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Festgefrorene Klimakonferenz

  • Nach ein paar Tagen Klimakonferenz in Paris stellt sich eine gewisse Routine ein. Morgens ein kurzer Spaziergang zum Gare du Nord, dann in den Vorortszug raus nach Le Bourget und per Bus-Shuttle bis zum Konferenzzentrum.

    Auch bei den Verhandlungen sieht man eine Routine aufkommen, die man von früheren Verhandlungen kennt: Es geht nicht vorwärts. Der erste Schwung hat nachgelassen. "Beamte, Wissenschaftler und Umweltschützer berichten von einem ausgesprochen schleppenden Verhandlungsverlauf" schreibt das Handelsblatt. Die angebliche Erwärmungpause, die Klimaskeptiker gerne zitieren, um ihre Thesen zu belegen, sie ist nun bei der COP eingetreten. Die Verhandlungen scheinen festgefroren.

    Die immergleichen Streitpunkte

    Um die Starre aufzubrechen, präsentiert der Präsident der Klimakonferenz und französische Außenminister Laurent Fabius am Morgen eine neue Textfassung des Abkommens. Sie soll helfen, neue Dynamik zu erzeugen. Außerdem wurden Sondervermittler beauftragt, um in kleineren Gruppen die ganz harten Nüsse anzugehen. Die Ergebnisse sollen am Freitag in abermals einer neuen Textfassung münden. Ziel ist es, den Text von derzeit 50 Seiten und tausenden von geklammerten Stellen auf eine lesbare Zwischenfassung zu bringen, die dann von den anreisenden Ministern in der kommenden Woche finalisiert wird.

    Die Streitpunkte sind im großen und ganzen die gleichen wie schon seit Monaten: Klimafinanzierung, der Umgang mit Schäden und Verlusten, wie häufig die Überprüfung der Emissionsminderungsziele stattfinden soll und die Transparenz und Vergleichbarkeit der Klimaschutzziele der einzelnen Länder untereinander.

    Bei der Klimafinanzierung wird beispielsweise darum gestritten, ob und wie sich Schwellen- und Entwicklungsländer verpflichten müssen. So lehnt beispielsweise Südafrika als Entwicklungsland Finanzbeiträge ab, da es sich auf die bestehenden Regeln der Klimarahmenkonvention von 1992 bezieht. Nach dieser Logik gilt Saudi-Arabien jedoch als Entwicklungsland und Griechenland als reicher Industriestaat, der dem Entwicklungsland bei der Anpassung an den Klimawandel finanziell unter die Arme greifen sollte.

    1,5 statt 2 Grad Celsius

    Die pazifischen Inselstaaten und andere verletzliche Staaten freuen sich derweil über Zuspruch aus Deutschland. Während bislang zwei Grad Celcius Temperaturerhöhung als Limit globaler Erwärmung als Konsens bei den Klimaschutzverhandlungen gelten, scheint sich Deutschland für ein 1,5 °C Limit auszusprechen. Das würde vielen pazifischen Inselstaaten und anderen klimatisch besonders gefährdeten Ländern den Rücken stärken, deren Existenz bei 2°C globaler Erwärmung auf dem Spiel steht. Deutschland wäre damit das erste Industrieland, das für ein 1,5 °C Limit plädiert. Die Zahl müsse im Text vorkommen, sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth am Rande der Klimakonferenz laut Frankfurter Allgemeine Zeitung.

    Der Spannungsbogen steigt derweil weiter an. Letztlich kommt es auf eine starke Präsidentschaft an, die die COP Verhandlungen zu ambitionierten Ergebnissen treibt. Wir wünschen dem Präsidenten der Klimakonferenz Laurent Fabius ein geschicktes Händchen. Langsam ist genug gepokert worden und es wird Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen.

    Foto © iStock/getty images

Kommentare

4 Kommentare
  • MarcelB
    MarcelB Danke für den informativen Zwischenbericht zur COP. Hoffen wir, dass Laurent streng durchgreift und sich die "ganz harten Nüsse" knacken lassen. :)
    5. Dezember 2015
  • Bjarne2000
    Bjarne2000 Ja, das, was ich (und viele Andere natürlich auch) die ganze Zeit schon befürchtet habe, vor Allem, seit die Demos verboten worden sind (wofür ich übrigens von sehr vielen in meinem Umfeld als totaler Pessimist abgestempelt wurde), ist...  mehr
    5. Dezember 2015
  • GreenLulu
    GreenLulu Danke für den interessanten Artikel. Ich hoffe sehr, dass die PolitikerInnen sich einig werden und endlich effektive und verbindliche Klimaschutzvereinbarungen getroffen werden. Wir müssen weiter gemeinsam kämpfen.
    6. Dezember 2015
  • Luke24
    Luke24 Danke für die super prägnante Zusammenfassung.

    Auch wenn ich nicht dabei bin, denke und hoffe ich doch, dass es eine Einigung geben wird. Ist es nicht üblich, dass die Verhandlungspartner auf Gipfelkonferenzen erst einmal ihre jeweiligen M...  mehr
    6. Dezember 2015