Berichte

WWF Jugend Adventskalender (5)

  • Schon ist der 5. Dezember und es ist Zeit für das nächste Türchen unseres Adventskalenders.
    Heute wird es mal ein bisschen philosophischer und wir wollen schauen, was wir für gelungene Weihnachten brauchen und was auch gerade nicht.

    Überall schwirren solche Sätze durch die Luft: „Gestern habe ich das Geschenk für Mama bestellt“, „Gleich muss ich noch in die Stadt, um etwas für meine beste Freundin zu kaufen“, „Morgen geht’s auf den Weihnachtsmarkt, um was selbstgemachtes (zwar nicht von mir) für Oma zu kaufen“, „Aber was soll ich denn meinem Papa oder meinem Freund schenken? Vielleicht kaufe ich einfach...“.

    Für mich klingt das immer nur nach „kaufen, kaufen, kaufen“ und nach ganz schön viel Stress, der meiner Ansicht nach eigentlich überhaupt nicht in die Weihnachtszeit gehört. Außerdem erinnert es mich an folgendes Zitat: „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

    Gut, in diesem Fall mögen wir die Menschen wahrscheinlich schon, denn meistens wollen wir ihnen ja mit dem Gekauften eine Freude machen. Aber wie ist das mit der Freude? Machen wir uns wirklich mit den gekauften Dingen eine Freude? Und wie sieht es mit dem Brauchen aus? Hat man nicht manchmal nach Weihnachten das Gefühl, mit Gegenständen überhäuft worden zu sein, für die man erst mal wieder einen Platz finden muss? Ganz zu schweigen vom Faktor Geld. Viele Menschen verschulden sich vor Weihnachten, um beim Konsumrausch mitmachen zu können. Sie haben das Gefühl, in eine Art Tauschhandel gefangen zu sein, in dem jedes Geschenk mit seinem Geldwert belegt und eine „gleichwertige“ Gegenleistung erwartet wird. Außerdem wollen neben den Geschenken ja auch noch Weihnachtsessen, Tannenbaum und Co. finanziert werden, deshalb haben die Aktivist*innen von Living Utopia mal gefragt „Was kostet eigentlich Weihnachten?“ und spannende Antworten und Lösungsmöglichkeiten gefunden.

    Nun will ich aber gar nicht so sehr das Kaufen an sich kritisieren. Ich weiß nur zu gut, wie sehr man sich besonders als Kind freuen kann, wenn man die heißersehnte CD oder das neue Lieblingsbuch unter dem Tannenbaum findet. Wichtig ist mir dabei vor allem, dass wir, wenn wir kaufen, bewusst kaufen und nicht blind dem Konsumrausch folgen und auch, dass immer der Aspekt des „dem anderen eine Freude machen“ im Vordergrund steht. Denn als Kind freut man sich sicher mehr über das besagt Buch, als über Zeit in einem Marmeladenglas, aber dazu später mehr. Außerdem kann man ja auch durch sein Kaufen Gutes tun, indem man Geschenke z.B. im Weltladen kauft, gebrauchte Bücher oder Mängelexemplare verschenkt oder fair gehandelte Schokolade und Tee an den Adventssonntagen genießt. 

    Schon bin ich durch die gebrauchten Bücher am nächsten Punkt angekommen. Vielleicht muss ja gar nicht immer alles „neu“ sein, was wir verschenken und indem wir nichts Neues kaufen, generieren wir auch keine Nachfrage für ein Angebot, das uns sowieso schon erschlägt. Gute Alternativen sind hier Upcycling und Do-it-yourself, denn wer kennt nicht die strahlenden Gesichter von Oma oder Mama, wenn man Ihr den selbstgestrickten Schal überreicht?

    Jetzt möchte ich aber noch einen Schritt weitergehen und noch mal die Frage, „worüber würde ich mich am meisten freuen“ in den Vordergrund stellen. Viele Menschen würden dann materielle Wünsche äußern, wie z.B eine wertvolle Kette. Dabei ist aber spannend zu betrachten, dass es die These gibt, dass materielle Bedürfnisse oft genutzt werden, um den Mangel an der Befriedigung sozialer Bedürfnisse zu kompensieren. Wie wäre es also, wenn wir uns statt materieller mal soziale Geschenke machen? Dabei dürfen wir gern kreativ sein. Wie wäre es, wenn wir mal Lächeln, Umarmungen, Ausflüge, gemeinsame Massageabende oder Naturerlebnisse verschenken? Damit können wir gleich viel mehr Menschen beschenken, denn diese sozialen Geschenke basieren alle auf der Liebe, die wir fast unbegrenzt zur Verfügung haben -im Gegensatz zu Geld!
    Viele schöne Ideen findet Ihr auch hier auf der Seite von „Zeit statt Zeug“! Um mal ein paar Beispiele zu nennen:

    Bei uns im Garten liegt ein Stein, auf dem steht: „Zeit ist kostbarer als Gold“ und immer, wenn ich daran vorbeikomme, denke ich, wie wahr dies doch ist. Wie oft erzählen wir uns gegenseitig: „Eigentlich geht es mir ganz gut, aber... irgendwie habe ich immer zu viel um die Ohren... irgendwie habe ich immer zu wenig Zeit.“

    Könnte man also nicht vielen Menschen die größte Freude machen, indem man ihnen einfach ein bisschen Zeit schenkt?

    In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine stressfreie Advents- und Weihnachtszeit voller Liebe und Zeit! :)

    Doch jetzt bin ich auf Eure Kommentare gespannt! Was werdet Ihr verschenken? Wie sehen Eure Zeitgeschenke aus? Und wie macht Ihr Weihnachten tatsächlich wieder zum Fest der Liebe?

    Wenn Ihr Euch nun fragt, wie Ihr Eure Zeit am besten einpacken könnt, schaut doch mal in das Türchen von gestern ;)

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    Bilder:
    Pixabay.com

     

Kommentare

3 Kommentare
  • johannesS
    johannesS Hey Lisa, schöner Adventskalenderartikel :)

    Genial, dass du das "Zeit verschenken" angesprochen hast! Ich denke, es geht doch an Weihnachten darum, gemeinsam mit der Familie und Freunden Zeit zu verbringen und mal wieder alle zu sehen. Die mat...  mehr
    5. Dezember 2015
  • Jayfeather
    Jayfeather Also ich schenke gerade meinen Eltern öfter Gutscheine für gemeinsame Unternehmungen. Mit meiner Mutter waren wir z.B. im Kletterpark, nächstes Jahr gehe wir Disc-Golfen....
    Ich persönlich freue mich über solche Geschenke auch am meisten, weil ich dann vo...  mehr
    5. Dezember 2015
  • peacemeinfreund
    peacemeinfreund Hey Lisa,
    super Artikel. Meine Schwester hat mir einen Weinachtskalender geschenkt, wollte ich ihr natürlich eine ähnliche Freude machen. Doch anstelle nun auch los zu rennen und Schokolade zu kaufen, habe ich mir ein Beispiel an dem Projekt &qu...  mehr
    6. Dezember 2015