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Mit Wärmebildkameras gegen Wilderer

  • Mithilfe von Wärmebildkameras und einer speziellen Computersoftware konnte der WWF in Ostafrika in den letzten Monaten zahlreiche Wilderer aufspüren. Wir zeigen euch, wie die moderne Technologie den Rangern bei ihrer Arbeit hilft.

    Monitoring mit Wärmebildkamera im Masai Mara Wildreservat in Kenia © James Morgan / WWF USA

    Allein im Jahr 2015 wurden in Afrika ungefähr 30.000 Elefanten und knapp 1340 Nashörner getötet. Die Gier nach Elfenbein und Nashorn wird dabei scheinbar immer größer, die Wilderer immer skrupelloser. Umweltschützer tappen meist im Dunkeln, wo und wann das nächste Mal zugeschlagen wird. Das soll sich nun ändern.

    Naturschutzingenieur Eric Becker © WWF USA

    Das ist Eric Becker, der Entwickler der Anti-Wilderei-Technologie vom WWF. Er hat für die Air Force und auch die Special Forces gearbeitet. Sein Spezialgebiet sind kleine unbemannte Flugkörper zur Aufklärung - so genannte UAVs bzw. MAVs (Unmanned Air Vehicles bzw. Micro Air Vehicles). Inzwischen arbeitet er als Naturschutzingenieur für den WWF und hat ein bahnbrechendes Überwachungssystem entwickelt.

    Aufstellen einer stationären Wärmebildkamera mit Solarmodul © James Morgan / WWF USA

    Als Testgebiet hat der WWF das Masai-Mara-Reservat in Kenia auserkoren. Marc Beckers System funktioniert so: Einerseits werden Solar-Pfosten entlang der Grenze in die Erde gelassen. An ihnen montiert überwachen stationäre Wärmebildkameras einen bestimmten Bereich. Eine zweites System besteht aus einer Wärmebildkamera, die sich beispielsweise auf einen Geländewagen montieren lässt und somit mobil einsetzbar ist.

    Ranger trainieren bei Nacht den Umgang mit der Wärmebildkamera © James Morgan / WWF USA

    Die Wärmekamera kann die emittierte Wärme aller Lebewesen innerhalb der gesteckten Grenzen aufzeichnen. Eine Software berechnet dabei den Standort der georteten Wärmequellen. Sollten sich nun Menschen innerhalb des Gebietes aufhalten, werden diese als solche auch erkannt und den Rangern gemeldet. Die Kameras stammen von der Firma FLIR, dem weltgrößten Anbieter für Wärmebildkameras.

    WWF-Chefentwickler Colby Loucks © WWF USA

    Der Chefentwickler beim WWF heißt Colby Loucks. Unter seiner Führung hat Eric Becker das System erdacht und entwickelt. "Das ist eine bahnbrechende Technologie für uns", sagte er, nachdem sich die ersten Tests erfolgreich gestalteten. In Mara gibt es bereits eine recht gut ausgebildete Infrastruktur für Anti-Wilderei-Einheiten. Mit der neuen Technik sind sie in Zukunft noch besser für den Kampf gegen Wilderer gerüstet.

    Breitmaulnashorn in Kenia © James Morgan / WWF USA

    Die erste Testphase war überaus erfolgreich. Seit Anfang März benutzten die Ranger die Wärmebildkameras bei ihrer Arbeit. "Neun Monate nachdem wir die Technik installiert haben und eingesetzt wird, haben wir mehr als zwei Dutzend Wilderer hier im Masai-Mara festgenommen", sagt Colby Loucks.

    Aufnahme einer Wärmebildkamera © WWF USA

    "Die Ranger bekommen mit den Kameras und der Software nun die Hilfe, die sie so dringend benötigen. Selbst bei absoluter Finsternis können wir Wilderer nun bis auf eine Meile Entfernung entdecken", erklärt Colby Loucks die Vorteile der Technik. Wilderer nutzen nicht selten die Dunkelheit der Nacht, um unerkannt in die Wildreservate oder Nationalparks einzudringen. Die Ranger tappten bislang sprichwörtlich im Dunkeln.

    Afrikanische Elefanten im Masai-Mara-Reservat © James Morgan / WWF USA

    Nach wie vor steckt Afrika mitten in einer bedrohlichen Wildereikrise. Im Jahr 2016 wurden schätzungsweise 30.000 Elefanten nur wegen ihres Elfenbeins getötet. Für Nashörner wird die Situation inzwischen brenzlig. 2016 verlor Afrika etwa 1340 Rhinos. Auch in ihrem Fall ist der einzige Grund die Gier, denn das Horn erzielt auf dem Schwarzmarkt Rekordpreise.

    Ranger werden in der Anwendung der Wärmebildkameras geschult © James Morgan / WWF USA

    Die Testphase ist derzeit noch nicht abgeschlossen, die bisherigen Ergebnisse sind jedoch äußerst vielversprechend. Im Anschluss an die Pilotphase im Masai-Mara soll das Programm auf verschiedene Parks und Reservate in ganz Afrika ausgeweitet werden. Die neue Wärmebildtechnik kann einen wichtigen Beitrag leisten, die Grenzen von besonders sensiblen Gebieten vor Wilderern zu schützen.

Kommentare

2 Kommentare
  • Puma
    Puma Ich war im Oktober in Masai Mara und musss sagen, es ist wunderschön da! Umso mehr freut es mich, dass die Tiere dort nun noch besser geschützt werden können und hoffentlich bald auch in ganz Afrika!
    14. Februar
  • Luke24
    Luke24 Bewundernswert, welche kreativen Ideen Menschen wie Becker und Loucks für den Umwelt,- Tier- und Artenschutz entwickeln. Einfach nur toll!
    Mich erstaunt in diesem Zusammenhang immer wieder, welche krass gegensätzlichen Erfindungen das menschliche Gehirn h...  mehr
    17. Februar 1 gefällt das