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Blood Lions - die gefährliche Täuschung beim "Voluntourismus"

  • Freiwilligenarbeit in einer Löwenaufzuchtstationen im südlichen Afrika - das klingt doch perfekt, oder? Doch leider wird die Hilfsbereitschaft vieler junger Menschen für ganz andere Ziele missbraucht.

    Im Tourismus boomt seit Jahren der "Voluntourismus" - Helfen und Urlaub machen in einem. Besonders die Arbeit auf Löwenfarmen im südlichen Afrika, wo man Löwenbabies füttern und pflegen darf ("Predator Interactive Voluntourism") sind beliebt. Den meist jugendlichen Volunteers wird erzählt, dass es sich um verwaiste Löwenjungen handelt und sie einen Beitrag für den Naturschutz leisten.

    Solche touristisch geprägten Freiwilligendienste werden mittlerweile auch von vielen Reiseveranstaltern angeboten. Ihre Prospekte versprechen spannende Erlebnisse, zum Beispiel ein Spaziergang gemeinsam mit einem größeren Löwenjungen ("Walk with a lion"). Die jungen Löwen, so die Behauptung, werden angeblich in ihren Tierheimen wieder auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet.

    Die Wahrheit ist, dass nach den vielen menschlichen Kontakten ein Leben in der Wildnis gar nicht mehr möglich ist. Stattdessen werden die Löwen weitergereicht und für das nächste touristische Produkt genutzt, die Gatterjagd („canned hunting“), und für sehr viel Geld an Trophäenjäger zum Abschuss verkauft. Oder die Knochen landen illegal auf chinesischen Märkten, wo man sie als Ersatz für Tigerknochen anbietet und große Gewinne machen kann. Allein in den vergangenen 12 Monaten wurden in Südafrika über 1.000 Löwen für diese Zwecke aufgezogen und getötet - ein Millionengeschäft.

    Viele Freiwillige sind ahnungslos und auch die Veranstalter meistens nicht ausreichend informiert, um das perfide System zu durchblicken. Dabei sollte einen so eine Löwenfarm schon stutzig machen, denn Löwen und anderen Wildtieren sollte man nur aus respektvoller Distanz und nach strengen Vorgaben begegnen und sie beobachten. Die meisten Volunteers bezahlen Geld für ihren Einsatz und werden in dem Glauben gelassen, dass die Jungtiere nach Erreichen des Erwachsenenalters ausgewildert werden. 

    Auf der ITB (Tourismus Messe in Berlin) im März wurde der Film "Blood Lions" angekündigt. Die Dokumentation, die unter großen Gefahren entstanden ist, hat direkt eine heftige Diskussion angestoßen. Wir vom WWF hoffen, dass durch diesen Film ein Ende des "Canned Hunting" und des Missbrauchs des Voluntourismus erreicht werden kann.

    Jedes Jahr kommen 20.000 Volunteers für Löwenfarmen aus Europa, davon sehr viele aus Deutschland. Die Tourismus-Zertifizierungsorganisation Fair Trade Tourism South Africa arbeitet momentan an Revision der Kriterien und entwickelt ein Label für Freiwilligen-Anbieter, damit jeder einfacher beurteilen kann, ob das Volunteer-Angebot wirklich seriös ist.

    Fallt nicht auf solche Angebote rein. Informiert euch beim WWF und anderen anerkannten Organisationen, wie ihr wirklich der Tierwelt helfen könnt. Weitere Infos zum Thema Voluntourismus gibt's hier.

    Titelbild © Florian Schulz / visionsofthewild.com

Kommentare

13 Kommentare
  • Marcel
    Marcel @Jayfeather & Johannisbeere1502: Missbrauch in dieser extremen Form in Auffangstationen für andere Tierarten ist uns nicht bekannt. Allerdings gibt es sehr viele schwarze Schafe unter den Anbietern für Freiwilligen Tourismus (Voluntourismus)...  mehr
    4. April 2016
  • Franzichen
    Franzichen Das schockiert mich jetzt wirklich, ich habe eine Zeitschrift von "praktikawelten" hier und dort werden auch solche "Wildlife" Angebote für Afrika angeboten, was ich wenn ich 18 bin gerne machen würde. Nun hoffe ich instä...  mehr
    6. April 2016
  • Puma
    Puma Ok, ich finde Voluntourismus generell nicht gut, egal ob jetzt für Wildtiere oder im sozialen Bereich. Für 2-3 Wochen hinfliegen, Lebenslauf aufmöbeln und wieder zurückfliegen. Ich finde das ist alles andere als nachhaltig. Nicht pers&...  mehr
    21. August 2016
  • Frank_wwFreiwillig
    Frank_wwFreiwillig @Puma Es ist toll, dass du einen einjährigen Freiwilligendienst machst. Und dass du dich im Bewerbungsverfahren gegen die anderen Bewerber durchsetzen konntest. Denn, wo es mehr Kandidaten als Plätze gibt, wie bei den geregelten Freiwilligendien...  mehr
    22. August 2016