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Kein Mensch ist illegal – Kommentar zur Flüchtlingssituation.

  • „Es geht nicht um die Wahl, ob die Menschen ein besseres Leben haben oder nicht. Es geht um Leben und Tod... Egal was passiert, die Menschen werden weiterhin fliehen.“ (Kristina Zammit, Jesuit Refugee Services’)

    Im Jahr 2015 starben im Mittelmeer bis jetzt bereits rund 2.000 Menschen auf der Flucht nach Europa. Dabei gibt die EU für die Sicherung der EU-Außengrenzen knapp dreimal so viel Geld aus wie für die Verbesserung von Asylverfahren und Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge. Außerdem waren von allen Menschen, die 2013 nach Deutschland eingewandert sind, nur ca. 12% Asylsuchende. Gleichzeitig nimmt aber der rechtsradikale Terror gegen Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland dramatisch zu, fast täglich hört man in den Nachrichten von abgebrannten Turnhallen oder ähnlichen Übergriffen. Dass hier Einiges gewaltig schief läuft, ist offensichtlich...

    Neben Krieg oder politischer Verfolgung zwingen teilweise auch verschlechterte ökologische und soziale Lebensbedingungen Menschen dazu, dass sie ihre Heimat verlassen müssen. Gründe dafür sind u.a. die Politik des Globalen Nordens und unser konsumorientierter, ressourcenaufwendiger Lebensstil:

    - Die Folgen des Klimawandels zerstören die Lebensgrundlagen in vielen ärmeren Ländern.

    - Ungerechte Wirtschafts- und Handelsbeziehungen führen zur Ausbeutung.

    - EU-Agrarexportsubventionen zerstören lokale Märkte in Ländern des globalen Südens.

    - Die Praxis des Landraubs durch europäische Firmen zwingt Menschen ebenfalls zur Flucht aus ihrer Heimat.

    Wir sollten also nicht vergessen, dass die Menschen oftmals zur Flucht gezwungen werden (im weitesten Sinne sogar von uns Industriestaatlern) und sie ihre Heimat gar nicht verlassen wollten.

    „Ich wollte meine Heimat nicht verlassen. Ich hoffte bis zuletzt, der Krieg würde bald zu Ende gehen“. (Rana Fida, Flüchtling aus Syrien).

    Und was erwartet sie dann in Europa? Überfüllte Unterkünfte, Duldungsstatus, Abschiebung, Perspektivlosigkeit oder Fremdenfeindlichkeit?

    Dass die EU und Deutschland nicht wahllos alle Flüchtlinge aufnehmen können, ist klar. Allerdings verstößt angesichts der dramatischen aktuellen Lage der Flüchtlinge deren Behandlung durch EU-Mitgliedsstaaten gegen Flüchtlings- und Menschenrechte.

    „Die europäische Union hat bislang ihre Grenzen geschützt. Sie sollte beginnen, Menschen zu schützen.“ (Maximilian Popp, Journalist)

    Als ich im Juli die Chance hatte, die Erstaufnahmestelle in Dortmund-Hacheney zu besuchen, wurde deutlich, dass für manche Flüchtlinge „erst mal nur die Gewissheit zählt, unter einem Baum sitzen zu können, und zu wissen, dass Ihnen nicht gleich eine Bombe auf den Kopf fällt“. Aber auf Dauer reicht allein diese Gewissheit nicht aus. Die Menschen brauchen menschenwürdige Unterkünfte und Perspektiven für die Zukunft.

    Wir alle stehen in der zivilgesellschaftlichen Verantwortung, aktiv zu werden, um unserem internationalen Anspruch gerecht zu werden. Egal ob andere informieren, Behördengänge begleiten, Sachspenden leisten oder WG-Zimmer anbieten, jeder kann einen kleinen Beitrag leisten. Was und wie genau Ihr das am besten macht, lest Ihr hier in den Tipps von Pro Asyl!

