Berichte

#DieZukunftSindWir - Offener Brief an die Kohlekommission

  • Am heutigen Freitag soll die Kohlekommission ihren Plan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung vorlegen. Ein schneller Ausstieg aus der Kohle - das wäre ein sehr wichtiger Schritt für den Klimaschutz. Die monatelangen Verhandlungen drehen sich aber vor allem um gigantische Geldsummen, die bereitgestellt werden sollen: für den Strukturwandel, für die Kraftwerksbetreiber, für Strompreiskompensationen...

    Es geht also wieder vor allem ums Geld. Es fühlt sich an, als würden wir in einem Zug auf eine Wand zurasen und immer noch über die Preise der Zugtickets streiten. Den Klimawandel interessieren keine Kostenkalkulationen. Wenn wir die Klimaziele nicht einhalten, wird uns das alle noch viel teurer zu stehen kommen als alle Strukturwandel, die sich Kohlekommission und Regierung gerade ausmalen wollen. Dies haben heute tausende Jugendliche aus ganz Deutschland mit einer Demo und einem Offenen Brief zum Ausdruck gebracht.

    Damit uns niemand missversteht: Wir protestieren nicht gegen Menschen, die in der Kohleindustrie arbeiten. Wir wollen, dass sie eine zukunftsfähige Perspektive haben. Gleichzeitig wollen wir eine Perspektive für die ebenfalls vielen Menschen, die im Bereich der Erneuerbaren Energien arbeiten. Und vor allem wollen wir eine Entwicklung, die nicht auf Kosten des Planeten und zukünftiger Generationen geht.

    Was jetzt entschieden wird, betrifft vor allem uns. Die Jugend muss in der Welt leben, die sich verändert. Deshalb gehen immer mehr Jugendliche auf die Straße. Sie streiken Schule und Uni, weil sie sagen: Lernen ohne Zukunft macht keinen Sinn. Dass Schülerinnen und Schüler Verwarnungen riskieren, um bei winterlicher Kälte stundenlang zu protestieren, zeigt den Kommissionsmitgliedern hoffentlich endlich, dass es uns ernst ist.

    Kurz vor der Übergabe an die Kohlekommission © FridaysForFuture Germany

    Gleichzeitig protestieren ca. 6.000 Jugendliche vor dem Gebäude © V. Peuser / WWF

    Das Netzwerk #FridaysForFuture hat einen Offenen Brief an die Kohlekommission geschrieben, den die WWF Jugend als Unterstützerin mitunterzeichnet hat. Das ist der Text, den fünf Jugendliche stellvertretend für uns alle heute überreicht haben:

    Betreff: Jugend fordert schnellstmöglichen Kohleausstieg und echte Zukunftspolitik

    Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung, wir, die jungen Generationen, sind es, die die Folgen Ihres Abschlussberichtes vom 01. Februar tragen werden. Wir und Sie wissen, dass die einzige zukunftsorientierte Entscheidung ein schnellstmöglicher, konsequenter Kohleausstieg ist. Die Abkehr von fossilen Energieträgern ist in vollem Gange - nun steht offen, zu welchem Grad unser Planet bis dahin noch für zukünftige Generationen zerstört wird.

    Der Sonderbericht des Weltklimarates zeigt, dass lediglich elf Jahre bleiben, um die verheerendsten Folgen der Erderwärmung abzuwenden. Dafür ist ein Kohleausstieg ab 2020 unverzichtbar. Sowohl das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik als auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung haben in unabhängigen Studien im vergangenen Jahr bekräftigt, dass durch eine schnelle Abkehr von der Braunkohle die deutschen Klimaziele der Jahre 2020 und 2030 noch einzuhalten wären. Wenn die planetaren Grenzen jedoch überschritten, und tausende Arten ausgestorben sind, ist es für kommende Generationen bereits zu spät: Um das noch abzuwenden, braucht es nun echte Taten.

