen Ebene immer stärker einbringen kann. Protest auf der Straße, Entwicklung kreativer Ideen und Dialog mit Entscheidungsträger*innen - diese Mischung macht unsere Kraft aus.

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