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Silent Climate Parade - Jubelnd und tanzend durch die "Mauer der fossilen Energie"

  • "Klimaschutz ist Zukunft - tanz mal drüber nach" war das Motto der diesjährigen Silent Climate Parade, die zum mittlerweile achten Mal durch Berlin zog. Touristen, Anwohner und Shopper staunten nicht schlecht, als rund 750 tanzende, winkende und jubelnde Leute auf sie zu groovten - aber ohne hörbare Musik! Denn die erreichte nur die Demo-Teilnehmer über Funkkopfhörer. So, wie wir durch Berlin rollten, waren wir dem Klimawandel ganz ähnlich. Auch die Erderwärmung erwischt uns leise und unmerklich - und dennoch ist sie Fakt!

    Es war unsere Art, auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Überraschend, fröhlich und bunt. Die Silent Climate Parade ist eine Demo wie keine andere. Wir brüllten niemanden an, wir redeten nicht auf die Leute ein, was sie zu tun oder zu lassen haben. Klimaschutz, das zeigte die Silent Climate Parade, kann Spaß machen. Es ist ein verdammt gutes Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen.

    Auf dem Oranienplatz ging's los, hier lagen bereits bunte Schilder, Fahnen und Kopfhörer für alle bereit. Die Atmosphäre war genial - als würde jeder jeden kennen. Fossil Free Berlin hatte bunte Bänder mitgebracht, auf die man schreiben konnte, was einem besonders am Herzen liegt und was man vor dem Klimawandel bewahren will.

    Für treibende Sets sorgten die DJs Kiki (BPitch Control / Berlin), Empro (Sisyphos / Berlin), Gerd Went (bouq. / Mainz), Leon Kostner (Sturm & Drang / Berlin) und Zetti (headvsheart / hans&gloria). Die Straßen zwischen Berlin Kreuzberg und Mitte verwandelten sich in unseren eigenen Dancefloor.

    Moderator Zackes heizte der Demo zusätzlich mit Choreos ein - plötzlich und wie auf ein geheimes Kommando legte sich die ganze Masse auf den Rücken, um mit den Füßen in der Luft zu strampeln, oder wir ließen Laolawellen durch die Reihen laufen und umarten einander. Wir kickten riesige Carbon Bubbles vor uns her und schmückten die graue Innenstadt mit Konfetti und Seifenblasen. Ein Riesenspektakel für alle verdutzten Passanten, denen wir direkt unsere Flyer in die Hand drückten.

    Zwischen den Sets gab es auch kurze Zwischenkundgebungen auf die Kopfhörer. So sprachen u.a. Dr. Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Meike Schuetzek von Fossil Free Berlin 350.org und WWF Jugend Klimabotschafter Johannes zu der tanzenden Menge.

    Ihre Botschaft war klar: Beim Klimaschutz geht es um unsere Zukunft! Wenn die Politiker, die eigentlich für uns Menschen entscheiden sollen, nicht komplett versagen wollen, müssen sie endlich konsequent handeln. Und ebenso muss jeder von uns dieses Ideal vorleben, mit eigenen Schritten das Klima schützen und das Thema in den Fokus der Gesellschaft drängen.

    Am Ende der Strecke, direkt zwischen Bundestag und Brandenburger Tor, erwartete die Demonstranten eine große Überraschung. Nur die WWF Jugend Aktivisten, die sich über's CrowdFinding angemeldet hatten, waren eingeweiht und hatten die Aktion heimlich vorbereitet: die "Mauer der fossilen Energien".

    Als der Demozug bei der Eberstraße auf die Zielgerade einbog, ging ein Raunen durch die Menge. "Was ist das denn?!? Ich dachte, es geht bis zum Tor.", "Ja, und jetzt?", "Hey, 'ne Mauer mitten auf der Straße, wie geil ist das denn?" - doch wir ließen die Crowd nicht lange zappeln, per Kopfhörerdurchsage löste Zackes das Rätsel auf. Die "Mauer der fossilen Energie" müsse uns nicht den Weg zum Ziel versperren. Wir könnten die Mauer ja auch einfach einreißen - hätte in Berlin ja schon einmal super geklappt!

    Die Sekunden vor dem Ansturm... das muss man erlebt haben. Zunächst sah es so aus, als würde die Gruppe beim Frontbanner zögern. Doch in Wirklichkeit wartete nur jeder ungeduldig darauf, dass der erste loslief - bis schließlich die ersten mit wehenden WWF Jugend Fahnen losrannten. Dann ging alles blitzschnell. Unzählige Demonstranten rannten durch die Mauer, die Kartons flogen unter lautem Krachen in alle Richtungen, irgendwann waren es nur noch Kartonfetzen.

    Die Politik, so unsere Botschaft, soll sich nicht darauf ausruhen, irgendwann einmal Mauern eingerissen zu haben. Wir müssen in die Zukunft schauen, wo neue Mauern darauf warten, eingerissen zu werden. Die Mauern in den Köpfen derjenigen, die an den fossilen Energien festhalten. Die Mauern derjenigen, denen egal ist, wie wir einmal auf diesem Planeten leben sollen. Am Abend des 12. September 2015 mitten im Berliner Regierungsviertel hat die Silent Climate Parade gezeigt, dass wir alte Denkmuster hinter uns lassen und zu einer anderen Zukunft aufbrechen wollen.

    "Wir sind wahrscheinlich die erste Generation, der die Zukunft madig gemacht wird", sprach Daniel Hires, Mitgründer der Silent Climate Parade, bei der Abschlusskundgebung zu den Demonstranten. "Dabei erleben wir gerade eine höchst spannende Zeit: In den nächsten 20 bis 30 Jahren werden wir bestimmen, wie die nächsten mehreren Generationen leben können. Das ist nicht nur eine Verantwortung, sondern auch eine riesige Chance. Ich finde es wichtig, dass die Zukunft uns zum Träumen von einer schöneren Welt einlädt - und wir dann anpacken und unsere Ideen umsetzen."

    Die bunten Armbänder wurden zu einem langen Band zusammengebunden und um eine Säule des Brandenburger Tors geknotet. Noch einmal gab es ein letztes DJ-Set, und wer kann schon von sich behaupten, direkt unter dem Brandenburger Tor getanzt zu haben.

    Die Silent Climate Parade brachte ein paar Stunden Zauber in die Hauptstadt. "Ihr habt mich heute Abend sehr inspiriert", sagte Daniel und dankte der WWF Jugend und allen weiteren Freunden und Partnern, die die Parade möglich gemacht haben.

    Es gibt so viele Menschen, die das Richtige wollen - lasst uns zusammen für eine zukunftsfähige Welt kämpfen! Die WWF Jugend wird nicht locker lassen! Für eine klimafreundliche Welt!

    Fotos © Gustav Pursche (außer Foto von der Mauer © Robert Gunther / WWF)

Kommentare

13 Kommentare
  • Ivonne
    Ivonne Es war einfach toll, durch die Straßen von Berlin zu tanzen! Danke für diese super Aktion an alle!! Sehr schöne Bilder!
    14. September 2015
  • seaeagle
    seaeagle Ich wäre auch so gerne dabei gewesen.
    Vielleicht klappt\'s ja beim nächsten mal.
    14. September 2015
  • vince
    vince Toller Bericht, tolle Bilder, tolle Aktion! war super, dabei gewesen zu sein :)
    15. September 2015
  • Wasserjunge
    Wasserjunge Zu schade, dass ich nicht dabei sein konnte! :/ Nächstes Jahr ganz bestimmt!!
    16. September 2015