Berichte

Molke gegen Pfand - die Tricks der Getränkehersteller

  • Wie Getränkehersteller versuchten, das Pfandsystem zu umgehen - und wie sie kläglich daran scheiterten.

     

    Vor längerer Zeit erzählte mir mal ein Kumpel, dass er sich einen Energy-Drink gekauft hat und war etwas verwundert darüber, dass in der Zutatenliste an erster Stelle „Molkereiprodukte“ steht. Auf den ersten Blick ist das jetzt aber vielleicht gar nicht so erstaunlich, immerhin sind in Energy-Drinks viele verschiedene Substanzen, häufig auch höchst seltsame, enthalten. Der Grund dafür, dass Molkereiprodukte enthalten sind, dient allerdings weder dem Geschmack, noch dem Effekt des Getränks: Vielmehr wird damit gezielt versucht, das deutsche Pfandsystem zu umgehen.

     

    Dass auf Flaschen Pfand erhoben wird, hat sich heutzutage schon in vielen europäischen Ländern etabliert, während das Dosenpfand nicht allzu weitläufig bekannt ist. Dieser zusätzliche Aufwand, für Deutschland und wenige andere Länder spezielle Dosen zu produzieren, macht vielen Getränkeherstellern zu schaffen. Deswegen kam im Jahr 2010 ein großer Hersteller auf die Idee, mit einem kleinen Trick das Dosenpfand zu umgehen: Indem in das Getränk einfach Molkereiprodukte mit eingemischt werden. Denn: Besteht ein Getränk zu über 50% aus Molke oder Wein, ist es von der Pfandregelung ausgenommen.

     

    Energy-Drinks, Limonaden und Eistees wurden nach der Erfindung Anfang 2010 in deutschen Supermärkten pfandfrei verkauft. Doch geschmacklich unterschieden sich die Getränke mit Molke kaum von herkömmlichen Limonaden – warum?

     

    Der Trick war folgender: Der Getränkehersteller ließ Unmengen an Molke so häufig filtrieren, dass alle molketypischen Inhaltsstoffe herausgefiltert wurden und eine wasserähnliche Substanz übrig blieb, die im Grunde auch nur nach Wasser schmeckte. Diese wurde dann mit Kohlensäure, Zucker, Aromen etc. zu Limonade und anderen Getränken weiterverarbeitet.

     

    Das passiert mit Dosen, die nicht wieder ins Pfandsystem zurückgelangen.

     

    Die Produkte hielten sich jedoch nur ein halbes Jahr in den Supermärkten, nachdem anhand vieler Stichproben festgestellt wurde, dass durch das viele Filtrieren kaum molketypische Inhaltsstoffe mehr enthalten waren. Im Oktober 2010 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass Produkte dieser Art nicht mehr pfandfrei verkauft werden dürfen.

     

    Schließlich ist dieser Trick nicht nur eine „besonders dreiste Verbrauchertäuschung“ – immerhin denkt der Kunde, er bekomme ein gesundes molkehaltiges Getränk – sondern auch besonders umweltschädlich: Nicht nur, dass viel mehr Dosen im Restmüll landeten, anstatt über das Pfandsystem wiederverwertet zu werden, es wurde auch noch filtrierte wasserartige Molke in Tanklastern quer durch Deutschland transportiert, anstatt normales Leitungswasser, welches überall verfügbar ist, zu nutzen.

     

    Hin und wieder begegnet man ihnen noch, den pfandfreien Energydrinks – beispielsweise in Automaten. Ob diese nun unrechtmäßig dort verkauft werden oder seit neuestem unfiltrierte Molke verwendet wird, bleibt unklar. Vielleicht entschließt man sich aber, diese Dosen von nun an links liegen zu lassendenn ein besonders umweltverträgliches Produkt sind sie allemal nicht.

     

    -----------------------------------------------------------------------------------

     
    QUELLENANGABEN:

    Text:

    http://www.news.de/wirtschaft/855048457/trinktur-gegen-das-dosenpfand/1/

    http://www.duh.de/2996.html

    Fotos:

    Foto (Oben): von Rupert Ganzer, https://flic.kr/p/53YoAW, veröffentlicht unter Creative-Commons-Lizenz

    Foto: (Mitte): von David_Reverchon, https://flic.kr/p/4Xp6cb, veröffentlicht unter Creative-Commons-Lizenz

    Hinweis: Die Fotos dienen in keiner Weise der Werbung für ein bestimmtes Getränk - es waren nur zufälligerweise keine Bilder mit CC-Lizenz von anderen Getränken verfügbar.

     

Kommentare

8 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Das klingt absolut eklig, so was möchte ich nicht trinken. Kaum zu glauben, dass das weniger Aufwand bedeuten soll als Pfanddosen... Gut zu hören, dass die Hersteller damit nicht durchgekommen sind. Vielleicht hilft es ja, mal nachzuhaken oder ...  mehr
    28. Oktober 2015
  • simondominik
    simondominik Super Artikel.Wenn ich mal mit ein paar Kollegen einen kleinen zockerabend mache, gehört auch das ein oder andere "Energiegetränk" dazu. Das was ich kaufe ist aber in Pfandflaschen. Dosen sind eh zu klein :D
    28. Oktober 2015
  • Ronja96
    Ronja96 Danke für den tollen Artikel! Irgendwie bin ich gerade echt froh, dass ich solche Getränke aus Dosen eh nicht trinke. Das hört sich nämlich nicht allzu lecker an. Aber wenigstens ist es gut, dass die Unternehmen es so nicht schaffen ko...  mehr
    29. Oktober 2015
  • Jojahanna
    Jojahanna Interessanter Bericht. Wenigstens ist der Betrug in diesem Fall so schnell aufgedeckt worden.
    5. November 2015