    Die bisherige politische Untätigkeit zwingt uns nun, etwa durch Kampagnen, Schulstreiks und Aufrufe wie diesen auf die derzeitige Lage aufmerksam zu machen. Wir jungen Menschen wissen, dass wir längst keine Zeit mehr für politisches Hinhalten haben und dass jetzt die letzte Möglichkeit ist, den vollständigen Klimakollaps und den damit einhergehenden fortschreitenden Artenverlust noch zu verhindern.

    Es wird in Deutschland voraussichtlich keine vergleichbare Chance mehr geben, einen so weitreichenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Lassen Sie deshalb diese historisch einmalige Möglichkeit nicht verstreichen. Nun wird die folgende Generation zusehen, wie Sie sich auf eine Seite stellen: Auf die, die sich in eine Vielzahl ergebnisloser Verhandlungen ohne politischen Willen zum Klimaschutz einreiht. Oder aber auf die, die sich den Herausforderungen stellt und den nachfolgenden Generationen – uns – eine lebenswerte Zukunft ermöglicht.

    Die Geschichte wird Sie beurteilen. Und wir werden Ihre Zeug*innen sein. Im Namen aller Unterzeichner*innen,

    Nick Heubeck, Initiator

    Luisa Neubauer, Initiatorin (Bundesorganisatorin der FridaysForFuture Bewegung)

    Die Fridays For Future Deutschland Bewegung (Fridays For Future Aachen, Fridays For Future Augsburg, Fridays For Future Berlin, Fridays For Future Bielefeld, Fridays For Future Bonn, Fridays For Future Braunschweig, Fridays For Future Bremen, Fridays For Future Darmstadt, Fridays For Future Deggendorf, Fridays For Future Dresden, Fridays For Future Düsseldorf, Fridays For Future Eberswalde, Fridays For Future Eggendorf, Fridays For Future Erlangen, Fridays For Future Essen, Fridays For Future Freiberg, Fridays For Future Freiburg, Fridays For Future Göttingen ,Fridays For Future Hamburg, Fridays For Future Hannover, Fridays For Future Heidelberg, Fridays For Future Heidenheim, Fridays For Future Hildesheim, Fridays For Future Jena, Fridays For Future Kaiserslautern, Fridays For Future Kiel, Fridays For Future Köln, Fridays For Future Landshut, Fridays For Future Leipzig, Fridays For Future Lübeck, Fridays For Future Mainz, Fridays For Future Marburg, Fridays For Future Memmingen, Fridays For Future München, Fridays For Future Münster, Fridays For Future Nürnberg, Fridays For Future Offenburg, Fridays For Future Osnabrück, Fridays For Future Paderborn, Fridays For Future Penzberg, Fridays For Future Pforzheim, Fridays For Future Kreis Pinneberg, Fridays For Future Regensburg, Fridays For Future Saarland, Fridays For Future Schwäbisch Hall, Fridays For Future Schweinfurt, Fridays For Future Schwerin, Fridays For Future Siegburg, Fridays For Future Stade, Fridays For Future Soest, Fridays For Future Stuttgart, Fridays For Future Templin, Fridays For Future Trier, Fridays For Future Tübingen, Fridays For Future Ulm, Fridays For Future Würzburg)

    Die G7 Jugenddelegation
    Simon Otto Daniel Böhmer Vanessa Hirneis Luisa Neubauer (auch Initiatorin)

    Die Bundessprecher*innen des Freiwilligen Ökologischen Jahres
    Jana Duhrmann
    Nicole Friedmann Louis Düwel Franz Kloth Jan Weber

    Die Jugendbotschafter der UN-Dekade für Biologische Vielfalt
    Zarah Thiel
    Marvin Manzenberger Adina Arth Gerrit Öhm

    Climate Reality Leader Deutschland:
    Johanna Knauf
    Henrik Röhr Michaela Salomon Luz Emilia Ochoa Ruiz Godoy Filip Raketic Huong Giang Le Caspar Bayer Sara Hündgen Markus Sommerhoff Benedikt Weber Luisa Sandkühler Lisa Storcks
    Nick Heubeck (auch Initiator)