    Wenn Du Dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest, könnte auch folgendes Seminar für dich interessant sein: Geflüchtete willkommen heißen – Chancen und Herausforderungen in der Unterstützungsarbeit vom 09.10.2015 bis 11.10.2015 in Berlin. Hier geht es darum, dass Ehrenamtliche in der Unterstützungsarbeit oft vielen Herausforderungen gegenüber stehen, dass sie z.B. nur vage Kenntnisse über die Themen Flucht und Asyl sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen haben oder sie kennen die Lebensrealitäten von Geflüchteten kaum. Häufig fehlt auch der Raum für eine adäquate Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Alltagsrassismen, die einer Begegnung auf Augenhöhe im Wege stehen. Diesen Herausforderungen reflektiert, gestärkt und informiert zu begegnen, ist Ziel des Seminars, welches grundsätzlich den Fragen nachgeht, wie eine nachhaltige Unterstützung aussehen kann und in welchem politischen Rahmen derartiges Engagement stattfindet.

    „Ich erhebe meine Stimme, nicht um zu schreien, sondern um für die zu sprechen, die keine Stimme haben.“ (Malala Yousafzai, Pakistanische Menschenrechtsaktivistin).

    Doch bei aller Kritik sollten wir nicht vergessen, dass genau dies in Deutschland bereits viele Menschen tun! Sie erheben ihre Stimme gegen Hass und Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile und setzen sich unermüdlich aktiv für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit ein, indem sie in Aufnahmelagern helfen, Zimmer bereitstellen, Behördengänge begleiten oder, oder, oder... Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese leise Stimme der Menschlichkeit den lauten "braunen" Widerstand übertönt!

    Aber was hat all das mit uns, der WWF Jugend zutun? Ganz einfach! Viele Probleme im Umweltschutz haben uns gezeigt, dass Lösungen oft nur global möglich sind, wenn alle Menschen zusammenarbeiten. Und das sind wir schließlich alle - Menschen. Egal, welche Hautfarbe wir haben, woher wir kommen oder aus welchen Gründen wir unsere Heimat verlassen mussten. Wie auch beim Umweltschutz sitzen wir auch bei dieser Situation im selben Boot und müssen zusammenhalten. Die WWF Jugend versteht sich als weltoffene, bunte Community, in der jeder willkommen ist. In diesem Sinne: Refugees welcome!

    "Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 14), denn: kein Mensch ist illegal!

     

    Weitere Infos und meine Quellen:

    Ausstellung von Pro Asyl

    Newsstream von Pro Asyl

    Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

    "Auf der Flucht vor dem Klima" von Oxfam

    "Flüchtlige willkommen, Fluchtursachen nicht" von der BUNDJugend

     

    Bilder:

    https://pixabay.com 
    Pass über Grenzzaun & Welcome © iStock / Getty Images

Kommentare

5 Kommentare
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Danke für den Artikel!
    Wenn wir den Klimawandel nicht eindämmen, wird es immer mehr Menschen geben, die flüchten müssen und wenn wir den Boden nicht schützen wird es auch immer mehr Hunger und Krieg wegen zu wenig Nahrung geben. W...  mehr
    1. September 2015
  • Kathy3
    Kathy3 Ich finde es super, dass Du den Artikel geschrieben hast!
    Ich hatte mein BFD-Seminar zum Thema Flüchtlingsproblematik, wo wir das EU-Parlament nachgespielt haben, mit dem Versuch eine EU-Lösung zu finden. Hat trotz guter Kompromissvorschläg...  mehr
    2. September 2015
  • Felix_der_Blaue
    Felix_der_Blaue Was du ansprichst, Kathy, stimmt zunehmend. Nur bezweifle ich, dass sich die momentane Regierung ernsthaft mit den Entbürokratisierung befassen wird, und auch der hilfsbereiteste Gutbürger kann das Asylantragverfahren leider nicht beschleunigen....  mehr
    3. September 2015
  • RichardParker
    RichardParker Ein sehr wichtiger Beitrag, danke Lisa! Willkommen allen, die bei uns Schutz suchen!
    4. September 2015