    Felix Finkbeiner, Gründer von Plant for the Planet World Future Council - Stimme zukünftiger Generationen Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen Bundesvorstand der Grüne Jugend Die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands e.V. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung Bundesjugendbeirat der Deutschen Wanderjugend Die Demokratische Stimme der Jugend e.V. Dominik Herold, Gründer und Vorstandsvorsitzender Mehr als Wählen Benjamin Brockhaus, Gründer Youth Future Projekt Vincent-Immanuel Herr & Martin Speer, Autoren, Aktivisten, Berater Üven Ergül für das KinderRechteForum Madeleine Hofman, Autorin Cusanus Studierendengemeinschaft e.V. Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg

    Und weitere:
    Alexander Repenning, Bildungsreferent Beatrice Höner, Sprecherin Jugendbeirat Plan International Çagdas Eren Yüksel, Geschäftsführer Cocktailfilm GmbH Carolin Desirée Töpfer, Gründerin Carolin Kern, International Association of Students in Agriculturual and Related Science Tobi Rosswog, Autor und Aktivist Carolina Claus, Jugenddelegierte zum G20 David Mühlfeld, Klimabotschafter (Deutsche Klimastiftung) Dr. Wolfgang Gründinger, Botschafter, Stiftung Generationengerechtigkeit Eric Klausch, UN Jugenddeligierter 2016/17 & Leiter bei Power On Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Felix Heilman, Gründer der Oxford Climate Society Felix Machner, Landessprecher Bayern FÖJ 18/19 Greta Baden, Referentin für Umwelt der studentischen Vertretung der TU München Helmut Wolman, Vorstand von Ideen3 e.V. und Gründer der Karte von morgen Ivo Bantel, Sprecher Climate Justice Campaign InSPEYERed Jan Sachse, Jugendvertreter im Präsidium des Deutschen Naturschutzring (DNR) Jannick Nessensohn FÖJ Bundessprecher '17/'18 Johannes Wagner, Jugenddeligierter zum G20 KatjaSinko, EngagementBotschafterin2018 &Initiatorinvon THEEUROPEANMOMENT Konstantin Gast, Jugendbotschafter für ein Ende extremer Armut Leon Möllney, Freiwilliges Ökologisches Jahr 2018/19, Team Internationale Klimapolitik Ludwig Essig für das Greenteam Schwabenpower
    Luise Sobetzko, Redaktionsassistentin Malte Gallée, Europawahlliste Bündnis 90/Die Grünen Markus Göttfert, Geschäftsführung der Studierendenvertretung der LMU Max Hoffmann, Referent für Umwelt der studentischen Vertretung der TU München Moriz Reinprecht, Jugendbotschafter für ein Ende extremer Armut Nina Ziller, Jugendbotschafterin für ein Ende extremer Armut Open Globe NRW Patrick Rhode, Umweltreferent Sascha Kodytek, Aktionär der Kreuzberger Kinderstiftung Sophia Lambert, Landessprecherin FÖJ Berlin 2018/19 Spende deinen Pfand e.V. Tanja Gerstenberger, Klimabotschafterin (Deutsche Klimastiftung) Umweltreferat des studentischen Konvents der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Valentin Sagvosdkin, Bildungsreferent

    Der Brief wird unterstützt von:
    BUNDjugend
    Greenpeace Jugend
    WWF Jugend
    Naturfreundejugend Deutschlands
    NAJU

Kommentare

2 Kommentare
  • TrafalgarLaw03
  • GreenLulu
    GreenLulu Es ist so wichtig, dass sich junge Menschen für mehr Klimaschutz zusammenschließen. Die #FridaysForFuture-Bewegung zeigt, wie stark wir dann sind. Wir werden immer mehr und üben immer mehr Druck auf die Politik aus. Die Jugend weltweit erhebt sich.

    Dank...  mehr